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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

25.04.2008

Arzneimittelrückstände: Belastungen der Umwelt wirksam verringern


Für die Lösung des Problems ist eine integrierte Strategie notwendig, die eine nachhaltige Arzneimittelentwicklung, den umweltbewussteren Einsatz der Medikamente durch Ärzte, Apotheker und Patienten sowie eine weiter optimierte Abwasserbehandlung zusammenschließt. - Dieses Fazit zogen heute am Ende einer internationalen Tagung Prof. Dr. Klaus Kümmerer, Universitätsklinik Freiburg, Dr. Florian Keil, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) Frankfurt, und Dr. Hans-Christian Schaefer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Unter dem Titel "Nachhaltige Pharmazie" hatten über 50 Experten in der DBU darüber beraten, was zu tun sei, um Tonnen von Arzneimittelwirkstoffen aus Gewässern fernzuhalten und dort lebende Organismen und damit die Umwelt vor Schädigungen zu bewahren. Denn die Stoffe würden, so die Experten, im menschlichen Körper nicht komplett abgebaut und seien so stabil, dass ihnen nach dem Ausscheiden auch moderne Kläranlagen oft nichts anhaben könnten.

Arzneimittel haben Umweltauswirkungen

Vor Experten aus Forschung und Industrie sowie Vertreter der Behörden, der Wasserwirtschaft, der Medizin und der Umweltforschung betonte Kümmerer, dass Arzneimittel zwar wichtig für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen seien. Nur müsse auch darüber nachgedacht werden, wie ihr Umweltauswirkungen verringert werden könnten: "Will man Pharmazie nachhaltiger machen, muss man den gesamten Lebenszyklus von Arzneimitteln betrachten: von der Entwicklung über die Produktion und die Anwendung bis zur Entsorgung".

Computerbasierte Methoden zur Entwicklung von Wirkstoffteilchen

Wenn beispielsweise die Umwelteigenschaften der Wirkstoffe schon bei ihrer Entwicklung stärker berücksichtigt würden, könnten umweltfreundlichere Varianten bevorzugt werden. Wesentliche Fortschritte bei der Verbesserung der Umwelteigenschaften könnten in Zukunft computerbasierte Methoden zur gezielten Entwicklung von Wirkstoffteilchen liefern. Auch könnten durch das Entwickeln von Pharmaka, die zielgenauer im kranken Organismus wirkten, Dosen verringert und so das Potenzial für Umweltentlastungen erhöht werden.

Vorbild Schweden: klassifizierte umweltschonende Medikamente

Ein weiterer möglicher Ansatzpunkt, Pharmazie nachhaltiger zu machen, sei eine Einteilung von Arzneimitteln nach Umweltwirkung. Keil: "Eine solche allgemein verfügbare Umweltklassifikation ermöglicht es Ärzten in Schweden bereits heute, umweltfreundliche Medikamente bevorzugt zu verschreiben." Damit eine solche Liste auch angenommen werde, müsse das Bewusstsein von Ärzten und Apothekern für die Problematik besonders geschärft werden.

Abwasserreinigung verbessern durch nachhaltige Sanitärkonzepte

Auch wenn wesentliche Erfolge in diesen Feldern erzielt werden könnten, bleibe eine verbesserte Abwasserbehandlung unverzichtbar, so die Experten. Es müsse über nachhaltige Sanitärkonzepte nachgedacht werden, die darauf setzten, die verschiedenen Abwasserarten am Ort ihrer Entstehung getrennt zu erfassen, um so eine wirkungsvollere Reinigung zu ermöglichen. Diese bereits weit entwickelten Konzepte könnten z.B. in Neubaugebieten und in Krankenhäusern eingesetzt werden. Zudem müssten auch stärker zusätzliche Maßnahmen bei der Abwasserreinigung in den kommunalen Kläranlagen in Betracht gezogen werden.

Abgelaufene Medikamente am Besten zurück in die Apotheke

Wenn das alles nicht helfe, müsse notfalls auch über gesetzgeberische Maßnahmen nachgedacht werden. Diskutiert wurde die Schaffung von Anreizsystemen, die die Entwicklung nachhaltiger Arzneimittel antreiben könnten. Insgesamt sei aber die Gesellschaft als Ganzes gefragt. DBU-Experte Schaefer: "Jeder von uns kann einen Beitrag leisten. Wir als Patienten sollten immer auch die oft bestehenden Alternativen zur medikamentösen Behandlung von Beschwerden prüfen. Und natürlich: Abgelaufene oder alte Arzneimittel gehören nicht in die Toilette, sondern in den Hausmüll, am Besten zurück in die Apotheke!"

Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)




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