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05.11.2007

Nobelpreisträger Gerhard Ertl ist auch Otto-Hahn-Preisträger 2007


In einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche wird am 27. November 2007 Professor Dr. Dr. h.c. mult. Gerhard Ertl, früherer Direktor am Fritz-Haber-Institut (FHI) der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, mit dem Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet. Der Otto-Hahn-Preis, gemeinsam getragen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Stadt Frankfurt, ist mit 50.000 Euro einer der höchst dotierten Wissenschaftspreise Deutschlands. Ertl, ursprünglich Physiker, hat ein Kerngebiet der Chemie, die Katalyse, grundlegend fortentwickelt.

Auf ihrer Sitzung am 17. April 2007 hatte die GDCh-Auswahlkommission für den Otto-Hahn-Preis beschlossen, Gerhard Ertl für den Otto-Hahn-Preis 2007 vorzuschlagen. GDCh-Geschäftsführer Professor Dr. Wolfram Koch teilte dies der Vorsitzenden, Frankfurts Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth, und den Mitgliedern des Kuratoriums des Otto-Hahn-Preises mit und betonte, dass die GDCh mit großem Nachdruck die Verleihung des Otto-Hahn-Preises an Gerhard Ertl befürworten würde. Das Kuratorium einigte sich darauf hin im Juni auf Ertl als Preisträger. Ertl, der die Verleihung des Otto-Hahn-Preis als die "Krönung eines Chemikers in unserem Lande" bezeichnete, wird für seine bahnbrechenden Untersuchungen zur Aufklärung der Elementarschritte heterogen katalysierter Reaktionen auf festen Oberflächen ausgezeichnet. Dass ihm am 10. Oktober 2007 durch die Schwedische Akademie der Wissenschaften auch der Nobelpreis für Chemie für seine "Studien zu chemischen Vorgängen an festen Oberflächen" zuerkannt wurde, dokumentiert eindrücklich die Relevanz des Themas Katalyse und die zentrale Bedeutung von Ertls Arbeiten. Der Nobelpreis wird Ertl am 10. Dezember verliehen.

Bereits in den zurückliegenden Jahren hatte die GDCh immer wieder Anlass, Ertl für seine wissenschaftlichen Leistungen zu ehren. "Ihr Vorwärtsdrängen ist nie versiegt, Ihre immer neuen Erkenntnisse riefen wieder und wieder große Bewunderung hervor, nie ist Ihre Forscherleidenschaft erlahmt. Die Anerkennung und der Respekt der Fachwelt werden nun gekrönt mit der Verleihung des Otto-Hahn-Preises und des Nobelpreises für Chemie", würdigte GDCh-Präsident Professor Dr. Dieter Jahn den Preisträger, der von 1990 bis 1993 auch Mitglied des GDCh-Vorstands war.

Die bedeutendsten Auszeichnungen, die Ertl bislang von der GDCh erhalten hat, sind die Liebig-Denkmünze im Jahr 1987 und der Karl-Ziegler-Preis 1998. In der Urkunde zur Verleihung der Liebig-Denkmünze heißt es, dass Ertl die Auszeichnung "für seine hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Oberflächenchemie, die international große Beachtung und Anerkennung gefunden haben" erhalte. Und weiter: "Die detaillierte Kenntnis der Wechselwirkung von Reaktionspartnern mit Metall- oder Halbleiter-Einkristallflächen, die originelle Anwendung der verschiedenen spektroskopischen Methoden und jüngste Ergebnisse über dynamische Vorgänge an Grenzflächen, haben den Mechanismus fundamentaler katalytischer Prozesse geklärt. Mit der Breite seiner Interessen und der Tiefe im theoretischen Verständnis spannt sich der Bogen von der Oberflächenphysik über weite Bereiche der physikalischen Chemie bis zur heterogenen Katalyse technischer Synthesen."

Charakteristisch für den wissenschaftlichen Werdegang Ertls, der 1936 in Stuttgart geboren wurde und dort 1955 das Studium der Physik aufnahm, sind seine Vielseitigkeit, seine Flexibilität und sehr früh erwachende Selbstständigkeit. Je ein Jahr seines Studiums verbrachte er in Paris und München, seine Diplomarbeit fertigte er dann wieder in Stuttgart an. Seinem Lehrer, Professor Dr. Heinz Gerischer, folgte Ertl nach München, wo er promovierte. Seine Habilitation für Physikalische Chemie an der TU München erfolgte bereits zwei Jahre später mit einer Arbeit über "Untersuchungen von Oberflächen, Strukturen und Reaktionen mittels Beugung langsamer Elektronen". 1968, also mit 32 Jahren, wurde Ertl Nachfolger von Professor Dr. Georg Maria Schwab an der Universität München. Nach Gastprofessuren in Milwaukee, Pasadena und Berkeley lehnte er 1983 einen Ruf nach Santa Barbara ab. 1986 wurde er Nachfolger von Gerischer am Fritz-Haber-Institut in Berlin. Seine Emeritierung erfolgte 2004.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)




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