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16.10.2007

Neues Testverfahren zur Grundwassersanierung mittels Pflanzenkläranlagen


Am Rande der Alten Raffinerie Leuna ist am Dienstag eine Pilotanlage zur Sanierung des belasteten Grundwassers in Betrieb genommen worden. Das Gemeinschaftsprojekt hat das Ziel, verschiedene naturnahe Verfahren in der Praxis zu testen. Damit wird die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen in der Altlastensanierung engagierten Stellen des Landes Sachsen-Anhalt, den Verantwortlichen am Standort und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ mit seiner wissenschaftlichen Kompetenz fortgesetzt. Ziel ist die Entwicklung kostengünstiger Sanierungsverfahren zur Grundwasserabreinigung an großflächig verunreinigten Standorten. Darüber hinaus sollen die Untersuchungen dazu beitragen, das natürliche Rückhalte- und Abbaupotential von Auenlandschaften und natürliche Infiltrationsvorgänge am Übergang vom Grundwasser zu Oberflächengewässern zu bewerten. Die Gesamtkosten für die neue Pilotanlage belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Euro.

Leuna ist als Standort für Forschungsprojekte des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) im Bereich der Altlastenerkundung und -sanierung hervorragend geeignet. Mit der neuen UFZ-Pilotanlage "CoTra" werden fünf verschiedene Verfahren zum Schadstoffabbau am Beispiel der Hauptschadstoffe im Leunaer Grundwasser entwickelt, getestet und optimiert. Der Name des Projektes "Compartment Transfer" (CoTra) bedeutet, dass das kontaminierte sauerstofffreie Grundwasser kontrolliert in oberflächennahe, sauerstoffreiche Systeme wie Oberflächengewässer, Wurzelzonen von Pflanzen, belüftete Bodenzonen oder die Atmosphäre überführt wird. Die Überführung erfolgt in Form von Pflanzenkläranlagen (so genannte Constructed Wetlands), vertikal durchströmte Filtersysteme und belüftete Grabensysteme. Die Forscher rechnen mit einer wesentlichen Erhöhung des biologischen oder chemischen Abbaus von gelösten Benzin- und Dieselschadstoffen, die weltweit auch an anderen Standorten Grundwasser verunreinigen. Begleitend zu den jeweiligen Verfahren werden aufwändige Modellrechnungen, Ausgasungsmessungen, umweltrechtliche Bewertungen und betriebswirtschaftliche Berechnungen durchgeführt.

Hintergrund:

Das etwa 1300 Hektar große Areal der früheren Leuna-Werke hat sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts als Standort der Großchemie entwickelt. Bis 1996 wurde eine der größten Raffinerien der ehemaligen DDR am Standort Leuna betrieben (1997 wurde die neue Raffinerie der TOTAL auf einer anderen Fläche des Standortes Leuna errichtet). Durch Kriegsschäden, Havarien und Handhabungsverluste wurden im Bereich der Alten Raffinerie Schadstoffe wie Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), so genannte BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole) sowie Benzinzusatzstoffe wie MTBE (Methyteriärbutylether) massiv in das Grundwasser eingetragen. Zudem treten erhöhte Konzentrationen an Sulfat, Ammonium und Eisen im Grundwasser auf. Seit November 2005 wird der quartäre Grundwasserabstrom aus dem Bereich des Südteils der Alten Raffinerie im Rahmen des Ökologischen Großprojektes Leuna des Landes Sachsen-Anhalt mit einer Dichtwand senkrecht zur Fließrichtung vollständig erfasst. Das stark kontaminierte Grundwasser wird an der Oberfläche gereinigt und anschließend wieder ins Grundwasser eingeleitet.

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)




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