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10.08.2007

Perfluorierte Verbindungen (PFC) im Trinkwasser: Kein unmittelbares Gesundheitsrisiko


Seit einiger Zeit finden sich in Deutschland wiederholt perfluorierte Verbindungen (PFC) im menschlichen Blut, in Flüssen, Talsperren und vereinzelt im Trinkwasser. Besonders viele Funde gab es in Nordrhein-Westfalen. Die Ursachen der PFC-Verschmutzung sind Altlasten, Abwassereinleitungen oder gesetzwidrig belastete Düngemittel. Die gemessenen PFC-Konzentrationen im Oberflächenwasser liegen in der Regel unter 0,1 Mikrogramm/Liter; selten auch darüber (1 Mikrogramm ist ein Millionstel Gramm). Viele Menschen fragen sich dennoch: Kann ich das Wasser aus dem Hahn zuhause noch unbesorgt trinken? Die Trinkwasserkommission (TWK) des Bundesgesundheitsministeriums, angesiedelt beim Umweltbundesamt (UBA) kommt in ihrer Bewertung vom 7. August 2007 zu dem Schluss: Die bisherigen PFC-Funde im Trinkwasser geben nach aktuellem Kenntnisstand keinen Anlass zu einer gesundheitlichen Besorgnis. Der von der Kommission bereits 2006 empfohlene Trinkwasser-Leitwert in Höhe von 0,3 Mikrogramm/Liter schützt nach wie vor alle Bevölkerungsgruppen. Damit auch langfristig der Vorsorgewert für Trinkwasser in Höhe von 0,1 Mikrogramm/Liter sicher einhaltbar ist, müssen die Länder vor allem Oberflächengewässer, die der Trinkwasserversorgung dienen, vor den schwer abbaubaren PFC schützen. Das UBA schlägt vor, für PFC einheitliche Anforderungen an die Abwassereinleitungen einschlägiger Branchen - wie die chemische Industrie - zu prüfen. Ferner wird das UBA Umweltqualitätsziele zum Schutz des Trinkwassers und der Gewässerökosysteme vorschlagen.

Nach Sanierungen an der Quelle im Einzugsgebiet des Flusses Möhne und der gleichnamigen Trinkwassertalsperre in Nordrhein-Westfalen ging deren Belastung mit PFC deutlich zurück. In Arnsberg-Neheim wird seit Herbst 2006 dank Aktivkohlefilterung des Trinkwassers ein Wert von 0,1 Mikrogramm/Liter PFC zuverlässig eingehalten. Das ist der Vorsorgewert, den die TWK seit Sommer 2006 als Zielwert empfiehlt.

Seit dem Frühjahr 2007 liegt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. M. Wilhelm) vor, die die Belastung der betroffenen Bevölkerung mit PFC erfasste und mögliche gesundheitliche Folgen bewertete. Die TWK hat die Ergebnisse vor kurzem ausführlich diskutiert und bewertet. Die wichtigsten Ergebnisse aus Sicht der TWK sind:

1) Die infolge der Trinkwasserbelastung erhöhten PFC-Blutwerte bieten nach aktuellem Kenntnisstand keinen Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis.

2) Die TWK bestätigt ausdrücklich den lebenslang (ab Geburt) gesundheitlich duldbaren Höchstwert von 0,3 Mikrogramm/Liter Perfluoroktansäure (PFOA) plus Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) im Trinkwasser.

3) Die TWK bestätigt zudem ausdrücklich den Vorsorgewert von 0,1 Mikrogramm/Liter Trinkwasser. Sie rät den verantwortlichen Behörden, ihre regulatorischen Entscheidungen im Einzugsgebiet mindestens an dieser Zielvorgabe auszurichten. Nur so sei ein generationsübergreifender Schutz vor diesen sehr persistenten (schwer abbaubaren) Verbindungen zu erreichen.

4) Am wichtigsten ist es zwar aus Sicht der TWK, die Gewässer möglichst nicht mit PFC und/oder anderen persistenten Stoffen zu belasten. Zusätzlich könne in dicht besiedelten Einzugsgebieten wie dem der Ruhr aber auch die (Teil-)Aufbereitung des Trinkwassers (zum Beispiel durch Adsorption nach Aktivkohlefiltration) sinnvoll sein. Konkrete Maßnahmen sind im Einzelfall durch Gefährdungsanalyse und Risikobewertung vorausschauend zu prüfen.

Die TWK ist eine nationale Fachkommission des Bundesgesundheitsministeriums - angesiedelt beim Umweltbundesamt. Sie berät beide Behörden in den Fragen der Trinkwasserhygiene. Die Kommissionsmitglieder kommen aus universitären Einrichtungen, Landesbehörden, Gesundheitsämtern und Wasserversorgungsunternehmen. Sie werden für drei Jahre benannt und arbeiten ehrenamtlich.

Quelle: Umweltbundesamt




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