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02.08.2007

BfR empfiehlt die Ableitung eines europäischen Höchstwertes für Uran in Trink- und Mineralwasser


Uran ist ein auf der Erde weit verbreitetes, radioaktives Schwermetall. In unterschiedlichen Konzentrationen und Verbindungen kommt es in verschiedenen Gesteinen und Mineralien sowie im Wasser, dem Boden und der Luft natürlich vor. Daneben kann Uran aber auch anthropogen - zum Beispiel über mineralischen Phosphatdünger - in die Umwelt gelangen. Wegen der weiten Verbreitung lässt sich Uran in Spuren auch in Lebensmitteln wie Trink- und Mineralwässern nachweisen.

Uran ist für den Menschen nicht lebenswichtig. Bei anhaltender Aufnahme höherer Urankonzentrationen kann es durch die chemische Giftigkeit der Substanz zu Nierenschäden kommen. Die radioaktiven Zerfallsprodukte von Uran können Krebs auslösen. Für die Bewertung eines möglichen Gesundheitsrisikos von Uran muss daher sowohl die chemische als auch die radiologische Giftigkeit betrachtet werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben bereits mehrfach zu dem Thema Stellung genommen. In die vorliegende Risikobewertung für Uran in Lebensmitteln inklusive Trink- und Mineralwasser sind die Ergebnisse eines Fachgesprächs eingeflossen, das am 21. Juli 2005 auf Einladung des BfR in Berlin stattfand, um den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Uran zu bündeln. Die vorliegende Risikobewertung berücksichtigt auch mögliche Einträge über Phosphatdünger und Futtermittel.

Das Vorgehen bei den Risikobewertungen für die chemische und radiologische Toxizität unterscheidet sich aufgrund der unterschiedlichen Wirkungsstrukturen beider Noxen. Bei der Bewertung des Gefährdungspotenzials von radiologisch toxischen Stoffen wird die Strahlendosis als "Summennoxe" betrachtet. Alle radioaktiven Substanzen und ihre Zerfallsprodukte werden in die Berechnung der Strahlenbelastung der Bevölkerung über Lebensmittel einbezogen und daraus wird der Anteil des Urans an der Gesamtbelastung errechnet. Dieses Verfahren ist international standardisiert. Im Gegensatz dazu muss die Abschätzung der chemischen Toxizität aufgrund der unterschiedlichen Wirkungen der Einzelstoffe am Einzelstoff und seiner individuellen Toxizität erfolgen. Ein dem Strahlenschutz entsprechendes standardisiertes Expositionsmodell gibt es deshalb nicht.

Das BfS und das BfR kommen in ihren Risikobewertungen zu folgenden Ergebnissen: Das radiologische Risiko durch Uran, welches über die Nahrung, inklusive Trink- und Mineralwasser aufgenommen wird, ist für Verbraucher in Deutschland sehr gering. Die Strahlenexposition liegt weit unter den Dosisrichtwerten. Vergleichsweise bedeutender ist die chemische Toxizität der in diesen Lebensmitteln gemessenen Urankonzentrationen. Einen Grund zur Sorge sieht das BfR allerdings nicht: Nach dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand stellt die chemische Wirkung von Uran, das über die Nahrung aufgenommen wird, kein nennenswertes Gesundheitsrisiko für Verbraucher dar. Untersuchungen haben gezeigt, dass Uran sich innerhalb der Nahrungskette nicht anreichert und Pflanzen dem Boden nur sehr wenig Uran entziehen. Zu einem möglichen Gefährdungspotenzial von uranhaltigen Phosphatdüngern, die auf Ackerboden aufgebracht werden, sind allerdings noch Fragen offen. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass Verbraucher über Trink- oder Mineralwasser gesundheitlich bedenkliche Mengen an Uran aufnehmen, wenn dieses aus Regionen mit hohen natürlichen Uranvorkommen stammt.

Verschiedene Institutionen haben toxikologische Grenzwerte für die Aufnahme von Uran abgeleitet oder Richtwerte für noch duldbare Mengen an Uran in Trinkwasser erarbeitet. Bei seiner gesundheitlichen Bewertung von Uran hat das BfR den Trinkwasserleitwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde gelegt, der bei 15 Mikrogramm (μg) Uran je Liter liegt und eine lebenslange, gesundheitlich duldbare Aufnahme gewährleisten soll. Rund fünf Prozent der getesteten Mineralwässer wiesen einen höheren Urangehalt auf. Diese Wässer können eine nachteilige Wirkung auf die Gesundheit haben, wenn täglich mehr als ein halber Liter davon verzehrt wird. Darauf hat das BfR wiederholt hingewiesen und für Mineralwässer, die für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgelobt sind, einen Grenzwert von 2 μg Uran pro Liter abgeleitet. Dieser Wert wurde inzwischen in nationales Recht übernommen.

Auf europäischer Ebene gibt es bislang keinen einheitlichen Höchstwert für Uran in Lebensmitteln und insbesondere in Trink- und Mineralwasser. Das BfR empfiehlt die gesundheitliche Bewertung von Uran und die Ableitung eines solchen Wertes durch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Zum einen ließe sich damit der Verzehr hoch belasteter Mineralwässer einschränken, zum anderen könnten im Rahmen der Ableitung bestehende Kenntnislücken zur chronischen Toxizität von Uran im Niedrigdosisbereich geschlossen werden.

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Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)




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