Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

25.07.2007

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Paprika - auffällige Befunde bei Erzeugnissen aus Spanien und der Türkei


Am CVUA Stuttgart wurden von Januar bis Mai 2007 insgesamt 110 Gemüsepaprikaproben untersucht. In 93 % der untersuchten Proben wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Eine Höchstmengenüberscheitung konnte bei 31 % der untersuchten Paprikas festgestellt werden. Besonders auffällig waren bei dieser Untersuchung Paprikas aus der Türkei, hier mussten zwei Drittel der Proben wegen Höchstmengenüberschreitungen beanstandet werden. Bei der untersuchten spanischen Ware lag ein Drittel über den zulässigen Höchstgehalten. Die Proben aus Israel, den Niederlanden, Marokko und Italien wiesen keine Höchstmengenüberschreitungen auf.

Häufiger wurden die Wirkstoffe "Methomyl" und/oder "Oxamyl" festgestellt. Hierbei handelt es sich um breitwirksame Insektizide der älteren Generation. In 7 von 24 Spitzpaprikaproben aus der Türkei und in einer von 61 Paprikaprobe aus Spanien wurden bei mindestens einem dieser Wirkstoffe eine deutliche Überschreitung der akuten Referenzdosis (ARfD) bezogen auf ein Kleinkind festgestellt - siehe Infokasten. Die akute Referenzdosis eines Stoffes ist die aus wissenschaftlichen Quellen abgeleitete Menge eines Stoffes in Lebensmitteln, die über eine kurze Zeit (zum Beispiel eine Mahlzeit) aufgenommen werden kann, ohne dass Gesundheitsrisiken für die Verbraucher zu befürchten sind. Die akute Referenzdosis wird in Milligramm eines Stoffes je Kilogramm Körpergewicht und Tag angegeben und im Sinne des vorsorglichen Verbraucherschutzes auf das Gewicht eines durchschnittlichen Kleinkindes berechnet. Die ARfD-Ausschöpfungen (bezogen auf Kleinkinder) betrugen bei Oxamyl 107 % bis 3900 % und bei Methomyl 192 % bis 470 %. Bei diesen Überschreitungen der akuten Referenzdosis kann ein gesundheitliches Risiko für Kleinkinder (2 bis 5 Jahre) beim Verzehr der Paprikas nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausgeschlossen werden.

Bereits in der Vergangenheit wurden immer wieder zum Teil deutliche Überschreitungen der zulässigen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände in Gemüsepaprika aus bestimmten Herkunftsgebieten festgestellt. Deshalb besteht beispielsweise für türkischen Paprika seit Juli 2003 eine unbefristete nationale Vorführpflicht nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch, das heißt, diese Produkte sind bei der Einfuhr zwingend der zuständigen Überwachungsbehörde vorzuführen, bevor sie verkauft werden können. Wie unsere Untersuchungen zeigen, scheinen diese nationalen Vorführpflichten umgangen zu werden, indem die Sendungen auf dem Landweg kommend, bereits in anderen MS zolltechnisch abgefertigt werden. Notwendig wären EU-einheitliche Einfuhrkontrollen.

Quelle: Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart




—> alle Nachrichten dieser Firma

Abonnieren:

Empfehlen: