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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

19.07.2007

Chemikalien belasten Menschen und Tier: Bioakkumulation von Giften hat größeren Effekt als bisher angenommen


Bisher unbeobachtete Umweltgifte reichern sich in Lebewesen wesentlich stärker an, als dies bisher bekannt war. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der kanadischen Simon Fraser University in Burnaby. Auch wenn es Bestrebungen gibt, die chemische Verunreinigung einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, werden dennoch tausende Toxine vernachlässigt, die ebenso gefährliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Science.

Die Erkenntnisse betreffen rund ein Drittel aller industriell verwendeten Chemikalien - darunter auch Parfums und Pestizide. Die Regulierungen müssten dringend geändert werden, raten die Forscher um den Umwelttoxikologen Frank Gobas. Einige der organischen Substanzen wie etwa das Pestizid DDT und PCBs sind bekannt dafür, dass sie sich im Organismus anreichern, wenn ein Tier ein anderes frisst. Das Forscherteam hat auch entdeckt, dass Hexachlorocyclohexan - ein Bestandteil des Pestizids Lindan - die gleiche Konzentration in Algen, Muscheln und Fischen aufweise, allerdings im Eisbären in wesentlich höheren Konzentrationen gefunden wurde. Diesen Vorgang der Erhöhung der Konzentration von Stoffen in biologischen Systemen nennt man Bioakkumulation. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Weitergabe von Schadstoffen in Nahrungsketten, wobei Stoffe mit einer langen biologischen Halbwertszeit, also solche Stoffe, die nicht oder nur sehr langsam abgebaut oder ausgeschieden werden, sich bis an das Ende Nahrungskette sehr stark anreichern können.

Das Forscherteam hat mehr als ein Dutzend Tiere untersucht, darunter waren Enten, Beluga-Wale und Eisbären. In der Studie von Gobas wurden aber nicht die gesundheitlichen Auswirkungen der Chemikalien untersucht. Wie dramatisch diese Situation allerdings beim Menschen, der am Ende der Nahrungskette steht, ist, konnten die Wissenschaftler erneut bestätigen: Einem Computermodell bei den Inuit in Nord-Kanada zufolge, reichern sich manche chemische Substanzen um das 2.000fache im Vergleich zu jenen an der Basis der Nahrungskette an. Die Inuit sind Jäger, die unter anderem auch Beluga-Wale essen. Diese sind wiederum bekannt dafür, dass sie hohe Konzentrationen an PCBs in sich tragen.

Wale sind generell empfindlicher für die so genannte Biomagnifikation, der Anreicherung von Schadstoffen aus der Umwelt in Lebewesen über die Nahrung. Das Paradebeispiel für Biomagnifikation ist neben den PCBs auch das Insektizid DDT. Es gibt einen Bericht, wonach sich die Konzentration des für die Malariabekämpfung verwendeten Insektizids vom Zooplankton bis hin zum Fischadler um das 625fache erhöht.

"Wie verschiedene Chemikalien in die Nahrungskette gelangen, ist uns ja bekannt. Was aber immer noch weitgehend unbekannt ist, ist die Frage was geschieht wenn verschiedene Chemikalien gemeinsam auftreten", erklärt der Chemie-Experte Herwig Schuster von Greenpeace-Österreich im pressetext-Interview. "Chemikalien interagieren ebenso wie auch verschiedene Medikamente, die ein Mensch zu sich nimmt", gibt der Chemiker zu bedenken. Unklar ist auch der Anreicherungsfaktor. Für den Fall, dass 20, 30 oder sogar 50 Substanzen auf einmal in den Organismus gelangen. "Da gibt es immer noch viel zu klären", meint Schuster. Bei der EU-Chemikalienverordnung REACH sei das Thema Persistenz definitiv ein Kriterium, ebenso wie auch die Bioakkumulation. So gesehen sei REACH ein geeignetes Instrument, meint Schuster abschließend im pressetext-Interview.

Quelle: pte.at


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