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29.06.2007

Enzyme nehmen Sprengkraft: biologisch abbaubarer Sprengstoff entwickelt


Blindgänger bei einer Sprengung gefährden Mensch und Umwelt. Tatsächlich detoniert meist nur ein Teil der explosiven Ladung, das Gift gelangt in die Umgebung. Der Grazer Chemiker Georg Gübitz vom Institut für Umweltbiotechnologie der TU Graz entwickelte ein Verfahren, bei dem Enzyme verbleibende Sprengstoffreste auf natürlichem Weg und in kurzer Zeit abbauen. Für seine Forschungsarbeit verlieh das Land Steiermark Gübitz heute, Donnerstag, 28. Juni 2007, mit dem Umweltschutzpreis in der Kategorie "Leistungen von Universitäten" eine Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes.

Werden Tunnels aus dem Berg gesprengt, Lawinen durch Explosion zum Abgang gebracht, wird nach Erdöl gesucht oder in einem Steinbruch mineralische Materialien abgebaut - Sprengstoffe dienen in all diesen Bereichen als "Werkzeug", um ans Ziel zu kommen. "Bei jeder Sprengung bleiben allerdings Reste des Sprengmaterials übrig, die nicht explodieren, sondern in die Umwelt gelangen und dieser schaden können", erklärt Preisträger Georg Gübitz, der erst kürzlich zum Professor für Biotechnologie an der TU Graz berufen wurde. Gemeinsam mit dem österreichischen Sprengstoffhersteller Austin Powder hat Gübitz eine Methode entwickelt, wie Trinitrotoluol - besser bekannt als TNT - und andere Sprengstoffe mit Hilfe von Mikroorgansimen biologisch abgebaut werden können: Sobald das Material feucht wird, nehmen die im Sprengstoff eingebauten Enzyme ihre Arbeit auf und zersetzen die gefährlichen Überreste. "Die wissen-schaftliche Herausforderung bestand darin, jene Enzyme zu finden, die TNT reduzieren und an Stoffe im Humusboden binden. Bei unserer Lösung wird der Sprengstoff unter optimalen Bedingungen in drei Tagen statt nach erst 30 Jahren abgebaut und ist dann weder giftig, noch brennbar", resümiert der Forscher.

Den Umweltschutzpreis des Landes Steiermark erhält Gübitz generell für seine Untersuchungen, wie sich Mikroorgansimen und Enzyme einsetzen lassen, um Reststoffe zu verwerten. So ist es Gübitz auch gelungen, mit biotechnologischen Methoden aus Klärschlamm Lipide - also Fette - zu erzeugen, die nach weiterer Verarbeitung als Biodiesel einsetzbar sind. Industriepartner für dieses anwendungsnahe Forschungsprojekt ist das steirische Unternehmen VTU-Engineering. Für Georg Gübitz "jagt" in diesem Jahr ein Erfolg den nächsten: Der Umweltschutzpreis folgt seinem Ruf auf den Lehrstuhl für Umweltbiotechnologie der TU Graz, nachdem er gleich zwei weitere ehrende Berufungen ins Ausland abgelehnt hatte. Georg Gübitz wurde 1968 in Graz geboren. Nach dem Studium der Bio- und Lebensmittelchemie folgte ein Forschungsaufenthalt an der Universität Managua in Nicaragua. Nach dem Doktorat mit Auszeichnung war er mit einem Erwin Schrödinger-Stipendium an der kanadischen University of British Columbia tätig. Von 2003 bis 2006 leitete der zweifache Familienvater das Institut für Umweltbiotechnologie, mit Juni 2007 folgte die Berufung zum Universitätsprofessor für Biotechnologie an der TU Graz.

Quelle: idw/Technische Universität Graz




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