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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

27.06.2007

Industrielle weiße Biotechnologie: Große Potenziale für den Standort Deutschland


Biotechnische Produktionsverfahren bieten enorme Potenziale für mehr Innovationen, Wachstum und Beschäftigung. Sie helfen der Industrie vor allem dabei, neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln und existierende zu verbessern, so eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe. Biotechnische Produktionsverfahren kommen insbesondere in der industriellen Verarbeitung von Naturstoffen zum Einsatz und ersetzen zunehmend fossile Rohstoffe. Damit können sie auch einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, weil Material- und Energiekosten und damit Umweltbelastungen gesenkt werden. Die Hoffnungen auf geringere Personalkosten oder eine Beschleunigung von Wertschöpfungsprozessen scheinen sich für die Industrie allerdings nicht zu erfüllen.

Die ISI-Studie sieht die größten Chancen für die industrielle Biotechnologie in der chemischen Industrie (u.a. Fein-/Spezialchemikalien und Bio-Kraftstoffe), in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie in der Pharmabranche. "Die Absatzmärkte der weißen Biotechnologie haben in vielen Anwenderbranchen stabile und überdurchschnittliche Wachstumsraten", sagt ISI-Projektleiter Dr. Michael Nusser. Entsprechend hoch sind die zukünftigen Beschäftigungspotenziale: Mehrere hunderttausend Arbeitsplätze, vor allem in wichtigen Anwenderbranchen und deren vorgelagerten Zulieferindustrien (z.B. Maschinen- und Anlagenbau), sind laut Nusser realistisch - allerdings erst mittel- bis langfristig, weil sich die industrielle Biotechnologie nur allmählich verbreitet.

Deutschland hat eine große Chance, in der industriellen weißen Biotechnologie eine Spitzenposition einzunehmen. Experteneinschätzungen sowie Patent- und Publikationsanalysen des Fraunhofer ISI zeigen, dass vor allem die starke technologische Wissensbasis mit einer gut ausdifferenzierten Forschungsinfrastruktur und gut ausgebildeten Arbeitskräften eine ausgezeichnete Basis für die internationale Wettbewerbsfähigkeit sind. Ebenfalls positiv zu bewerten ist die öffentliche Akzeptanz, die gute Vernetzung der Innovationsakteure sowie international sehr erfolgreiche industrielle Anwenderbranchen wie etwa die Chemiebranche.

Die Studie sieht allerdings auch einige Schwächen und Risiken: Die Koordination der Politik ist unzureichend, es gibt zu wenig Demonstrationsanlagen, die Risiko- und Investitionsbereitschaft in der Industrie ist gering und beim qualifizierten Personal drohen künftig erhebliche Engpässe. Statt punktuellen Maßnahmen fordern die ISI-Experten deshalb eine Gesamtstrategie, die alle Erfolgsfaktoren sowie deren Vernetzung aufeinander abstimmt und fördert.

Quelle: idw/Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)




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