Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

04.06.2007

Förderpreis für Erforschung von süßen Geschmackswahrnehmungen


Der IDE Förderpreis 2007 des Institut Danone, Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE), geht an Marcel Winnig. Im Rahmen der 6. Drei-Länder-Tagung "Ernährung 2007" in Innsbruck überreichte Professor Wolfram von der Technischen Universität München, gleichzeitig Vorsitzender des IDE, den mit 5.000 Euro dotierten Preis an den jungen Spitzenforscher. Der Molekularbiologe und Doktorand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke erhielt die Auszeichnung für seine Publikationen* über die "Molekularen Mechanismen der menschlichen Süßgeschmack-Wahrnehmung". Das Institut verlieh damit zum dritten Mal den IDE Förderpreis an Nachwuchswissenschaftler für herausragende Leistungen auf den Gebieten der Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin.

Marcel Winnig erforschte rund vier Jahre auf molekularer Ebene "was süß ist". "Mich hat interessiert, wie und warum nehmen wir Süßgeschmack wahr und welche molekularen Mechanismen laufen dabei auf unserer Zunge ab", erklärt Winnig seine Forschungsaufgabe. "Wenn wir die molekularen Mechanismen verstehen, können wir neue Süßstoffe und Süßgeschmacksverstärker entwickeln." Von neuen Süßstoffen, kalorienfrei und von reinem Süßgeschmack, können alle profitieren. Am meisten Nutzen hätten Diabetiker oder Übergewichtige. Sie sind medizinisch auf Süßstoffe angewiesen, die kaum Kalorien haben und damit den Blutzuckerspiegel nicht erhöhen. Süßstoffe wie Saccharin sind eine weit verbreitete Alternative für Zucker in Getränken und Lebensmitteln. Aber Saccharin schmeckt nicht rein süß, sondern in steigender Konzentration sogar bitter. Um die Beliebtheit von Süßstoffen zu erhöhen, sollten neuartige Süßstoffe zusätzlich gut schmecken. Diese ideal-typischen Eigenschaften wünschen sich zunehmend auch Menschen, die medizinisch darauf nicht angewiesen sind, aber im Rahmen eines gesunden Lebensstils Zucker reduzieren wollen.

Süße Tatsachen über Nager und Menschen

Für den Süßgeschmack gibt es nur ein Molekül, einen Rezeptor auf der menschlichen Zunge. Für den Bittergeschmack dagegen z. B. rund 25. Wie und warum kann dieser eine Rezeptor so viele unterschiedliche, Süßgeschmacks-Moleküle wahrnehmen? Marcel Winnig hat die Antwort gefunden, indem er Süßgeschmacksrezeptoren des Menschen und der Ratte funktionell analysiert hat. "Der menschliche Rezeptor für Süßes hat mindestens vier Bindungsstellen. Wir haben mit den Süßrezeptor des Menschen und dem der Ratte, sowie mit Hilfe einer Chimäre, also eines mutierten Rezeptors, der jeweils zur Hälfte von der Ratte und vom Menschen stammt, unzählige Funktionsanalysen durchgeführt." Hintergrund ist hier die Tatsache, dass Nager bestimmte Stoffe, die wir als süß identifizieren, nicht als süß wahrnehmen. Der Rezeptor der Ratte wird bei diesen Süßstoffen nicht aktiviert. Dieses Phänomen war für die Erforschung entscheidend, um die molekularen Mechanismen der Süßgeschmacksrezeption zu verstehen und die Wechselwirkungen mit Geschmacksstoffen zu analysieren.

Neue Süßstoffe braucht der Mensch

Die Ergebnisse stellen eine Basis zur Entwicklung neuer Süßstoffe dar. "Wenn der Forschungsansatz systematisch fortgeführt wird, könnte man in Kooperation mit Industriepartnern gezielt kalorienfreie und rein süß schmeckende Süßstoffe und Geschmackspotenzierer für Lebensmittel und Getränke entwickeln und dadurch Zucker nahezu ersetzen", so Marcel Winnig zum Potenzial seiner Forschungsergebnisse.

Quelle: idw/Danone GmbH


Abonnieren:

Empfehlen: