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26.04.2007

Hexachlorbenzol: Abfälle sicher entsorgen


Die Entsorgung australischer Sonderabfälle - etwa Abfälle, die den Stoff Hexachlorbenzol (HCB) enthalten - in deutschen Sonderabfallverbrennungsanlagen geht derzeit durch die Medien. HCB zählt zur Gruppe der persistenten, organischen Schadstoffe (POPs = Persitent Organic Pollutants), die wegen ihrer chemischen Eigenschaften sehr stabil und in der Umwelt praktisch nicht abbaubar sind. Laut Stockholmer Übereinkommen zur Begrenzung der Umweltverschmutzung durch POPs dürfen dessen Vertragsstaaten - dazu zählen Deutschland und Australien - die POP-Substanz HCB weder herstellen noch anwenden. Aber: Das Stockholmer Abkommen verpflichtet die Länder dazu, noch vorhandene Lagerbestände an POPs zu identifizieren und so zu entsorgen, dass die POPs vollkommen und endgültig zerstört sind. In deutschen Sonderabfallverbrennungsanlagen ist dies mit hohen Umweltschutzstandards möglich. Australien hingegen verfügt nicht über Entsorgungsanlagen, die technisch so gut ausgerüstet sind wie in Deutschland. Deshalb ist die Entsorgung HCB-haltiger Abfälle in modernsten deutschen Sonderabfallverbrennungsanlagen aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) umweltgerecht.

Artikel 6 des Stockholmer Übereinkommens will sicherstellen, dass noch vorhandene POPs langfristig so entsorgt werden, dass sie sich nicht in der Umwelt verteilen oder durch unsachgerechte Handhabung eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen können. Um HCB endgültig zu zerstören, sind Sonderabfallbehandlungsanlagen erforderlich, die nach dem Stand der bestverfügbaren Technik ausgerüstet sind und die Substanz vollkommen zerlegen, ohne gleichzeitig unerwünschte organische und chlorierte Nebenprodukte - etwa die persistenten organischen Schadstoffe polychlorierte Dibenzodioxine und -furane (PCDD/F) - in die Umwelt frei zu setzen.

Deutschland verfügt über solche Sonderabfallverbrennungsanlagen, die ihre Leistungsfähigkeit bereits bei der Entsorgung von Abfällen, die polychlorierte Biphenyle (PCB) enthielten, unter Beweis stellten. So sind sie zum Beispiel mit einem Annahme- und Dosiersystem für problematische flüssige Abfälle, mit einem Drehrohrofen und anschließender Nachbrennkammer als Verbrennungsaggregat und einer hochleistungsfähigen Abgasreinigung mit mehrstufiger Nasswäsche ausgerüstet. Die Anlagen sind zudem optimal auf die Annahme und Zwischenlagerung chemisch verunreinigter Feststoffe und kritischer flüssiger Abfälle - einschließlich Fassware - eingerichtet.

Australien hat nach Kenntnis des UBA keine Entsorgungsanlagen, die mit solcher Technik ausgerüstet sind. Die dortigen Anlagen sind für den Großteil der HCB-Abfälle - festes HCB in Fässern, verunreinigter Boden und Verpackungen - nicht geeignet oder verfügen nicht über ausreichende Kapazitäten, um die Abfälle in einem vertretbaren Zeitraum zu entsorgen. Für HCB-Abfälle sind auch alternative Entsorgungslösungen - etwa die Entsorgung über den Hochofen - ungeeignet, da verunreinigte Feststoffe mit einem hohen Anteil an inerten (nicht reaktiven) Verbindungen oder flüssige Abfälle mit hohen Chlorgehalten aus verfahrenstechnischen Gründen in Hochofenprozesse nicht eingebracht werden sollten.

Nach dem Stockholmer Übereinkommen ist der Export zur irreversiblen Entsorgung der POP-Abfälle akzeptabel, solange das gewählte Entsorgungsverfahren die Anforderungen zur Vermeidung oder Minimierung des POP-Eintrags in die Umwelt einhält. An dieser Schnittstelle greift darüber hinaus das Basler Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung, das ein weltweit umweltgerechtes Abfallmanagement sicherstellen soll. Australien ist ebenfalls Vertragspartner des Basler Übereinkommens und darf damit grundsätzlich Abfälle zur Beseitigung nach Deutschland exportieren.

Erfolgt der Transport des HCB ordnungsgemäß, entstehen keine Gefahren für die Gesundheit des Menschen und die Umwelt. Zudem ist das UBA der Auffassung, dass eine längerfristige Lagerung der Chemikalien in Australien - solange geeignete Entsorgungsanlagen vor Ort fehlen - ein wesentlich größeres Umweltrisiko ist als die Verbrennung in einer modernen, nach dem Stand der bestverfügbaren Technik ausgerüsteten Sonderverbrennungsanlage in Deutschland. Aus Sicht des UBA ist die Entsorgung von HCB-Abfällen in Deutschland daher eine umweltgerechte Lösung.

—> Englische Text des Stockholmer √úbereinkommens

Quelle: Umweltbundesamt




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