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19.03.2007

Gutenberg Lecture Award an zwei international renommierte Polymerwissenschaftler vergeben


Die Graduiertenschule MAINZ der Johannes Gutenberg-Universität hat am Mittwoch zwei international herausragende Wissenschaftler mit dem Gutenberg Lecture Award ausgezeichnet. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis ging an Professor Benjamin Chu von der State University of New York sowie an Professor Murugappan Muthukumar von der University of Massachusetts. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Symposiums "Striving for Excellence in Polymer Science" am Max-Planck-Institut für Polymerforschung statt.

Die Graduiertenschule der Exzellenz "Material Science in Mainz" (MAINZ) ist ein Gemeinschaftsprojekt von Arbeitsgruppen der Johannes Gutenberg-Universität und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in Mainz, das exzellenten Studierenden aus dem In- und Ausland eine herausragende Ausbildung auf dem Gebiet der Materialwissenschaft vermitteln will. MAINZ bietet Ausbildungsplätze für 40 Nachwuchswissenschaftler. Ziel der wissenschaftlichen Arbeiten der Studierenden und ihrer Professoren ist es, neue Materialien mit neuen Eigenschaften als Grundlage für den Fortschritt der Technologien zu entwickeln. Dazu gehören neuartige Supraleiter ebenso wie Materialien für die Biomedizin, die Informations- oder Energietechnik. Zur Graduiertenschule MAINZ gehören die beiden Graduiertenzentren der Exzellenz: "Polymers in advanced materials" (Polymat) und "Strongly correlated quantum systems" (Matcor) - ein Gemeinschaftsprojekt mit der TU Kaiserslautern -, die von der Landesregierung im Rahmen des Hochschulprogramms "Wissen schafft Zukunft" bewilligt wurden. In den Exzellenzzentren MATCOR und POLYMAT sind derzeit 15 Studienplätze besetzt und weitere 20 Bewerbungen liegen vor. Dritte Säule der Exzellenzschule ist die International Max Planck Research School for Polymer Materials Science (IMPRS), die jährlich ca. 15 junge Forscher betreut.

Im Rahmen ihrer Exzellenzförderung vergibt MAINZ verschiedene Preise, sowohl an Promovenden und Doktoranden als auch an führende Wissenschaftler auf dem Gebiet der Entwicklung neuer funktionaler Materialien. Bei der erstmaligen Verleihung des Gutenberg Lecture Award im Mai 2006 wurde der Chemie-Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn aus Straßburg ausgezeichnet. Es folgten der Magnetismus-Experte Prof. Dr. Albert Fert von der Université Paris Sud und Prof. Dr. Eugene A. Demler von der Harvard University, der auf dem Gebiet stark korrelierter Quantensysteme forscht.

Mit der jetzigen Vergabe des Gutenberg Lecture Award zeichnet MAINZ zwei international anerkannte Wissenschaftler auf dem Gebiet der Polymerforschung aus. Bei Polymeren handelt es sich um chemische Verbindungen, bei denen durch Aneinanderreihung von meist gleichartigen Molekülen sogenannte Makromoleküle entstehen. Die meisten Kunststoffe bestehen aus Polymeren. Die beiden ausgezeichneten Wissenschaftler haben Exzellenz sowohl in der Forschung, als auch in der Lehre bewiesen.

Prof. Benjamin Chu, Department of Chemistry der State University of New York in Stony Brook, hat sich mit fundamentalen Beiträgen zur Methodik und Theorie analytischer Verfahren in der Polymerwissenschaft einen Namen gemacht. In über 500 Originalarbeiten und sechs Monographien hat er instrumentelle Entwicklungen, Messverfahren und theoretische Hintergründe zur Anwendung der Röntgenweit- und Kleinwinkelstreuung, Neutronenstreuung, zeitaufgelöster Streuphänomene, Raleigh-, Brillouin- und Ramanstreuung, Fluoreszenz, Kerreffekt und rheologischer Effekte auf Polymere beschrieben. Sein Interesse war stets weit gespannt. Es galt neben rein wissenschaftlichen Fragestellungen auch immer der Anwendung der von ihm entwickelten Methoden und Verfahren in der industriellen Praxis. Dazu gehören die Entwicklung biomedizinisch bedeutender Materialien (Gewebeersatz), die forensische und biomedizinische Analytik von DNA und die Freisetzung von pharmazeutisch wirksamen Substanzen aus Depotmaterialien.

Mit Mainz verbindet ihn eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Polymerforschung und Physikalischen Chemie von Polymersystemen. Einen Humboldt-Preis für Senior Research Scientists hat er 1992/93 zu einem Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für Polymerforschung genutzt. Über viele Jahre hat er aktiv dazu beigetragen, dass Forscher und Forschungsergebnisse aus Mainz in den USA rezipiert und anerkannt worden sind. Mit dem Gutenberg Lecture Award wird Chu für seine grundlegenden Arbeiten zur Analytik von Polymeren ausgezeichnet - womit auch der Dank der in Mainz tätigen Polymerforscher für die vieljährige fruchtbare Zusammenarbeit zum Ausdruck gebracht wird.

Prof. Murugappan Muthukumar, Universität von Massachusetts in Amherst, gehört zu den bedeutendsten Polymertheoretikern der Gegenwart. Seine Arbeiten behandeln molekulare Wechselwirkungen in polymeren Systemen mit dem Ziel, wichtige experimentelle Befunde in den Materialwissenschaften (Kristallisation von Makromolekülen, Phasendiagramme, Polyelektrolyte) und in biologischen Systemen (DNA-Packung in Viren, Diffusion von DNA durch Zellwände) umfassend zu verstehen. Aufgrund des breit gestreuten Anwendungsbezugs geht der Bekanntheitsgrad Muthukumars weit über die theoretische Polymerphysik hinaus. Die Originalität und die konsequente Realisierung seiner Ideen haben dem Wissenschaftler zahlreiche Preise und Ehrungen eingebracht, darunter so bedeutende wie der "High Polymer Physics Award" der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft und der Humboldt-Preis, der es ihm in den nächsten Jahren ermöglichen wird, insgesamt sechs Monate als Gastwissenschaftler in Mainz zu verbringen und mit Kollegen aus den Fachbereichen Chemie und Physik sowie dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung zu forschen.

Die Preisverleihung fand im Rahmen des Symposiums "Striving for Excellence in Polymer Science" ("Polymerforschung in der ersten Liga") des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung statt. Es ist dem Gedenken von Prof. Dr. Ronald K. Eby, R.C.-Musson-Professor für Polymerwissenschaft der Universität von Akron, Ohio, USA, gewidmet. Ron Eby war der Polymerforschung in Mainz seit den frühen 60iger-Jahren vielfach verbunden. Als Mitglied des Fachbeirats des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung hat er in dessen Aufbauphase entscheidend zur Definition der Forschungsziele beigetragen. Ende 1989 wurde Prof. Eby mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet, der ihm eine intensivere Zusammenarbeit mit den Polymerforschern in Mainz erlaubte. Prof. Eby ist im Alter von 77 Jahren am 27. Juni 2006 in Akron/Ohio, USA verstorben.

Quelle: idw/Universität Mainz




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