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10.10.2006

Statement zur BUND-Studie über Kindergesundheit und Chemikalien


Der alleinige Nachweis von chemischen Stoffen im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten sagt alleine noch nichts über seine gesundheitliche Relevanz aus - weder bei Erwachsenen noch bei Kindern. Nur mit einer Risikobewertung, für die zusätzliche toxikologische Informationen vor allem zu den Wirkschwellen benötigt werden, lassen sich die heute vom BUND veröffentlichten Daten medizinisch und umweltpolitisch sinnvoll einordnen, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in einer ersten Stellungnahme.

Die grundsätzliche Art, wie der BUND die verwendeten Biomonitoring-Daten interpretiert und Kausalzusammenhänge ableitet, hält der VCI für unverantwortlich. Der BUND versuche mit Biomonitoring-Ergebnissen bewusst Ängste gegen Chemie zu schüren und auf diesem Weg seinen politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die von Umweltorganisationen - auch in der Vergangenheit - durchgeführten Untersuchungen erfüllen aus Sicht des VCI nicht die Anforderungen an ein wissenschaftlich seriöses Biomonitoring. So werden etwa Zahl und Auswahl der Teilnehmer und Substanzen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht. Zudem fehle in den meisten Fällen eine Risikobewertung in Bezug auf die Analysenergebnisse.

"Um den Gesundheitszustand unserer Kinder fundiert beurteilen zu können, müssen außerdem viele weitere Faktoren untersucht werden", erklärte der VCI. Genau aus diesem Grund hat das Robert-Koch-Institut in einer repräsentativen Studie über 17.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren in ganz Deutschland untersucht und befragt. Die Daten werden nun ausgewertet , um relevante Aussagen zur gesundheitlichen Situation der Kinder in Deutschland zu erhalten und gezielte Präventionsprogramme zu ermöglichen. Dabei wird bewusst ein umfassender Ansatz verfolgt: Neben Umweltfaktoren werden auch Lebensgewohnheiten sowie weitere Faktoren des sozialen Umfelds berücksichtigt.

Außerdem wird in der Publikation des BUND immer wieder behauptet, dass Kinder generell sensibler gegenüber Chemikalien reagieren als Erwachsene. Das ist wissenschaftlich umstritten. So kommt zum Beispiel das Umweltbundesamt in seinem Bericht aus dem Jahr 2005 "Umweltbedingte Gesundheitsrisiken - Was ist bei Kindern anders als bei Erwachsenen?" zu dem Ergebnis, dass bei der Ableitung von Richt- oder Grenzwerten für Umweltschadstoffe zur Zeit keine ausreichenden Belege dafür existieren, dass für Kinder besondere Sicherheitsfaktoren eingeführt werden müssten.

Ein großer Teil der Stoffe, die der BUND anführt, ist außerdem nach Aussage des VCI in der EU schon lange verboten oder in der Verwendung stark eingeschränkt worden und damit umweltpolitisch nicht mehr relevant. Für viele Stoffe existierten umfassende Risikobewertungen, die den Behörden vorlägen und eine sichere Verwendung ermöglichten.

Wegen der enormen methodischen Fortschritte in der Analytik lassen sich in menschlichem Blut oder der Muttermilch heute mehr Stoffe nachweisen als noch vor einigen Jahren. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Tatsache nicht überraschend, da der Mensch durch Atmung und Ernährung in einem ständigen Stoffaustausch mit seiner Umgebung steht. Moderne Biomonitoring-Verfahren erlauben heute den Nachweis eines Tropfens einer Substanz gelöst in 100.000 Litern. Das Aufspüren synthetischer Substanzen in so geringen Konzentrationen wie Millionstel (ppm) oder sogar Milliardstel Gramm (ppb) je Gramm ist nicht automatisch mit einem gesundheitlichen Risiko gleichzusetzen. Darin sind sich Wissenschaft und Behörden weitgehend einig.

Die vom BUND veröffentlichten Ergebnisse rechtfertigen nach Überzeugung des VCI nicht von der Organisation erhobene Forderung nach neuen oder schärferen Vorschriften, wie zum Beispiel REACH.

Quelle: Verband der Chemischen Industrie (VCI)




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