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02.10.2006

Deutscher Umweltpreis an Forscher Schulze und Unternehmer Huber


Die Träger des Deutschen Umweltpreises stehen fest: Der mit 500.000 Euro höchst dotierte Umweltpreis Europas geht an den bayerischen Unternehmer Hans G. Huber (64) und den Ökosystemforscher Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze (65) aus Jena. Huber erhält die Auszeichnung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) dafür, dass er mit großem Engagement gerade auch in Schwellen- und Entwicklungsländern anwendbare, qualitativ hochwertige und robuste Technologien zur Frischwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung entwickelt und erfolgreich vertreibt. Als Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena erforscht Prof. Schulze Gründe der globalen Klimaerwärmung. Er startete das weltweit größte Projekt, um die Kohlenstoffbilanz in Europa näher zu berechnen. "So unterschiedlich ihre Arbeitsfelder sind - Zukunftssicherung liegt beiden am Herzen", so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. Den Umweltpreis übergeben wird Bundespräsident Horst Köhler am 29. Oktober in Dresden.

"Klimaerwärmung und Wasserknappheit zählen zu den dringendsten globalen Herausforderungen, die es zukünftig zu lösen gilt. Unsere Umweltpreisträger leisten mit ihrer Weitsicht und ihrem Engagement schon heute einen wichtigen Beitrag", betont Brickwedde. Wichtig sei Prof. Schulzes Arbeit vor allem in Hinblick auf das Kyoto-Protokoll: Darin verpflichtet sich Europa, von 2008 bis 2012 bis zu acht Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pusten als 1990. Eine Maßnahme, um den Treibhauseffekt, also die Erderwärmung, zu verlangsamen.

Schulzes Projekt "CarboEurope" ist die weltweit erste Initiative, die in der Form gesicherte Daten zum Kreislauf des Treibhausgases liefern wird. Wo besonders viel Kohlendioxid in Europa gebunden oder auch frei gesetzt wird - das untersucht Prof. Schulze als Koordinator an mehr als 100 Messstationen. "Ein Schlupfloch im Kyoto-Protokoll ist, dass die Angaben darüber, wie viel Kohlendioxid tatsächlich in den Wäldern gespeichert und in der Landwirtschaft freigesetzt wird, nur sehr grob geschätzt werden können. Wer seine Emissionen nicht senken konnte, schätzt einfach die Filterfunktion seiner Wälder günstig ein und erfüllt so die Auflagen. Durch 'CarboEurope' könnte sich das ändern", weiß Brickwedde. Als einer der weltweit führenden Ökosystemforscher prüft Schulze zudem, wie der Erdboden weltweit auf eine mögliche Klimaerwärmung reagiert. "Dank Schulze steht Europa damit an vorderster Front in der Klimaforschung", betont Brickwedde.

Prof. Schulze besteche nicht nur durch seine international sehr bedeutenden Forschungsarbeiten, sondern auch als erfolgreicher Wissenschaftsmanager. Der Forscher war Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für globale Umweltfragen (WBGU) und baute neben dem Max-Planck-Institut in Jena auch das Bayreuther Institut für terrestrische Ökosystemforschung auf.

Während Schulze mit dem Klimawandel eines der zentralen Umweltprobleme anpackt, setzt sich Hans G. Huber für effektive Wasserkreisläufe ein und geht damit ein weiteres globales Problemfeld an. "Weg vom Abwasser, hin zum Wertstoff" - die Philosophie des Unternehmers ziehe sich wie ein roter Faden durch seine Produktpalette: Eine komfortable High-Tech-Toilette produziert Dünger statt Abwasser, und seine Membranklärtechnik erlaubt eine dezentrale Reinigung des Brauchwassers. Das mache sie vor allem für Entwicklungsländer attraktiv: Nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung haben rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Doppelt so vielen fehle ein Abwassersystem. "Mit seinem herausragenden Engagement leistet Huber einen Beitrag dafür, dass die Millenniumsziele der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015 erfüllt werden", betont Brickwedde. So soll die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, und die Zahl derjenigen, die ohne menschenwürdige und umweltverträgliche Sanitär- und Abwassertechnik leben müssen, bis 2015 halbiert werden.

"Konventionelle Abwasserbehandlungsverfahren wie unsere zentralen Kläranlagen sind auf die Bedürfnisse Europas ausgerichtet und optimiert worden, aber in vielen Entwicklungsländern nicht anwendbar", so Brickwedde. Huber habe frühzeitig erkannt, dass Wasserreinigung dort dezentral, also direkt vor Ort, ohne teure Kanalisation aufgebaut werden müsse. "Ihn zeichnen besonderer unternehmerischer Mut und der Wille aus, Potenziale zu erkennen und innovativen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen", lobt Brickwedde. Dass Ökonomie und Ökologie sich nicht ausschließen, belegen auch die Unternehmenszahlen: Huber beschäftigt in Deutschland 470 Mitarbeiter (weltweit 750) und erreicht einen Jahresumsatz von 77 Millionen (weltweit 108 Millionen) Euro.

Quelle: idw/Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)




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