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11.07.2006

Gesundheitsrelevante Daten bei Störfällen und Transportunfällen mit Chemikalien systematisch erfassen


Daten für die langfristige Einschätzung von gesundheitlichen Auswirkungen bei Stör- und Transportunfällen mit Chemikalien werden in Deutschland bisher noch nicht vollständig systematisch erfasst und dokumentiert. Das zeigt ein Blick auf die rund 2000 seit 1990 im BfR eingegangenen Meldungen zu Gesundheitsbeeinträchtigungen nach 60 zum Teil großen Chemieunfällen. Belastungssituationen bleiben so bislang unzureichend dokumentiert, und es fehlen wichtige Informationen, um mögliche Folgeschäden bei Betroffenen, Anwohnern oder Einsatzkräften zu beurteilen. Meist mangelt es an Daten zur Exposition, der Art und dem Umfang, in dem Betroffene bei einem Störfall oder Transportunfall mit einer Chemikalie in Kontakt kommen. "Diese Lücke möchten wir mit der systematischen Erfassung von gesundheitsrelevanten Daten so weit wie möglich schließen", erläutert BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. "Wir haben deshalb spezielle Formulare zur Meldung gesundheitsbezogener Daten bei Stör- und Transportunfällen entwickelt".

Mit den nun zur Verfügung stehenden speziellen Erhebungsbögen für Stör- und Transportunfälle sollen neben den aufgetretenen Vergiftungssymptomen auch systematisch Daten zur Konzentration freigesetzter Stoffe in der Luft und ihrer Ausbreitung ermittelt werden. Die Aufnahmewege (Haut, Atmung, orale Aufnahme) sollen beschrieben, getroffene Schutzmaßnahmen und die Ergebnisse der Messungen von freigesetzten Stoffen in Blut- und Urinproben dokumentiert werden. Wichtig ist auch, in welcher Entfernung zum Zentrum des Stör- oder Transportunfalls sich die betroffenen Personen aufgehalten haben und über welche Zeitspanne. All diese Informationen sind unverzichtbar, um die langfristigen gesundheitlichen Folgen für den einzelnen Betroffenen verlässlich abzuschätzen. Dazu gehören Feuerwehrleute ebenso wie Rettungs- und Sicherheitspersonal, Anwohner, in Unfallnähe spielende Kinder oder Personal, das in die Aufräum- und Dekontaminationsarbeiten involviert ist. Die Daten zur individuellen Belastungssituation geben wichtige Hinweise darauf, ob später bei unterschiedlichen Personengruppen auftretende Gesundheitsschäden (Erwachsene, Kinder, alte Menschen, Schwangere etc.) möglicherweise auf das Ereignis zurückzuführen sind.

Die standardisierten Meldeformulare für Störfälle und Transportunfälle sind ein wichtiges Instrument, um eine solide Datenbasis zu generieren, auf der das Gesundheitsrisiko von Betroffenen so präzise wie möglich abgeschätzt werden kann. Sie sind darüber hinaus wesentlicher Bestandteil eines Monitorings der gesundheitlichen Folgen von Stör- und Transportunfällen mit Chemikalien, das vom BfR angestrebt wird. Umfassend und systematisch dokumentiert werden bisher nur die technischen Daten solcher Unfälle.

Das vom BfR zusammengestellte Formular-Paket besteht aus einem Schema mit den einzelnen Organisationsphasen bei der Bewältigung von Stör- und Transportunfällen, dem bereits bekannten Meldebogen zu Vergiftungen nach §16 e Chemikaliengesetz und aus einem Fragebogen zur Exposition. Des Weiteren ist ein Schema für systematische Umgebungsmessungen nach Stör- und Transportunfällen enthalten, in dem geografische und meteorologische Gegebenheiten am Ort des Geschehens berücksichtigt werden.

Die Formulare sollen Amtsärzten, Arbeitsmedizinern, Notfallärzten und allen Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen die Aufarbeitung und nachsorgende Begleitung solcher Krisen erleichtern.

Quelle: idw/Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)




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