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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

29.03.2006

Herstellung künstlicher Zellen aus einem Chip


Wissenschaftlern vom ISAS - Institute for Analytical Sciences ist es gelungen, mit Hilfe eines Mikrochips künstliche Zellen nach dem Vorbild der Natur herzustellen. Anders als die meisten anderen Herstellungsmethoden bietet diese nicht nur die Möglichkeit zur Massenproduktion, sondern erleichtert auch noch die weitere Bearbeitung der Zellen. Noch ohne Anwendung, aber dennoch überraschend: die Methode kann neben der für Zellen üblichen Bläschen-Form auch schlauchartige Gebilde erzeugen, die außergewöhnlich lang sind.

Die Herstellung künstlicher Zellen beschäftigt die Bio- und Nanotechnologie schon seit einigen Jahren. Wissenschaft und Industrie setzen große Erwartungen in sie: Künstliche Zellen könnten als Bioreaktoren den klimaneutralen Energieträger Wasserstoff in Massen produzieren oder als eine Art Taxi medizinische Wirkstoffe gezielt zu kranken Zellen bringen.

Doch um in einer Zelle etwas produzieren oder transportieren zu können, braucht sie erst mal eine geeignete Hülle, die Zellmembran. Sie muss flexibel und doch stabil sein, wie eine Haut das Innere schützen, aber gleichzeitig durchlässig sein für Nähr- oder Wirkstoffe und Wasser. Diese Aufgabe hat die Natur mit einer Doppelschicht aus hauptsächlich Fettsäuren, sogenannten Lipiden gelöst. Die künstliche Erzeugung von Zellmembranen auf Lipid-Basis ist jedoch schwierig, für die Massenproduktion waren bisherige Ansätze eher ungeeignet. Einen neuen und kostengünstigen Weg haben Wissenschaftler des ISAS - Institute for Analytical Sciences entdeckt. Wie sie in der englischen Zeitschrift "Lab on a Chip" berichten, können sie mit Hilfe eines Mikrochips Zellmembranen in beliebig großer Zahl herstellen.

Der Chip besteht aus drei übereinander liegenden Ebenen, in der oberen und unteren Ebene haben die Forscher winzige Kanäle, in der mittleren ebenso winzige Löcher angebracht. Gefüllt mit Wasser und Lipiden, funktioniert das ganze im Prinzip wie eine Seifenblasen-Maschine, nur statt Seifenblasen produziert der Chip eben Zellen. Außer der Möglichkeit zur Massenproduktion bietet die Methode noch weitere Vorteile, so lässt sich beispielsweise die gewünschte Größe der Zellen vorher genau definieren. "Da wir im Moment nur mit einem einzigen Chip arbeiten, haben alle von uns hergestellten Zellmembranen die gleiche Größe von etwa drei Mikrometer", erklärt Petra Dittrich vom ISAS. "Variiert man jedoch den Durchmesser von Kanälen und Löchern, sind vermutlich Größen von 300 Nanometer bis zu 30 Mikrometer machbar". Und noch ein Plus für die Herstellung per Mikrochip: die weitere Bearbeitung ist einfach. Soll etwa ein Wirkstoff in die Zellmembranen eingebracht oder deren Inhalt analysiert werden, können die dafür notwendigen Apparaturen direkt in den Chip integriert werden. So wird das bei anderen Methoden unvermeidliche Pipettieren überflüssig.

Quelle: idw/Institute for Analytical Sciences (ISAS)




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