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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

21.03.2005

Harte Zeiten für Verbrecher: Röntgentechnologie ermittelt Fingerabdrücke


Wissenschaftern des Los Alamos National Laboratory ist es gelungen, eine neue Visualisierungstechnik zu entwickeln, die Fingerabdrücke anhand von Röntgenstrahlen sichtbar macht. Die Ergebnisse der Forschung werden in dieser Woche auf der Jahreskonferenz der American Chemical Society in San Diego der Öffentlichkeit vorgestellt, berichtet der amerikanische Branchendienst Scientific American.

Bei dem neuen Verfahren, das auf der Mikroröntgenfluoreszenz-Technik (Micro-X-Ray Fluorescence, MXRF) basiert, durchleuchtet ein Röntgenstrahl eine Materialprobe und macht Natrium, Kalium und Chlorid sichtbar, also jene Ionen, die der Mensch mit dem Schweiß ausscheidet. Durch diese Salze, die sich an den Linien eines Fingerabdrucks festsetzen, wird das charakteristische Muster eines Fingerabdrucks sichtbar gemacht. Die Fingerabdrücke bleiben bei diesem Verfahren jedoch chemisch und physikalisch unverändert. Durch das Fluoreszieren der Salze kann in weiter Folge ein digitales Bild der Abdrücke aufgezeichnet werden. "Der neue Prozess ist ein fortschrittliches neues Tool für forensische Ermittler, das es erlaubt, Fingerabdrücke auch auf jenen Oberflächen zu ermitteln, auf denen sie bisher mit den konventionellen Methoden unaufgespürt blieben und das ohne Beeinträchtigung des Abdrucks. Das MXRF wird jedoch die traditionelle Methode nicht ersetzten, sondern vielmehr eine wertvolle Komplimentierung schaffen", erklärte Chris Worley, der Leiter der Studie.

Das derzeitige Standardverfahren zur Ermittlung von Fingerabdrücken ist das Kontrastverfahren, welches in der Behandlung einer Probe durch Dampf, Flüssigkeit oder Puder besteht und so Fingerabdrücke sichtbar macht. Dadurch kann der Fingerabdruck jedoch beschädigt werden. Jene Fingerabdrücke, die auf Oberflächen wie Leder oder auf plastikartigen und faserigen Oberflächen zurückgelassen wurden, waren bisher nur schwer erfassbar. Jetzt können die Kriminalisten mit MXRF Fingerabdrücke auf Textilien, Holz, Leder, Plastik, Klebstoffen, Papier und der menschlichen Haut abbilden. Durch das MXRF-Verfahren können nun auch andere Substanzen im Fingerabdruck aufgespürt werden, die sachdienliche Hinweise für die Ermittlungen liefern. So können die Experten mit Hilfe der neuen Technologie sogar bestimmen, was der Täter zuletzt in seinen Händen hielt. Spuren bestimmter Stoffe, beispielsweise hohe Mengen an Nitrat und Kalium, lassen auf Sprengstoff schließen. Aus den gefundenen Abdrücken können auch DNA-Proben für einen genetischen Fingerabdruck gewonnen werden.

MRFX kann jedoch nicht alle Abdrücke aufspüren, denn manche Fingerabdrücke enthalten nicht genügend der zur Identifikation nötigen Elemente. So sind zum Beispiel leichte Elemente wie Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff nur schwierig aufzufinden. Ein weiterer Nachteil ist der, dass die Methode derzeit nur in jenen Laboren angewendet werden kann, die mit einem entsprechenden MXRF-Geräten ausgestattet sind. Die Experten rechnen damit, in den nächsten zwei bis fünf Jahren, nach weiteren Verfeinerungen und Verbesserungen des Geräts, den kommerziellen Gebrauch soweit forciert zu haben, dass eine flächendeckende Verbreitung gegeben ist und eventuell tragbare Geräte am Markt sind.

Quelle: pte.at


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