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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

13.12.2005

Rückstands- und Schadstoffbelastung des Getreides deutlich rückläufig


Interessante Ergebnisse aus langjährigen Qualitätsuntersuchungen des Brotgetreides hat die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in Detmold jetzt vorgelegt. Danach ist die Belastung von Weizen und Roggen durch Blei und Cadmium in den letzten 30 Jahren erkennbar zurückgegangen. Auch Pflanzenschutzmittel-Rückstände sind trotz hoch entwickelter Analytik nur noch selten zu finden. Die Backqualität von Weizen hat hingegen dank der Fortschritte in Pflanzenzüchtung und Pflanzenbau zugenommen.

Seit mehr als 30 Jahren überprüfen Arbeitsgruppen der BfEL am Standort Detmold im Rahmen der so genannten "Besonderen Ernte- und Qualitätserhebung" die Beschaffenheit des frisch geernteten Brotgetreides. Alljährlich werden dafür rund 3.000 Proben aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet. Die Daten werden nicht nur für agrar- und verbraucherpolitische Entscheidungen benötigt, sondern sind auch für die weiterverarbeitende Wirtschaft von Interesse. Im Wissenschaftsmagazin ForschungsReport stellen die Experten jetzt einige wichtige Ergebnisse vor.

Vor allem aufgrund des Benzin-Blei-Gesetzes, das schrittweise ab 1972 zu einer Reduzierung des Bleigehalts in Kraftstoffen geführt hat, ist der Bleigehalt im Roggen von rund 0,1 mg/kg Mitte der 70er Jahre auf heute 0,02 mg/kg gesunken; bei Winterweizen sank er im gleichen Zeitraum von 0,05 auf 0,02 mg/kg und damit auf ein vernachlässigbar geringes Niveau. Die Daten liefern der Politik und der Öffentlichkeit den Beleg, dass es gelungen ist, durch die Verringerung der Blei-Emissionen von Autoverkehr und Industrie "bleifreies Getreide" zu erreichen. Auch die Situation bei dem Schwermetall Cadmium hat sich positiv entwickelt. Cadmium kommt natürlicherweise im Gestein und in Böden vor, gelangt aber auch über mineralische Dünger und industrielle Prozesse in die Umwelt. Das Monitoring der letzten 30 Jahre hat ergeben, dass die Cadmiumbelastung im Weizen rückläufig ist und es der deutschen Getreidewirtschaft möglich ist, den festgelegten Höchstwert von 0,2 mg/kg einzuhalten. Aufgrund der Ergebnisse der letzten Jahre wird im Rahmen der EU sogar diskutiert, diesen Wert aus Gründen des vorsorglichen Verbraucherschutzes noch weiter auf 0,1 mg/kg abzusenken.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei den Rückstandsuntersuchungen von Pflanzenschutzmitteln. Anfang der 90er Jahre ließen sich in 80 Prozent der Proben noch Insektizid-Rückstände nachweisen. Diese gingen ab Mitte der 90er Jahre deutlich zurück, dafür wurden etwas häufiger Rückstände von Unkraut- und Pilzbekämpfungsmitteln festgestellt. Trotz technischer Verbesserungen in der Analytik ließen sich in den letzten Jahren in zwei Dritteln aller Proben überhaupt keine Rückstände von den mehr als 250 erfassten Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen nachweisen. In fast allen Proben mit Rückständen waren diese sehr niedrig und bewegten sich meistens nahe der Nachweisgrenze.

Beim Winterweizen haben in Deutschland sowohl die Anbaufläche als auch der Ertrag pro Hektar kontinuierlich zugenommen. Mittlerweile wird Weizen auf einer Fläche von mehr als 3 Mio. Hektar angebaut; die Erträge stiegen im Lauf der letzten vier Jahrzehnte jährlich um durchschnittlich 1,1 dt/ha. Der Eiweißgehalt - wichtiger Qualitätsparameter für das Backen - erhöhte sich in den Jahren 1960 bis 1990 fortlaufend und bewegt sich seitdem auf gleichbleibendem Niveau (rd. 13% i.TS). Der Anstieg lag vor allem im Züchtungsfortschritt und den Entwicklungen in der Düngung und im Pflanzenbau begründet. Die jetzige Konstanz deutet auf das erreichte hohe Qualitätsniveau hin, das auch dazu beiträgt, die Exportchancen für deutschen Weizen zu sichern.

Die von der BfEL gewonnenen Datenreihen zur Qualität von Getreide werfen ein Schlaglicht auf den besonderen Wert von Langzeituntersuchungen: Mit ihrer Hilfe kann die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis nachvollzogen werden. Auch die Auswirkungen von politischen Entscheidungen auf die Umwelt und den Verbraucherschutz lassen sich auf diese Weise erkennen und dokumentieren. Schließlich bilden Langzeituntersuchungen die Basis, um langfristige Änderungen im Naturhaushalt überhaupt erkennen zu können.

Quelle: idw/Max Rubner-Institut (MRI)




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