Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

07.12.2005

Ausstellung bietet historischen Streifzug durch das chemische Labor


Deutsches Hygiene-Museum in Zusammenarbeit mit dem Carl Bosch Museum Heidelberg. Die Ausstellung wurde vom Carl Bosch Museum Heidelberg als Wanderausstellung konzipiert. Dresden ist ihre erste Station.

Auf rund 150 qm Fläche informiert die Ausstellung auf acht Themeninseln über die Tradition chemischer Forschung und die Herausbildung des chemischen Labors, beginnend von der mittelalterlichen Probierkunst bis hin zum futuristischen Denk-Labor unserer Gegenwart.

Gezeigt werden ausgewählte Momente aus der Entstehungsgeschichte des chemischen Labors, Meilensteine in der Entwicklung der wissenschatlich-praktischen Fähigkeit.

PRAXIS-LABOR: Erst Probieren, dann Produzieren

Die beiden ersten Stationen sind der Herausbildung der mittelalterlichen "Probierkunst" der Hüttenleute, aber auch der Kräuterfrauen und Destillateure gewidmet. Diese Probierkunst entstand gemäß dem Sprichwort "Probieren geht über Studieren" als kostengünstige Probeherstellung im kleinen Maßstab für die handwerkliche Produktion im Großen. Diese mittelalterlichen Produktionsstätten, die auch die Orte des Probierens waren, sind die Urzelle des späteren Labors.

DENK-LABOR: Studieren und Reflektieren

Schon während der frühen mittelalterlichen Entwicklungsgeschichte des chemischen Labors erfolgte eine erste Differenzierung der Labortätigkeiten. Die alchemistischen Theoretiker entfernten sich zunehmend von den praktizierenden Alchemisten. Das Labor der Theoretiker wurde zum Studierzimmer, ausgerüstet mit den damaligen Arbeitsmitteln der spekulierenden Theoretiker: Pergament, Papier und Gänsekiel. In dieser Station können Besucher eine virtuelle Bibliothek zum Thema "Alchemie und Chemie" besuchen.

PROBIER-LABOR: Falsche Theorie - Erfolgreiche Praxis

Der vorher präsentierten Arbeitswelt des theoretisierenden Alchemisten ist in der vierten Station das Labor alchemistischer Goldmacher gegenübergestellt. Es ist eine geheimnisumwitterte Alchemistenküche, eingerichtet in schwer zugänglichen Kellerräumen mit offener Feuerstelle und gekennzeichnet durch verrußte Wände und vergitterte Fenster. Diese Station erinnert an die Dresdner Probierstätte des Goldsuchers und Porzellanfinders J. Friedrich Böttcher (1682-1719).

WISSENSCHAFTS-LABOR: Vom Probieren zum Experimentieren

Bis zum 19. Jahrhundert gab es den Beruf des Laboranten nicht. Es waren Praktiker des chemischen Gewerbes und Hobbychemiker mit unterschiedlichsten akademischen Ausbildungen, meist Mediziner, Apotheker, Mathematiker, Theologen oder Juristen, die in technisch karg ausgerüsteten Arbeitsräumen experimentierten. Doch in dieser Entwicklungsepoche entstanden die neuen Arbeitsmittel sowie Arbeitsmethoden, die bis in unsere Zeit das chemische Labor prägen sollten. Es war die Zeit des großen französischen Chemikers Antoine Lavoisier (1743-1794).

FORSCHUNGS-LABOR: Laborieren und Produzieren

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts stand nicht mehr das Probieren im Mittelpunkt der Laborarbeit. Statt dessen prägt das chemische Experiment als "Erkenntnismittel moderner Wissenschaft" die Laborarbeit. Das Labor erhielt für die handwerkliche und industrielle Nutzung eine gesteigerte wirtschaftliche Bedeutung. So verwundert es nicht, dass Justus Liebig (1803-1873), noch heute als "Vater der modernen Chemie" bekannt, nicht nur Chemiker, sondern auch Industrieller war, der eigene Chemiewerke gründete. Das Bild seines Münchner Labors bildet den Hintergrund der sechsten Ausstellungsstation.

Im Zuge fortschreitender Arbeitsteilung in der stoffumwandelnden, chemischen Produktion verselbständigte sich im 19. Jahrhundert das Betriebslaboratorium als Stätte der Arbeitsvorbereitung. Infolge der Trennung entstand als Pendant zum produzierenden 'Blaukittler', der als nur handarbeitender Arbeiter galt, der 'Weißkittler' als denkender, im eigentlichen Sinn jedoch experimentierender Spezialist. Das Forschungslabor trat in den Dienst der chemischen Industrie. Die großen chemischen Werke wurden zu Kumulationspunkten der akademischen und auch forschenden Chemiker.

Diese beiden Stationen bieten Einblicke in die Arbeitswelt des Labors im Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es ist die Geburtsstunde des uns noch heute bekannten chemischen Labors, mit all den Glasgeräten, Bunsenbrennern und natürlich dem Reagenzglas. Hier wird eine der umfangreichsten originalen Modellsammlung dieser Laborarbeitsmittel von 1900 präsentiert, die den Besucher den Einfallsreichtum und das handwerkliche Können jener Zeit vor Augen führt.

THEORIE-LABOR: Gedankenexperiment als Laborarbeit

Im 20. Jahrhundert spezialisierte sich das chemische Labor zunehmend. Diese Differenzierung des Labors, ermöglicht durch die fortschreitende Formalisierung der Arbeitsprozesse, führte zur Herausbildung des heutigen 'Denk-Labors', das wiederum der Arbeitsvorbereitung dient, doch jetzt der Vorbereitung der traditionellen experimentellen Laborarbeit. Aus dem traditionellen Labor ist heute zum einen das fast menschenleere Untersuchungslabor für formalisierte Prozessabläufe mit hochentwickelter Labortechnik, dem Laborroboter, geworden und zum anderen das 'Denk-Labor', das durch den verstärkten Einsatz von Computern geprägt ist. Zum einen dokumentiert ein hier gezeigter Videofilm die Monotonie der Roboterarbeit und zum andern können die Besucher an einem Computer mit Hilfe moderner Programme ihre eignen chemischen Fantasien virtuell entstehen lassen.

Quelle: idw/Deutsches Hygiene-Museum


Abonnieren:

Empfehlen: