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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

07.10.2005

Chemikalien im Blut bedeuten nicht zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko


Der bloße Nachweis von chemischen Substanzen im Blut bedeutet nicht zwangsläufig, dass damit ein Problem für die Gesundheit des Menschen verbunden ist. Die betreffende Person ist weder krank noch ist sie akut gefährdet zu erkranken. Nur mit einer Risikobewertung, für die zusätzliche toxikologische Informationen vor allem zu Wirkschwellen benötigt werden, lassen sich die heute in Brüssel veröffentlichten Biomonitoring-Daten des WWF aus dem Familienbluttest medizinisch und umweltpolitisch sinnvoll einordnen, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in einer Stellungnahme.

"Die Aktion des WWF zeigt im Prinzip nur, dass sich die Empfindlichkeit der chemischen Analytik immer weiter verbessert", betonte der für Umweltpolitik zuständige VCI-Geschäftsführer Dr. Gerd Romanowski. "Mit für den Laien bedrohlich wirkenden Begriffen und Zahlen inszeniert der WWF eine Angstkampagne gegen die Chemie." Dabei handele es sich in Wahrheit bei den Funden, so Romanowski, nur um Spuren, die weit unterhalb der Schwelle zur Gesundheitsgefährdung angesiedelt seien.

Für chemische Stoffe, deren Vorkommen schon über einen längeren Zeitraum untersucht wird, zeigen Muttermilchanalysen eine stetige Abnahme der gefundenen Konzentrationen. Dies ist zum Beispiel bei Dioxinen und Furanen, PCB oder Blei der Fall. Ein großer Teil der Stoffe aus der WWF-Liste ist außerdem nach Aussage des VCI in der EU schon lange verboten oder in der Verwendung stark eingeschränkt worden und damit umweltpolitisch nicht mehr relevant. Für viele Stoffe existierten umfassende Risikobewertungen, die den Behörden vorlägen und eine sichere Verwendung ermöglichten. Deshalb ist es nach Überzeugung des VCI auch nicht nachvollziehbar, aus den Ergebnissen des WWF-Bluttests Forderungen nach einer Verschärfung von REACH abzuleiten. "Für die im WWF-Test untersuchten Stoffe oder Stoffgruppen liegen die unter REACH zu liefernden toxikologischen und ökotoxikologischen Informationen bereits vor", unterstreicht VCI-Geschäftsführer Gerd Romanowski.

Wegen der enormen methodischen Fortschritte in der Analytik lassen sich in menschlichem Blut oder der Muttermilch heute mehr Stoffe nachweisen als noch vor einigen Jahren. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Tatsache nicht überraschend, da der Mensch durch Atmung und Ernährung in einem ständigen Stoffaustausch mit seiner Umgebung steht. Moderne Biomonitoring-Verfahren erlauben heute den Nachweis eines Tropfens einer Substanz gelöst in 100.000 Litern, was etwa dem Fassungsvermögen eines Eisenbahnkesselwagens entspricht. Romanowski: "Das Aufspüren synthetischer Substanzen in so geringen Konzentrationen wie Millionstel (ppm) oder sogar Milliardstel Gramm (ppb) je Gramm ist nicht automatisch mit einem gesundheitlichen Risiko gleichzusetzen. Darin sind sich Wissenschaft und Behörden weitgehend einig."

Die chemische Industrie setzt seit vielen Jahren Biomonitoring-Verfahren in der Arbeitsmedizin als festen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für ihre Beschäftigten ein. Auf diesem Weg werden Expositionsniveaus an bestimmten Arbeitsplätzen ermittelt und interne Sicherheitsrichtlinien erarbeitet und überprüft. Die Aktion des WWF genügt hingegen in keiner Weise einem wissenschaftlich seriösen Biomonitoring, da weder die Testpersonen repräsentativ ausgewählt wurden noch eine gesundheitliche Bewertung der Messergebnisse erfolgte.

Quelle: Verband der Chemischen Industrie (VCI)




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