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28.09.2005

Professor Karlheinz Ballschmiter emeritiert


Mit dem Umweltchemiker Professor Karlheinz Ballschmiter wird Ende September einer der profiliertesten Wissenschaftler der Universität Ulm emeritiert. Über 32 Jahre hinweg hat er als Leiter der Abteilung Analytische Chemie sein Fach auch international erfolgreich vertreten, daneben weltweit verschiedene politische Organisationen und Gremien beraten sowie sich in der akademischen Selbstverwaltung engagiert.

"So Furcht erregende Gebilde wie Dioxine, Furane oder PCB" (Rektor Professor Karl Joachim Ebeling) standen im Zentrum seiner Forschungen, für die er eine Reihe wertvoller Auszeichnungen erhalten hat. Im Jahr 1990 etwa den "Philip-Morris-Forschungspreis" und den "Fresenius-Preis" der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Nicht zu vergessen 1982 den seinerzeit erstmals vergebenen "Merckle-Forschungspreis.

68 Jahre alt ist Ballschmiter im Mai dieses Jahres geworden und bis in die letzten Tage des laufenden Semesters hinein ist er seinen Aufgaben im Universitätsbetrieb nachgekommen - insbesondere bei Prüfungen der angehenden Wissenschaftler. Überdurchschnittlich viele haben bei ihm promoviert und besetzen heute Schlüsselstellen in Forschungsbereichen von Hochschulen und Industrie. Er sei ein begeisterter und ein begeisternder Lehrer gewesen, bestätigte ihm ein Kollege zu seinem 65. Geburtstag. Mehr noch: Er habe unter Straffung der in den zurückliegenden 50 Jahren nicht wesentlich geänderten chemischen klassischen Grundausbildung die Analytik im Unterricht zu einem modernen instrumenten- und problemorientierten Modul umgestaltet.

Nicht von ungefähr, so der seit einigen Jahren emeritierte Ulmer Chemieprofessor Wolfgang Witschel, spreche man deshalb von einem "Ulmer Zentrum und einer Ulmer Schule der Analytik". Dass die Analytische Chemie als Querschnittswissenschaft Grundlagenforschung mit Problemlösungen für Politik, Wirtschaft, Medizin und Chemie vereint, war wohl ein wichtiger Faktor für die hohe Medienpräsenz Ballschmiters. Nicht nur in Deutschland galt er nach dem Chemieunfall in Seveso als "der Dioxin-Papst aus Ulm", der sich sachlich und mit profundem Wissen der öffentlichen Diskussion gestellt hat. Weltweit verbindet man seinen Namen zudem mit den chlorierten Biphenylen (PCB), deren 209 Vertreter von ihm und seinen Mitarbeitern Stück um Stück identifiziert und systematisiert wurden.

Und, nicht zu vergessen: In einer von ihm betreuten Dissertation ist 2001 der Nachweis für den Wirkstoff der Pille bis in Trinkwasserproben gelungen. International bekannt geworden sind denn auch Ballschmiters Forschungsarbeiten über das globale Vorkommen schwer abbaubarer Industriechemikalien, den endgültigen Verbleib von Umweltchemikalien in Ozeanen und Atmosphäre inklusive.

"Professor Ballschmiter hat mit mehreren hundert Publikationen insbesondere zur organischen Spurenanalyse der Umweltchemie auch international maßgebliche Impulse gegeben und weltweit fachliche Anerkennung erfahren", erklärte Uni-Rektor Professor Karl Joachim Ebeling zum 68. Geburtstag des renommierten Ulmer Wissenschaftlers und bescheinigte ihm "außerordentliche Verdienste in Forschung, Lehre und Selbstverwaltung".
In der Tat kann Karlheinz Ballschmiter auch auf eine lange Liste verschiedenster Gremientätigkeiten zurückblicken. An der Universität Ulm etwa wirkte er über viele Jahre hinweg als Prodekan und Dekan der Fakultät für Naturwissenschaften, war Mitglied des Senats und Vorsitzender des Prüfungsausschusses Chemie und fungierte zudem als Gründungsdekan der Fakultät für Informatik. Ferner wirkte er im Forschungsbeirat des Landes Baden-Württemberg, als Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für den Bereich Analytische Chemie sowie im Vorstand der mittlerweile aufgelösten "Akademie für Technikfolgenabschätzung" in Stuttgart.

Schließlich engagierte sich der Chemiker von 1975 bis 1991 als Ortschaftsrat im Ulmer Stadtteil Mähringen, wo er mit seiner Familie seit 1973 wohnt und wo seine drei Kinder aufgewachsen sind. Baurecht, Ortsentwicklung und Flächennutzungsplan waren seine speziellen Sachgebiete. Nicht ohne Stolz verweist Ballschmiter heute darauf, dass in Mähringen als Resultat seiner Überzeugungsarbeit der erste Pentachlorphenolfreie städtische Kindergarten gebaut worden sei.

Studiert hatte der in Pommern geborene Wissenschaftler übrigens als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes in Mainz. Seiner Habilitation vorausgegangen war ein zweijähriger Forschungsaufenthalt am Argonne National Laboratory in Chicago. Später führten ihn seine Forschungsarbeiten von der Beringstraße im Nord-Pazifik bis zur kleinen europäischen Außenstation Réunion im südlichen Indischen Ozean. Drei Mal durchfuhr er mit dem Forschungsschiff "Polarstern" den Atlantik von Süd bis Nord. Bei seiner ersten "Äquatortaufe", erinnert er sich, sei er noch ein "normaler Täufling" gewesen. Bei den beiden weiteren Fahrten aber habe er dann als "gewichtiger Neptun und Herr der zum Teil wenig zimperlichen Zeremonie" fungiert.

Quelle: idw/Universität Ulm




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