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13.04.2005

Studie: Enormes Potenzial für Pharma und Biotech in den neuen EU-Ländern


Während die Pharma-Märkte in den früheren EU-15-Staaten derzeit nur eingeschränkten Umsatz verzeichnen, expandieren diese in den neuen EU-Beitrittsmärkten kräftig. So lag das Marktwachstum während der letzten fünf Jahre bei acht Prozent in den EU-15-Staaten, das in den neuen EU-Beitrittsländern dagegen bei 16,5 Prozent. Damit sehen pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen attraktiven Wachstumschancen entgegen.

Die Gesundheitsfürsorge-Industrie der EU steht nach Nordamerika weltweit an zweiter Stelle. Mit einem geschätzten Volumen von sieben Milliarden US-Dollar repräsentiert der pharmazeutische Markt der neuen EU-Länder - Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern - rund acht Prozent des Marktes der EU-15-Staaten.

Sowohl Polen als auch Ungarn, die 45 Prozent beziehungsweise 23 Prozent zum gesamten Umsatzvolumen des Pharmamarktes der neuen EU-Länder beitragen, sind seit 1998 um etwa 20 Prozent gewachsen. Die Wachstumsaussichten in dieser Region sind beträchtlich, zumal die neuen EU-Länder wahrscheinlich erhebliche Investitionen tätigen werden mit dem Ziel, nachhaltige Veränderungen im Gesundheitssystem zu schaffen und sich damit den behördlichen Standards der EU anzupassen.

Daneben eröffnen niedrige Kosten einerseits und einfache Patientengewinnung andererseits enormen Handlungsspielraum für die Durchführung klinischer Studien in den neuen EU-Ländern. Schon jetzt führen große, multinationale Unternehmen aus Westeuropa und den Vereinigten Staaten Analysen durch, die seltene oder für den globalen Markt relevante Krankheiten untersuchen.

Die Koordinierung und rasche Durchführung der klinischen Studien in den neuen EU-Staaten wird nicht zuletzt durch die leicht zu erreichende und ohne ausreichende Medikation auskommende Patientenbasis möglich gemacht sowie das immer stärker strukturierte Gesundheitssystem vor Ort. Einen zusätzlichen Vorteil stellen die im Vergleich zu den westlichen Ländern geringer bezahlten hochqualifizierten Untersuchungssachverständigen dar.

Der geringere Stundenlohn in den neuen EU-Ländern, der bei etwa einem Viertel des in den westlichen Ländern Üblichen liegt, macht es pharmazeutischen Unternehmen möglich, ihre mitunter größte Ausgabe zu vermeiden: Alternativkosten, die bei einem verzögerten Start eines Medikaments auf dem Markt anfallen. Dieses fällt besonders ins Gewicht, kann doch der tägliche Verlust durch den verzögerten Start eines Medikaments bis auf eine Million US-Dollar pro Tag ansteigen.

"Das Auftreten verschiedener Krankheiten ändert sich ständig", sagt Dr. Raju Adhikari, der als Industry Manager bei Frost & Sullivan das Wachstumspotenzial in den neuen EU-Ländern untersucht hat. "So ist der Marktanteil der Anti-Infektiva zurückgegangen, während der Einfluss der Sparten Herz- und Kreislaufkrankheiten, zentrales Nervensystem und Stoffwechselkrankheiten steigt. Daneben bestehen große Wachstumsmöglichkeiten in den Sektoren Asthma und Onkologie. Unternehmen mit Produkten für diese Fachgebiete werden in den neuen EU-Ländern besonders erfolgreich sein."

Allen guten Perspektiven zum Trotz gibt der Pharma-Parallelhandel Marktteilnehmern Grund zur Sorge. Typischerweise erfolgt der Parallelhandel von Medikamenten in umgekehrtem Verhältnis zu der Entwicklung der Arztneimittelpreise in der EU, was Parallelimporteure glauben macht, dass der Parallelhandel insgesamt Wettbewerb fördert und Preise mindert.

Das Volumen des Parallelhandels liegt momentan bei rund 3,8 Milliarden US-Dollar, der nach Schätzungen von Dr. Adhikari vermutlich noch für die folgenden fünf Jahre bestehen bleiben wird. Erst mit dem Bestehen eines einzigen EU-25-Marktes und dem damit verbundenen Angleichen der Preisunterschiede soll diese Entwicklung verschwinden.

Aufgrund der niedrigeren Durchschnittspreise für Medikamente in den neuen EU-Ländern verglichen mit dem westeuropäischen Markt folgen die Parallelimporte einer Ost - West-Direktion und in geringerem Ausmaß einer Süd-Nord-Achse. Die Achse des Ost-West-Parallelhandels entspringt in der Tschechichen Republik, Ungarn und Polen, deren einheimische Hersteller die EU-Standards und Kriterien einhalten.

Mehrere internationale Arzneimittelunternehmen haben bereits versucht, den Parallelhandel einzudämmen. So wurden Großhändlern Restriktionen auferlegt, um einen Export zu vermeiden, der legale Lücken im Gesetz nutzt. Andere Firmen wie die Schering AG wollen den Parallelhandel mit beständiger europäischer Preispolitik und der Definition einer schmalen Preisbandbreite begrenzen. "Unternehmen müssen eindeutige Gründe liefern, die den Preis des Produkts sowie das Beibehalten von höheren Preisen in bestimmten Märkten rechtfertigen," schließt Dr. Adhikari.

Quelle: Frost & Sullivan




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