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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

23.03.2005

Lösemittel-Berufskrankheiten: Abgelehnte Fälle werden teilweise neu geprüft


Eine erneute Überprüfung strittiger Berufskrankheiten-Fälle durch organische Lösemittel haben jetzt die Berufsgenossenschaften zugesagt, nachdem die Bundesregierung ihr Merkblatt zur Berufskrankheit "Polyneuropathie oder Enzephalopathie durch organische Lösungsmittel oder deren Gemische" (BK 1317) neu herausgegeben und in einem wichtigen Punkt revidiert hat. "Hier gab und gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Meinungen in Arbeitsmedizin und Neurologie", kommentiert Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG).

Nachdem die Bundesregierung nun durch das neue, von ihrem Ärztlichen Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten erarbeitete Merkblatt klargestellt hat, welcher Position sie sich anschließt, würden die Berufsgenossenschaften dies selbstverständlich berücksichtigen und in ihren Entscheidungen umsetzen. "Unter diesem Streit in der Wissenschaft sollen Betroffene nicht leiden. Deshalb werden wir alle abgelehnten Zweifelsfälle prüfen und bei Bedarf neu entscheiden", betont Breuer. Unabhängig davon können Betroffene natürlich auch von sich aus die zuständige BG ansprechen und eine Überprüfung beantragen.

Die erneuten Prüfungen würden sicherlich nicht dazu führen, dass alle, aus den verschiedensten Gründen abgelehnten Fälle jetzt anerkannt werden könnten, meint Breuer. Die Ablehnungen sollten aber im Lichte der neuen Position überprüft werden.

Seit Einführung der BK 1317 im Jahre 1997 wurden insgesamt 81 Fälle im Bereich der gewerblichen Berufsgenossenschaften anerkannt. Nicht bestätigt wurde der Verdacht in insgesamt 1754 Fällen. Nicht alle abgelehnten Fälle müssen allerdings jetzt neu geprüft werden: Viele dieser Fälle wurden aus anderen Gründen abgelehnt (z.B. keine Polyneuropathie oder Enzephalopathie, keine Lösemitteleinwirkung).

Der wissenschaftliche Streit dreht sich im Kern um die Frage, ob sich die Krankheitssymptome noch nach Ende der Gefährdung verschlimmern können. Nach der alten Fassung des Merkblatts der Bundesregierung sprach grundsätzlich eine Verschlimmerung der Symptome nach Ende der Exposition gegen eine Verursachung der Erkrankung durch den beruflichen Kontakt mit Lösemitteln. Nach der Neufassung des Merkblatts spricht ein unverändertes Fortbestehen oder eine Verschlechterung der Symptome nach Unterlassung der gefährdenden Tätigkeit nicht gegen die Annahme einer Berufskrankheit.

Quelle: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG)




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