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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

10.11.2004

DNA-Analyse revolutioniert Verbrechensbekämpfung


"Seit bekannt ist, dass wir zu den Untersuchungen in der Lage sind, haben immer mehr Polizeidienststellen alte Fälle ausgegraben", sagte der Leiter der DNA-Analytik beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg, Werner Pflug, in einem Gespräch mit unserer Nachrichtenagentur dpa. Sie würden vom Landeskriminalamt neben dem "Tagesgeschäft" nach und nach abgearbeitet.

"Ohne die DNA-Analyse wären schon viele Fälle nicht aufgeklärt worden", sagte Pflug. Zu den aktuellen Erfolgen der Analytiker gehört ein Fall, den das Landgericht Heilbronn von heute an verhandelt: Der fast 20 Jahre zurück liegende Reiterhof-Mord von Großbottwar (Kreis Heilbronn). 1984 soll der heute 52-jährige Angeklagte ein zwölfjähriges Mädchen sexuell misshandelt und erdrosselt haben. Auf die Spur waren die Polizei durch eine neue Analyse des Spurenmaterials vom Tatort gekommen. In einem anderen Fall, den das Konstanzer Landgericht seit Freitag verhandelt, klärten die Beamten nach etwa 34 Jahren einen Mord an einer Prostituierten auf.

Seit 1994 reichen den Stuttgarter LKA-Mitarbeitern für eine DNA-Analyse schon kleinste Hautabriebe, die - ähnlich eines Fingerabdrucks - schon beim Berühren von Gegenständen entstehen. "Darin haben wir wohl die größte Erfahrung weltweit", sagte Pflug. Durch die neuen Möglichkeiten, Tätern noch nach Jahrzehnten auf die Spur zu kommen, steigt die Zahl der Fälle bei den DNA-Analytikern seit Jahren an. "Genaue Zahlen möchte ich nicht nennen, aber der Anstieg liegt jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich", sagte Pflug. "In viel mehr Fällen als wir einen Täter überführen, entlasten wir Menschen, die zu Unrecht verdächtigt werden."

Die Suche nach für die DNA-Analyse nötigen Spuren dauert unterschiedlich lang. "In absoluten Ausnahmefällen können wir innerhalb von ein bis zwei Tagen analysieren, in anderen Fällen kann es länger dauern", sagte Pflug. Besonders aufwändig wird es, wenn die Spuren wie etwa Blutspritzer oder Hautabriebspuren nicht sofort zu erkennen sind.

In diesen Fällen müssen teils sehr viele mögliche Beweisstücke, die die Polizei von vor Ort schickt, unter dem Mikroskop auf Spuren untersucht werden. In der Abteilung DNA-Analytik arbeiten 11 Biologen und 20 Assistenten."Wir haben im Bereich der Hautabriebspuren eine Vorreiterrolle in Deutschland", sagte Pflug. Im Jahr 1989 haben die Stuttgarter als erste bundesweit die DNA-Analyse routinemäßig angewendet. "Das war und ist eine Revolution", sagte der Mikrobiologe. Die Erwartungen an die DNA-Analyse hätten sich voll und ganz erfüllt. "Sie ist die Methode der Wahl", sagte Pflug. Damit könnten Delikte vom schweren Diebstahl bis zum Mordfall aufgeklärt werden. "Mit der DNA-Analyse bewegen wir uns schon in Randbereichen, weitere Quantensprünge erwarten wir zurzeit nicht."Welche Daten speichern?

Justizminister Ulrich Goll (FDP) sagte: "Die DNA-Analyse hat die Verbrechensbekämpfung revolutioniert. Sie ist eine unserer wirksamsten Waffen bei der Aufklärung von Straftaten". Jeder Täter müsse heute davon ausgehen, dass er früher oder später gefasst werde und ihm die Tat zweifelsfrei nachgewiesen werden könne. Auf seine Initiative hin seien heute sämtliche Sexualstraftäter in einer DNA-Datei erfasst. "Darüber hinaus bin ich offen, wenn es darum geht, die restlichen Voraussetzungen für die Speicherungen der DNA-Daten auf weitere Delikte zu erweitern", sagte Goll. Es dürfe jedoch nicht möglich sein, Bagatelldelikte oder Ersttäter zu speichern. Am 2. und 3. Dezember veranstaltet das Justizministerium in Triberg sein jährliches Symposium zu aktuellen rechtspolitischen Themen, darunter der DNA-Analyse.

Quelle: PZ


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