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06.10.2004

Mobil mit Sprit aus Pflanzen


Synthetische Bio- oder BTL-Kraftstoffe eröffnen eine völlig neue Generation von Biokraftstoffen. Einen Beitrag zum Informationsaustausch zwischen den Akteuren soll die BTL-Informationsplattform leisten, die jetzt von Bundesverbraucherministerin Renate Künast ins Leben gerufen wurde. Heute trafen sich rund 100 Teilnehmer zur Gründungsveranstaltung in Berlin. Künast war erfreut über den breiten Teilnehmerkreis aus Wissenschaft und Forschung, Industrie, Landwirtschaft und Regierungsinstitutionen: "BTL-Kraftstoffe sind die vielversprechendste Option für eine zügige und weitreichende Abkehr von auf Erdöl basierenden Kraftstoffen. Zur Umsetzung der Potenziale ist jedoch die vereinte Anstrengung aller gesellschaftlichen Gruppen notwendig. Mit der BTL-Informationsplattform haben wir heute einen wichtigen Schritt in diese Richtung initiiert," so Künast.

Synthetische Biokraftstoffe, auch Biomass-to-liquid (BTL)-Kraftstoffe genannt, überzeugen mit ihren technischen Eigenschaften und bieten große Potenziale für den Ersatz fossiler Energieträger im Verkehrssektor. Noch gilt es viele Fragen zum Beispiel zu Herstellung, Logistik, Ökobilanz und Wirtschaftlichkeit zu klären. Dazu dient eine wachsende Zahl von Forschungs- und Entwicklungsprojekten, initiiert durch Bundesregierung, wissenschaftliche Einrichtungen und die Automobil- und Mineralölwirtschaft.

Auch wenn die Erzeugung noch Fragen aufwirft, sprechen viele Argumente für diese Kraftstoffe. Während der Herstellung kann er für verschiedene Anforderungen wesentlich besser angepasst, quasi _maßgeschneidert' werden als herkömmliche Kraftstoffe. Im Ergebnis erfolgt die Verbrennung im Motor sehr effizient und mit geringen Abgasemissionen. Da BTL-Kraftstoffe außerdem ohne Anpassung in heutigen Motoren einsetzbar und über die bestehende Infrastruktur verteilbar sind, werden sie auch von der Automobil- und Mineralölwirtschaft favorisiert.

Anders als bei Biodiesel aus Raps soll für BTL-Kraftstoffe zukünftig eine ganze Palette verschiedener pflanzlicher Rohstoffe genutzt werden: Das Spektrum reicht von schnell wachsenden Baumarten wie Pappeln und Weiden bis hin zu Reststoffen, zum Beispiel Stroh, Restholz und Bioabfälle. Einen großen Beitrag erhofft man sich zudem vom Anbau von Energiepflanzen.

Aber nicht nur die Auswahl der Ausgangsstoffe ist groß, auch ihre sämtlichen Bestandteile sind verwertbar. Ebenso wie andere Biokraftstoffe können BTL-Kraftstoffe nicht nur knapper und teurer werdendes Erdöl ersetzen, sondern auch Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) einsparen. Dieses wird bei ihrer Verbrennung nur in der Menge frei, in der die Pflanzen es zuvor im Wachstum aufgenommen haben.

Neben ihren herausragenden technischen Eigenschaften versprechen BTL-Kraftstoffe aber auch ein enormes Mengenpotenzial: Nach vorläufigen Berechnungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Projektträgerin des Bundesverbraucherministeriums, können pro Hektar wenigstens 3 300 Liter BTL-Kraftstoff erzeugt werden. Europaweit ließen sich so nach ersten Abschätzungen bis zu 40 Prozent des Kraftstoffbedarfs durch Biomasse decken.

Noch befinden sich BTL-Kraftstoffe im Entwicklungsstadium, noch müssen logistische, verfahrenstechnische und wirtschaftliche Aspekte geklärt werden. Um einen besseren Austausch der Ergebnisse unter den Akteuren zu ermöglichen, hat das Bundesverbraucherministerium jetzt das Netzwerk "BTL-Informationsplattform" ins Leben gerufen. Die BTL-Infoplattform will künftig Forschungsergebnisse sammeln, aufbereiten und für alle Netzwerkteilnehmer zugänglich machen. Als Medium sollen dafür regelmäßige Plenar- und Arbeitsgruppen-Treffen sowie die Internetseite dienen. Ein frei zugänglicher Bereich auf der Seite informiert außerdem die breite Öffentlichkeit. Koordiniert wird die BTL-Informationsplattform von der FNR, die auch für weitergehende Anfragen zum Thema zur Verfügung steht.

—> www.btl-plattform.de

Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMELV)




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