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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

05.10.2004

Geschichtsforschung mit physikalisch-chemischer Analytik


Spuren eines Renaissancegoldschmieds, Bücher als Informationsquelle für historische Gewässerbelastungen oder analytische Untersuchungen römischer Gläser sind Themen der Tagung Archäometrie und Denkmalpflege 2004 vom 6. bis 9. Oktober in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Veranstaltet wird die Tagung vom Arbeitskreis Archäometrie der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vom Arbeitskreis Archäometrie und Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und von der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie - Archäometrie.

Durch Metallanalysen von Gefäßen und anderen Gegenständen aus Gold und Silber aus der Renaissancezeit gelingt es, diese Objekte einer bestimmten Werkstatt zuzuordnen. Bei den Büchern dient das Papier als Informationsquelle für historische Gewässerbelastungen mit Schwermetallen; denn bei seiner Herstellung in Papiermühlen wurden, je nach deren geografischer Lage, unterschiedliche Mengen an Schwermetallen aus den Gewässern in das Papier eingetragen.

Bei den vielfältigen analytischen Untersuchungen in der Archäometrie erhält man durch Anwendung moderner Methoden für die Geschichtsforschung interessante neue Befunde. Die Plasmaspektroskopie wurde zum Beispiel auf die analytische Untersuchung römischer Gläser aus Dakien angewandt. Dabei wird ein gepulster Laser hoher Intensität auf die Probenoberfläche fokussiert, so dass das Material verdampft und ein Plasma entsteht, das ein charakteristisches Spektrum liefert, aus dem sich die atomare Zusammensetzung der Probe erkennen lässt. Die Methode wird auch und zusammen mit der Röntgenfluoreszenzspektroskopie bei der Analyse römischer Ziegel angewandt. So kann man aus deren Zusammensetzung nicht nur die Herkunft, sondern manchmal sogar die Höhe der Brenntemperatur ermitteln.

Mit der Neutronenaktivierungsanalyse gelang es beispielsweise, die Herkunft sächsischer Keramik oder der Schallgefäße der karolingischen Stiftskirche in Meschede zu bestimmen. Bei den Herkunftsbestimmungen stützt man sich häufig auf die Isotopenverteilung (Isotope sind unterschiedlich schwere Atome desselben Elements; sie haben eine unterschiedliche Anzahl an Neutronen). Durch Untersuchung der Strontiumisotopenverhältnisse konnte man beispielsweise Aussagen zur Mobilität der Bayerischen Glockenbecherkultur machen; die Ermittlung der Bleiisotopenverhältnisse machte es möglich, die Herkunft keltischer Münzen, die aus Goldlegierungen bestehen, zu klären.

Weitere interessante Themen der Tagung sind zum Beispiel die Analysen früher verwendeter Farbpigmente oder organischer Materialien, so beispielsweise die Bestimmung alter DNA, um die Herkunft europäischer Hausrinder zu ermitteln, oder alter Nahrungsreste zur Rekonstruktion der Ernährungsgewohnheiten.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)




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