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23.01.2004

Der Europamarkt für Point-of-Care-Gerinnungstests


Der Europamarkt für patientennahe Gerinnungstests (Point of Care Tests - POC) wird in den nächsten Jahren erheblich an Volumen zunehmen. Laut einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan werden die Umsätze in den beiden Sektoren patientennahe Tests und Selbsttests bis 2009 von derzeit 138 Millionen Euro auf über 370 Millionen Euro steigen. Gleichzeitig profitieren immer mehr ambulante Antikoagulationskliniken von den beeindruckenden klinischen und finanziellen Vorteilen der POC-Tests.

Mit Gerinnungs- oder Koagulationstests wird untersucht, wie schnell Blutflüssigkeit unter bestimmten Bedingungen gerinnt. Neue technologische Entwicklungen ermöglichen eine umfassende Bewertung des komplexen Zusammenspiels zwischen verschiedenen Blutgerinnungsfaktoren. POC-Tests, also direkt am Ort der Patientenversorgung durchgeführte und ausgewertete Tests, gewinnen in Intensivmedizin, Chirurgie sowie in der häuslichen Pflege immer mehr an Bedeutung, weil sie Ärzten und Pflegepersonal schnelle und genaue Informationen liefern und damit zu einer besseren Patientenüberwachung beitragen.

Geringe Durchlaufzeit und einfache Transportierbarkeit

"Der größte Vorteil von POC-Tests ist die geringere Durchlaufzeit, weil die meisten POC-Analysen direkt mit unbehandeltem Patientenblut durchgeführt werden. Verzögerungen und Aufwand durch Transport und logistische Übergaben, wie sie bei Labortestverfahren an der Tagesordnung sind, werden dadurch minimiert", erläutert Shree Viswadia, Research Analyst bei Frost & Sullivan. "Ein weiteres Plus ist die Transportierbarkeit der POC-Instrumente, was einen Einsatz vor Ort erleichtert. Zudem ist das Angebot an Tests mittlerweile sehr umfangreich."

Mehr Selbsttests für zu Hause

Das Gros der POC-Gerinnungstests machen derzeit die patientennahen Tests (Near Patient Testing, NPT) aus, also Tests direkt am Patientenbett, in Notaufnahmen, Intensivstationen, in der Erstversorgung und im OP. Allerdings geht Frost & Sullivan davon aus, dass der Produktmarkt für Selbsttests, mit denen der Patient zuhause eigenständig seine Werte überprüfen kann, in naher Zukunft stark zulegen wird.
Vorteile: schnelle Testergebnisse und Entlastung des Klinikpersonals

Momentan konzentrieren sich die Hersteller darauf, ihre Marktposition mit technischen Fortschritten in Form einfach zu bedienender und schneller Analysegeräte zu sichern. So ermöglicht beispielsweise die Einbindung von Dosierungssoftware Ärzten und Pflegepersonal einen raschen Zugriff auf Testergebnisse, die vor Ort gespeichert und heruntergeladen werden können. Große Vorteile für das POC-Testen bringen auch Audit-Trail-Module zur Verknüpfung von Klinik-Intranetsystemen und zur Vereinfachung des Datenaustauschs.

Während sich durch schnelle Durchlaufzeiten und die Möglichkeit zu zeitnahen Dosisanpassungen für viele Patienten die Klinikaufenthaltsdauer verkürzen lässt, helfen die dezentralisierten Testverfahren außerdem, den Personalmangel in den Krankenhäusern besser aufzufangen.

Noch sind viele Fragen unbeantwortet

Trotz aller Konnektivitätsvorteile gibt es verschiedene Faktoren, die sich wachstumshindernd auswirken. Dazu zählen vor allem Aspekte der Qualitätskontrolle, die skeptische Haltung vieler Ärzte und Erstattungsprobleme. "Gerade im Bereich der Selbsttests sind noch viele Fragen offen: Wie lässt sich beispielsweise die Qualität kontrollieren, wenn Patienten ihren INR (International Normalised Ratio)-Wert zuhause messen?," gibt Viswadia zu bedenken. "Außerdem variieren die Ergebnisse bei den Selbsttests je nach Koagulationstechnik sehr stark, weshalb viele Ärzte möglicherweise weiterhin auf traditionelle Labortests setzen." Das dritte Wachstumshindernis ergibt sich aus der nur schleppenden Implementierung von Rückerstattungsregelungen für Vor-Ort-Tests. "Ohne klare Erstattungspläne werden sich Mediziner und Patienten eher zurückhalten, wenn es um Kauf und Einsatz von Selbsttests geht", so Viswadia.

Konkurrenz durch neue Antikoagulanzien

Bedenken in Bezug auf die weitere Marktentwicklung löst auch die Entwicklung neuer Thrombin-Inhibitoren wie Ximelagatran aus. Die Zulassung und Vermarktung solcher oraler Antikoagulanzien könnte den Bedarf an Routine-Gerinnungstests immer mehr reduzieren. Diesen Problemen versuchen die Hersteller mit einer neuen Generation von Überwachungsgeräten zu begegnen, die schnellen Zugriff auf quantitative Daten ermöglichen und deren Betriebskosten für Patienten und Kliniken erschwinglich sind. "In Zukunft wird es Instrumente mit mehr Testoptionen geben, die gleichzeitig kleinere Probengrößen erfordern. Dadurch eignen sich die neuen Verfahren noch besser für den POC-Bereich", erläutert Viswadia.

Europaweit betrachtet stoßen POC-Tests mittlerweile auf zunehmende Akzeptanz. Die meisten Anwender verzeichnen Deutschland, Italien und Großbritannien. Angesichts der wachsenden Anzahl an älteren Patienten dürften zukünftig vor allem mehr Selbsttests eingesetzt werden, um die Labors in Kliniken und Arztpraxen zu entlasten. Zu den Wettbewerbern im Markt für POC-Gerinnungstest gehören Bayer Diagnostics, Roche Diagnostics, Abbott, Hemosense, Medicell International und Sysmex.

Titel der Analyse: Frost & Sullivan's Analysis Of The European Point-of-Care Coagulation Testing Market (Report B267)

Quelle: Frost & Sullivan




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