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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

10.05.2004

Hormonen im Abwasser billiger auf der Spur


Einen deutlich billigeren Nachweistest von Hormonspuren im Abwasser haben Wissenschaftler der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn entwickelt. Der Antikörper-Test, der gemeinsam mit dem Dresdner Biotech-Unternehmen "quo data" entwickelt wurde, ist 20 Mal kostengünstiger als bisher eingesetzte Nachweis-Methoden. Das Messgerät ist außerdem extrem einfach und sicher in der Handhabung. Die Neuerfindung wird auf der Analytica, der Weltfachmesse für Analytik, die vom 11. bis zum 14. Mai in München stattfindet, präsentiert.

Sexualhormone im Wasserkreislauf werden unter anderem als "Spermienkiller" verdächtigt. Sie wirken schon in äußerst geringen Konzentrationen, die bisher nur mit großem Aufwand nachzuweisen waren. Bei Fischen ist inzwischen gut dokumentiert, dass Rückstände der Anti-Baby-Pille im Wasser großen Schaden anrichten: Männliche Forellen werden weniger fruchtbar, junge Brassen bilden in ihrem Hoden plötzlich Eizellen, bei Karpfen verschiebt sich das Geschlechterverhältnis zu Gunsten weiblicher Tiere. Die Wissenschaftler vermuten, dass die sinkenden Spermienzahlen bei Männern in westlichen Industrieländern möglicherweise der Wirkung künstlicher Östrogene zuzuschreiben sind.

"Die Crux vieler Medikamente ist, dass sie im Körper nur langsam abgebaut werden", so Rudolf J. Schneider vom Bonner Institut für Pflanzenernährung. Das gilt auch für die Wirkstoffe in der Anti-Baby-Pille. Ein großer Teil des darin enthaltenen künstlichen Östrogens Ethinylestradiol (EE2) wird von den Frauen mit dem Urin unverändert ausgeschieden, gelangt ins Abwasser und von dort in die Kläranlagen. "Im Kläranlagenablauf liegt die EE2-Konzentration zum Teil um den Faktor 50 über dem Schwellenwert, bei dem in Regenbogenforellen Effekte nachzuweisen sind", so der Forscher. Schneider hat zusammen mit seiner Mitarbeiterin Therese Hintemann und dem Unternehmen quo data ein Gerät entwickelt, das sowohl EE2 als auch das natürliche Östrogen 17ß-Östradiol (E2) auch noch in winzigen Spuren nachweisen kann. Die beiden Hormone wirken noch in unvorstellbar kleinen Konzentrationen von weniger als einem Milliardstel Gramm pro Liter.

Das Gerät basiert auf dem bewährten Messprinzip, dem so genannten ELISA-Test. Dabei bindet die nachzuweisende Substanz hochspezifische Antikörper. Sie konkurriert dabei mit einer chemisch veränderten EE2-Variante, die nach Zugabe von einer Art Indikator eine Farbreaktion auslösen kann. Je mehr Hormone in der Probe sind, desto mehr Antikörper kann es blockieren. Entsprechend weniger Platz bleibt für die modifizierte EE2-Version, die Farbreaktion fällt dann gering aus. Ein optischer Sensor misst die Färbung, aus der das Gerät dann die EE2-Konzentration in der Probe errechnen kann.

Quelle: Universität Bonn




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