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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

06.05.2004

Viel versprechender Alzheimer-Wirkstoff


In-vitro-Tests mit mehreren Wirkstoffen aus der Substanzgruppe der Acylaminopyrazole haben sich als äußerst erfolgversprechend erwiesen. Der Wirkstoffe hindern bestimmte bei der Alzheimer-Krankheit abnormal veränderten Eiweiße im Gehirn an der Verklumpung und schützen Nervenzellen vor dem Absterben. Nun sind in-vivo-Tests an Mäusen geplant.

Mehrere Wirkstoffe aus der Substanzgruppe der Acylaminopyrazole haben sich während der in vitro-Testphase an lebenden Nervenzellen als äußerst viel versprechend für die Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit erwiesen und sollen nun in vivo an genveränderten Mäusen getestet werden. Entwickelt wurde die Substanzgruppe von einer Arbeitsgruppe um Thomas Schrader, Professor am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität Marburg, und Detlev Riesner, Professor am Institut für Physikalische Biologie der Universität Düsseldorf. Bereits im Jahr 2002 wurde sie von der TransMIT GmbH - der Gesellschaft für Technologietransfer der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Fachhochschule Gießen-Friedberg - zum Patent angemeldet. Die Untersuchungen fanden in Kooperation mit der im österreichischen Graz ansässigen JSW-Research Forschungslabor GmbH statt.

Die ersten in-vitro-Tests an Zellkulturen haben gezeigt, dass einige der untersuchten Wirkstoffe die für Alzheimer typische Verklumpung von Eiweißen verhindern. Ebenso erwies sich, dass sie Nervenzellen im Gehirn (Neuronen) vor der toxischen Wirkung von bereits abnormal veränderten Eiweißen schützen und selbst in geringen Dosen nicht toxisch wirken. Nach diesen Untersuchungen steht nun auch fest, welche Substanzen bei der von Frühsommer bis Oktober 2004 vorgesehenen in-vivo-Testreihe zum Einsatz kommen. Die Testreihe wird an genveränderten "Alzheimer"-Mäusen erfolgen. Falls sich die positiven Befunde wie erwartet im Tiermodell reproduzieren lassen, gehen die Kooperationspartner davon aus, möglicherweise schon in einigen Jahren ein wirksames Medikament zur Behandlung und Heilung von Alzheimer-Erkrankungen vorlegen zu können.

Der Wirkmechanismus wird von einem künstlichen, am Computer maßgeschneiderten Molekül ausgelöst. Es hindert abnormal veränderte Eiweiße - wie sie im Falle von Alzheimer- sowie Creutzfeld-Jacob-Erkrankungen sowie bei BSE auftreten - an der Verklumpung und beugt so einem Absterben der Neuronen vor. Solche Eiweißmoleküle bilden bei Erkrankung ihre ursprünglich vorwiegend helix-, also schraubenförmige Struktur in eine so genannte Beta-Faltblatt-Struktur um, die aufgrund ihrer klebrigen Oberfläche zur Bildung von Ablagerungen im Gehirn führt, den so genannten "Plaques". Werden die Eiweißmoleküle nicht schnell genug abgebaut oder ausgeschieden, beeinträchtigen sie die Sauerstoffversorgung und damit die Funktion der Nervenzellen so stark, dass diese absterben. Die neuen Wirkstoffe verhindern die Verklumpung, indem sie sich wie Kappen auf die klebrigen Regionen legen. Die solchermaßen unschädlich gemachten Eiweißmoleküle werden anschließend über körpereigene Mechanismen abgebaut.

Die Zahl der in Deutschland mittelschwer und schwer Demenzerkrankten liegt bei gut einer Million und soll bis 2050 auf etwa zwei Millionen ansteigen. In Europa leiden rund drei Prozent der über 60-jährigen an Alzheimer.

Quelle: Universität Marburg




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