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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

11.12.2003

Gift in Weihnachtsäpfeln? Häufig Pestizidrückstände in Obst und Gemüse


Rotbackige Weihnachtsäpfel gehören einfach dazu - ob als Baumschmuck oder in der Nikolaustüte. Dass beim Biss in die knackige Schale auch giftige Substanzen mit in den Magen wandern, ist bei konventioneller Ware meistens inklusive. Pestizidrückstände lassen sich aber nicht nur in Äpfeln nachweisen sondern finden sich in vielen Obst- und Gemüsesorten.

In dem vom Land Baden-Württemberg auf fünf Jahre angelegten Öko-Monitoring zeigte ein Vergleich von ökologischen und konventionellen Lebensmitteln, dass 75 Prozent der Proben aus konventionellem Anbau mit Pestiziden belastet sind. Besonders Importware wie Weintrauben, Paprika, Erdbeeren und Tomaten weisen oft mehrere verschiedene Schadstoffe auf. 21 von 25 von "Öko-Test" untersuchte Äpfel wiesen Pestizidrückstände auf.
Biogemüse und -obst kommt dagegen mit geringen Ausnahmen ohne Schadstoffe in den Laden: 93 Prozent, so hat das Öko-Monitoring festgestellt, sind rückstandsfrei. Auf rund 300 Pestizide untersuchen die Landesämter in Stuttgart und Karlsruhe von 2002 bis 2006 Bio-Lebensmittel und konventionelle Ware.

Selbst hier wird nur ein Teil der 840 Pestizide abgedeckt, die bis Mitte des Jahres in der EU zugelassen waren. Rückstände der 320 im Juli vom Markt genommenen Wirkstoffe werden sich aber noch länger finden lassen. Die meisten staatlichen Labore prüfen nur auf ca. 100 Pestizide.

Eine Verbesserung der ständigen Lebensmittelkontrollen ist deshalb dringend notwendig. Die derzeitigen Verfahren sind langwierig und werden nicht bundesweit koordiniert: Bis die Ergebnisse bekannt sind, sind die Waren längst verkauft und gegessen. Und bei Importen aus Nicht-EU-Ländern sind auch Pestizide inklusive, die in der EU nicht erlaubt sind - aber diese müssen zunächst einmal gefunden werden. Auch das in der DDR verwendete Nitrofen war schon seit 1990 in Deutschland verboten und wurde deshalb bei den normalen Kontrollen nicht untersucht; erst das hauseigene Labor des Babynahrungsherstellers Hipp fand das Pestizid in Putenfleisch.

Das Umweltinstitut München e.V. fordert daher die Bundesregierung auf, eine schnelle und effiziente Lebensmittel-Überwachung auf Bundesebene einzuführen: "Die bestehenden Kontrollsysteme sind langwierig und ineffizient. Verbraucher haben ein Recht auf gesunde Lebensmittel. Grenzwertüberschreitungen kommen viel zu oft vor; wenn die Waren beanstandet werden, sind sie meist schon verzehrt," fordert Harald Nestler, Vorstand des Umweltinstitut München e.V.

Auf Nummer Sicher geht, wer Lebensmittel aus ökologisch kontrolliertem Anbau bevorzugt: "Wir wissen ja noch gar nicht, wie sich der Giftcocktail aus den verschiedenen Pestiziden, die in Obst und Gemüse stecken, auf den menschlichen Organismus auswirkt; gesund können die zum Töten von Lebewesen geschaffenen Giftstoffe auf jeden Fall nicht sein." Nestler rät deshalb zur Biokost: "Viele Supermarktketten haben in den letzten Jahren eine eigene Biolinie eingeführt. Fast immer finden sich hier Äpfel, Kartoffeln, Karotten aus ökologischem Anbau, so dass Verbraucher sich auch hier immer mehr mit gesunder Ware versorgen können."

Quelle: Umweltinstitut München




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