Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

27.06.2003

Weltmarkt für Chiraltechnologie mit starkem Wachstumspotenzial


Ein überdurchschnittliches Maß an Aktivität kennzeichnet die sich rasant entwickelnde Branche der Chiraltechnologie im niedermolekularen Bereich. Immer mehr Feinchemikalienhersteller ergänzen ihre Portfolios um chirale Technologien. Während die herkömmlichen Methoden wie die Enantiomerentrennung oder auch Chiral Pool fest etabliert sind, finden neue asymmetrische und biologische Verfahren großes Interesse und stehen im Brennpunkt intensiver Forschung. Laut einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan wird daher das Umsatzvolumen im Gesamtmarkt für Chiraltechnologie weltweit von derzeit 7,74 Milliarden US-Dollar (2003) auf 14,94 Milliarden im Jahr 2009 anwachsen.

Hauptzielrichtung der Chiraltechnologie sind nach wie vor die Anforderungen der Pharmaindustrie an die Synthese optischer beziehungsweise enantiomerenreiner pharmazeutischer Substanzen oder Zwischenprodukte für die Herstellung von Wirkstoffen. Die Arzneimittelbehörden verlangen eine pharmakologische Verifizierung und klinische Prüfung für jedes einzelne Enantiomer des Razemats.

Mehr Bereitschaft zu Investitionen

Eine veränderte Einstellung gegenüber den Chiraltechnologien, vor allem aber die neuen asymmetrischen und biologischen Verfahren, haben dazu geführt, dass Unternehmen heute eher bereit sind, Risiken einzugehen und stärker in diese sich entwickelnden Technologien zu investieren. Offensichtlich geben die Firmen ihre abwartende Haltung auf und sind jetzt bestrebt, als Erste auf dem Markt zu sein.

Kleinere Pharmaunternehmen versprechen Business

Allerdings stehen die Feinchemikalienhersteller vor dem Problem, dass die großen Pharmaunternehmen als bislang wichtigste Kunden aus Kostensspargründen ihre Outsourcing-Aktivitäten zurückfahren. So suchen die Hersteller nun bei kleineren Pharmaunternehmen, die vielversprechende Wirkstoffe in der Entwicklung, aber nur begrenzte Herstellungskapazitäten haben, nach neuen Geschäftschancen. Insofern zeichnet sich ein Paradigmenwechsel innerhalb des Marktes ab, da die Feinchemikalienhersteller beim Ausbau ihrer Kundenbasis mehr und mehr auf die kleineren Pharmafirmen angewiesen sind.

Biotech-Unternehmen suchen Partner

Außerdem sind Biotechnologieunternehmen zunehmend auf der Suche nach Herstellungspartnern für niedermolekulare Chiralica. Dies bietet den Feinchemikalienherstellern eine hervorragende Gelegenheit, Umsatzverluste aus dem Geschäft mit der Pharmaindustrie zu kompensieren. Allerdings müssen die Chiraltechnologiefirmen nach Dr. Matthew Moorcroft, Industry Analyst bei Frost & Sullivan, "ihre Unternehmensstrategie anpassen, um das Potenzial dieser interessanten neuen Kundenbasis voll zu realisieren."

Mit hohen Kosten verbunden

Den Feinchemikalienherstellern entstehen durch das Hinzufügen der Chiraltechnologie zu ihren Portfolios - meist durch Übernahme von Ausgründungen von Forschungseinrichtungen - enorme Kosten. Durch die Einweg-Katalysatoren ist auch der Betrieb dieser Technologien teuer. Die Unternehmen versuchen darauf durch die Entwicklung wiederverwendbarer Systeme zu reagieren. Allerdings dürften mit zunehmender Marktreife der Verfahren die Kosten sinken und den Zugang für alle Unternehmen eröffnen, für die sie bisher außerhalb des Budgetrahmens lagen.

Innovation und Integration sind gefragt

Deutlich erkennbar ist der Trend zu einem möglichst breiten Technologieportfolio. Wachsender Druck von Seiten der auf Kostensenkung ausgerichteten Abnehmer in der Pharmaindustrie erfordert von den Feinchemikalienherstellern Fähigkeiten in allen Bereichen der Produktion und die möglichst billige Herstellung chiraler Substanzen. Um im Wettbewerb mithalten zu können, müssen Unternehmen außerdem innovativ und flexibel sein. Nach Moorcroft "genügt es auf dem Markt von heute nicht, einfach eine umfangreiche technologische Basis anzubieten, der Schwerpunkt muss auf Innovation, Integration und kundenspezifischen Lösungen liegen."

Asymmetrische Synthese hat sich bewährt

Unter den neueren Technologien bewährt sich in den letzten Jahren vor allem die asymmetrische Synthese, die dank massiver Investitionen von Forschungsinstituten und Industrie weiter florieren dürfte. In den Neunzigerjahren entwickelte nachhaltige Katalysatoren ermöglichen es, dass die Enantiomerenreinheit heute oft bei über 99 Prozent liegt und außerdem eine große Zahl asymmetrischer Liganden und Hilfsstoffe produziert wird. Das hat einen Bedarf für gründliche theoretische Forschungen geschaffen, die dem Bereich letztlich zugute kommen und die Kosten durch die intelligente Ausgestaltung und Modifikation vorhandener katalytischer und synthetischer Prozesse senken werden.

"Durch die Entwicklung von Systemen, die auf effektive Weise recycelt werden können, dürfte die Kostenfrage letztlich an Gewicht für Unternehmen verlieren, die an der Entwicklung von Fähigkeiten in der asymmetrischen Technologie interessiert sind", analysiert Moorcroft.

Intensive Forschung an innovativen Methoden

In den letzten zehn Jahren wurde wegen der hohen Enzymselektivität besonders intensiv an innovativen biologischen Methoden geforscht. Sie dürfte langfristig eine wichtige Triebkraft für das Wachstum und die breite Akzeptanz der Chiraltechnologien bleiben. Regio-, Stereo- und Chemoselektivität tragen dazu bei, Zeit und Kosten zu sparen, indem sie die Zahl der erforderlichen Syntheseschritte erheblich reduzieren und so eine einfache Biotransformation ermöglichen.

Die asymmetrische Synthese durch chemische und biologische Verfahren wird laut Frost & Sullivan in den nächsten zehn Jahren dominieren. Die ihr eigenen Begrenzungen werden jedoch parallel auch für ein dauerhaftes Interesse an den etablierteren und breit verfügbaren Chiral-pool- und Trennungsverfahren sorgen.

Die beste Strategie ist ein breites Portfolio

Abschließend betont Frost & Sullivan noch einmal, dass die beste Unternehmensstrategie in der Schaffung und Aufrechterhaltung eines breiten Portfolios besteht: "Um wettbewerbsfähig zu bleiben und größere Kunden anzuziehen, müssen Unternehmen durch die Integration verschiedener chiraler Verfahren schnell eine kritische Masse in ihrem Produktportfolio entwickeln. Insofern werden alle chiralen Technologien ein aktiver Forschungsbereich bleiben, allerdings mit unterschiedlichen Fortschritten." schließt Moorcroft.

Titel der Analyse:
Frost & Sullivan's Analysis Of Developments In Global Chiral Technology Markets (Report B105)

Quelle: Frost & Sullivan




—> alle Nachrichten dieser Firma

Abonnieren:

Empfehlen: