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18.06.2003

Der Europamarkt für Massenspektrometrie in der Proteomik


Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung neuer Medikamente spielt heute die Proteomik als Wissenschaft von Struktur, Funktion und Wechselwirkungen der Proteine. Bei der Erforschung der Proteine bedient sie sich zurzeit vor allem zweier Schlüsseltechnologien, der 2D-Elektrophorese zur Separierung der Moleküle für die Analyse und der Massenspektrometrie für deren Charakterisierung und Identifizierung.

Im Rahmen der biochemischen Proteinanalyse am häufigsten angewendet werden MALDI-TOF-, QTOF-, Ionenfallen- und Elektrospray-Tripel-Quadrupol-Massenspektrometer. Auf diese vier Gerätetypen entfallen nach einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan rund 80 Prozent des Weltmarktes für Massenspektrometrie in den Biowissenschaften. In Europa wurden im Jahr 2002 mit Massenspektrometern dieser vier Typen im Bereich der Biowissenschaften Umsätze von insgesamt 256,3 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. Diese Summe soll bis 2009 jährlich um durchschnittlich 13,3 Prozent wachsen und dann 614,5 Millionen US-Dollar erreichen.

Die Fundamentaldaten des Marktes wie der anhaltende Bedarf von Labors nach Instrumenten für die Proteinidentifizierung und das Fehlen einer nennenswerten Konkurrenztechnologie oder einer Proteomik-Komplettlösung, sind weiterhin günstig.

Gebremst wird das Wachstum nach Annabel Entress, Branchenanalystin bei Frost & Sullivan, durch die natürliche Alterung des Marktes, die ungünstigen gesamtwirtschaftlichen Aussichten, die jüngsten Ausgabenkürzungen im Pharmabereich, die Unsicherheit bei der öffentlichen und privaten Finanzierung sowie Konsolidierungsprozesse in der Pharmaindustrie.

Allerdings kann sich der Erfolgsdruck auch in langfristigen Investitionen in die Wirkstoffforschung niederschlagen, sodass es letztlich wenig wahrscheinlich ist, dass die Forschungs- und Entwicklungsausgaben zurückgehen. Ebenso dürfte die Tatsache, dass sich bestimmte Massenspektrometer zur Lösung bestimmter Forschungsprobleme besser eignen als andere, dafür sorgen, dass auch nach Unternehmenszusammenschlüssen der Bedarf für verschiedene Geräte parallel weiter bestehen wird.

Proteomik trotzt der Krise

"Das Niveau der öffentlichen Investitionen ist in einigen Teilen der EU in den letzten Jahren zurückgegangen und dürfte angesichts der konjunkturellen Schwäche weiter sinken. Auch kann man sich nach dem Einbruch des Aktienmarktes nicht darauf verlassen, dass private Investitionen die Lücke füllen", unterstreicht Entress. Vor diesem pessimistischen Hintergrund gilt die Proteomik dennoch weiter als ein so wichtiger Forschungsbereich, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Gelder zur Finanzierung von Projekten ganz ausbleiben.

EU-Erweiterung birgt Unsicherheiten

Die EU-Erweiterung im nächsten Jahr hat ebenfalls Auswirkungen auf die Verfügbarkeit öffentlicher Mittel. Das Gesamtbudget für öffentliche Forschungsausgaben in der EU dürfte kaum proportional zur Zahl der Forschungslabors wachsen. Freilich sind die genauen Auswirkungen der EU-Erweiterung auf die vorhandenen Forschungseinrichtungen und ihre finanzielle Ausstattung bis jetzt unklar. Einige Labors sehen sich aber genötigt, Rücklagen zu bilden und Prioritäten zu setzen, um zu gewährleisten, dass die aussichtsreichsten Forschungsbereiche die Einnahmen bringen, mit denen dann zusätzliche interessante Bereiche finanziert werden können.

Software muss schneller werden

Unter den technischen Problemen, die das Wachstum behindern, sind vor allem Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen Bioinformatik-Software zu nennen, die teilweise nicht in der Lage ist, die bei vielen High-Throughput-Systemen anfallende Datenmenge zu verarbeiten. Die Auswertung der Daten ist jedoch nach Entress "der entscheidende Schritt, der die Daten erst wertvoll macht. Wenn die Software nicht leistungsfähig genug ist, dann sind alle Anstrengungen zur Beschleunigung der genomischen und proteomischen Verfahren umsonst, weil die Informationen nicht zufriedenstellend verarbeitet werden können."

Besseres Kundenverständnis gefragt

Zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit empfiehlt Frost & Sullivan den Marktteilnehmern, ihre Marketinganstrengungen auf die Erhöhung der Attraktivität der sehr preisintensiven Geräte zu richten. Eine strategische Schwäche der Anbieter zeigt sich in ihrer ungenügenden Kenntnis der Kundenanforderungen. Dabei könnten sie "Wettbewerbsvorteile erlangen und gut verkäufliche Produkte entwickeln, indem sie wichtige Probleme angehen, die sich bei vorhandenen oder potenziellen Kunden stellen. Das Ergebnis könnte ein anderer Gerätetyp mit größerer Kapazität, geringeren Abmessungen oder niedrigeren Kosten sein, bessere Schulung, eine bessere Kundendienststruktur oder vielleicht ein verbessertes Softwarepaket."

Marktführer: Waters Corporation

Marktführer mit 33 Prozent Marktanteil ist die Waters Corporation. Frost & Sullivan führt den Erfolg von Waters auf eine starke Präsenz in drei der vier Marktsegmente zurück, wobei dem Unternehmen vor allem sein breites Produktspektrum, die hohe Qualität, das gute Vertriebsnetz und die gepflegten Kundenbeziehungen zugute kommen.

Titel der Analyse: Opportunities In The European Proteomics Mass Spectrometry Markets (Report B096)

Quelle: Frost & Sullivan




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