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12.06.2003

Konsolidierungs- und Erneuerungsprogramm: Schließung von 12 Institutsabteilungen bis 2007


Die Max-Planck-Gesellschaft schließt bis zum Jahre 2007 zwölf von insgesamt rund 270 Institutsabteilungen, um ihr Haushaltsdefizit mittelfristig auszugleichen und Raum für neue Forschungsvorhaben zu schaffen. Die Strukturmaßnahmen sind Teil eines umfangreichen Konsolidierungs- und Erneuerungsprogramms, das der Senat der Forschungsorganisation auf seiner Sitzung am 5. Juni in Hamburg verabschiedet hat. Die Max-Planck-Gesellschaft sprach sich dafür aus, das System der gemeinschaftlichen Forschungsförderung durch Bund und Länder grundsätzlich beizubehalten und formulierte Vorschläge zur Weiterentwicklung.

Bereits im Dezember hatte die Max-Planck-Gesellschaft in Erwartung der mittelfristig drohenden Einnahmeausfälle angekündigt, zahlreiche Institutsabteilungen schließen zu müssen. Nach ausführlicher Beratung in den Gremien der Forschungsorganisation hat der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Peter Gruss, dem Senat ein umfangreiches Konsolidierungs- und Erneuerungsprogramm vorgelegt. Der Senat hat jetzt entschieden, je eine Abteilung an zwölf Max-Planck-Instituten sowie ein Max-Planck-Institut komplett zu schließen.

In den Beratungen wurde die Ankündigung des Bundeskanzlers in seiner Regierungserklärung vom 14. März, die Etats der großen Forschungsorganisationen in den kommenden Jahre um jeweils drei Prozent zu erhöhen, mit großer Erleichterung und Dankbarkeit aufgenommen. Der Senat der Max-Planck-Gesellschaft hat jetzt an Bund und Länder (beide finanzieren jeweils zur Hälfte rund 95 Prozent des Haushalts der Max-Planck-Gesellschaft) appelliert, diese Zusage in den jeweiligen Haushaltsplanungen einzuhalten, damit das Ziel des Bundeskanzlers auch tatsächlich erreicht werden kann.

Für gemeinschaftliche Forschungsförderung

Vor dem Hintergrund der aktuellen Föderalismusdebatte sprach sich Präsident Gruss für die grundsätzliche Beibehaltung des Systems der gemeinsamen Forschungsförderung durch Bund und Länder aus und formulierte Vorschläge zur Weiterentwicklung: Die gemeinschaftliche Forschungsförderung hat internationale Spitzenforschung, wie sie die Max-Planck-Gesellschaft leistet, möglich gemacht. Im Zeichen der Finanzkrise müssen die Stärken des Systems jetzt ausgebaut und seine Schwachstellen beseitigt werden. Für eine Weiterentwicklung nannte Gruss als Eckpunkte: die Gewährleistung einer angemessenen Finanzierungsgrundlage, mittelfristige Planungssicherheit und die Eigenverantwortung der Wissenschaft.

Bei einer Überarbeitung der Regularien der Forschungsförderung ist die Rückkehr zu mehrjährigen Finanzierungszusagen, wie sie etwa in den neunziger Jahren bestanden, für die Max-Planck-Gesellschaft von ganz besonderer Bedeutung. Da die Haushaltsbeschlüsse für die Max-Planck-Gesellschaft von Bund und Ländern einstimmig getroffen werden, sollte nach Auffassung von Gruss auch ein Mechanismus entwickelt werden, der gewährleistet, dass diese Beschlüsse dann auch nur mit qualifizierter Mehrheit wieder aufgehoben werden können.

Grundsätzlich müsse die Unabhängigkeit der Entscheidungen in der institutionellen Verantwortung der Max-Planck-Gesellschaft gewahrt bleiben. Hierzu zählten die eigenverantwortliche Auswahl der Forschungsthemen ebenso wie die unabhängige Berufung von Wissenschaftlern.

Strukturelles Finanzierungsdefizit

Die Max-Planck-Gesellschaft mit ihren derzeit 80 Instituten und über 12.000 Beschäftigten (darunter 3.500 Wissenschaftler und 267 Direktoren) benötigt ein jährliches Haushaltswachstum von mindestens vier Prozent, um ihre Forschungsaktivitäten im bisherigen Umfang aufrecht zu halten und bestehende Verpflichtungen erfüllen zu können. Besonders zu Buche schlagen dabei die Personalkosten, die nach den Tarifabschlüssen und den Änderungen zur Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung für 2003 und 2004 deutlich angestiegen sind und fast die Hälfte dieses notwendigen Mindestwachstums aufzehren.

Ein weiterer Teil entfällt auf Folgekosten von Investitionen zum Aufbau von Forschungsinfrastrukturen, insbesondere zur Bewirtschaftung von Institutsneubauten. So wurde in den zurückliegenden Jahren vor allem in das Programm Aufbau Ost investiert, das zur Einrichtung von 20 Max-Planck-Instituten in den neuen Bundesländern führte und wofür die Max-Planck-Gesellschaft in den neunziger Jahren einen jährlichen Haushaltszuwachs von fünf Prozent erhalten hatte.

Diese Steigerungsrate blieb ab 2000 aus, obwohl das Programm noch nicht abgeschlossen war und viele Berufungen, kostenintensive Neubauten und Institutsausbauten ausstanden. Seit dem gleichen Jahr muss die Max-Planck-Gesellschaft zusätzliche Investitionen aufbringen, um die von der internationalen Kommission zur Systemevaluation der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Max-Planck-Gesellschaft empfohlenen Maßnahmen umzusetzen. Diese zielen beispielsweise darauf ab, Max-Planck-Institute und Universitäten enger zu verzahnen, um die Forschung an den Hochschulen zu stärken und neue Ausbildungsmöglichkeiten für den internationalen wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen. In diesen Zusammenhang wurden mittlerweile 29 International Max Planck Research Schools mit derzeit über 400 Doktoranden (davon 65 Prozent aus dem Ausland) eingerichtet. Die staatlichen Zuwendungen blieben jedoch in diesem Zeitraum - trotz der Empfehlungen der Kommission und der Zusagen von Bund und Ländern im Vorfeld der Haushaltsverhandlungen - unter dem tatsächlichen Finanzbedarf.

Strukturelle Eingriffe unvermeidbar

Verschärft wird dieses auflaufende Finanzierungsdefizit durch die Einnahmeausfälle im laufenden Haushaltsjahr. Nach der Überrollung des Budgets im Zeichen der Nullrunde fehlen der Max-Planck-Gesellschaft Einnahmen von mindestens 28 Millionen Euro in allen kommenden Jahren. Die Kumulation dieser Einnahmeausfälle im mittelfristigen Planungszeitraum lässt sich nicht allein durch die bereits für 2003 beschlossene einmalige lineare Kürzung der Institutshaushalte um vier Prozent ausgleichen. Deshalb sind strukturelle Eingriffe in das bestehende Forschungspotenzial der Max-Planck-Gesellschaft unumgänglich.

Das nun vom Senat beschlossene Konsolidierungs- und Erneuerungsprogramm soll das Ausgabevolumen der Max-Planck-Gesellschaft langfristig um rund 50 Millionen Euro pro Jahr vermindern, um Spielraum für neue wissenschaftliche Initiativen zu schaffen. Es sieht vor, Auf- und Ausbauplanungen an den Instituten zu reduzieren oder zeitlich zu strecken, Nachwuchsgruppen nicht wieder zu besetzen und vor allem: auf Nachfolgeberufungen für einzelne Abteilungen zu verzichten. Gerade bei diesen Neuberufungen hat die Max-Planck-Gesellschaft einen erheblichen Kostenanstieg von 30 bis 50 Prozent je nach Fachrichtung - zu verzeichnen. So können aus den durch vier Emeritierungen frei werdenden Ressourcen nur noch etwa drei Nachfolgeberufungen finanziert werden.

Schließung von zwölf Abteilungen und eines Instituts

In folgenden Max-Planck-Instituten (sie bestehen aus bis zu neun Abteilungen) soll bei Emeritierungen im mittelfristigen Planungszeitraum (bis 2007) auf Nachfolgeberufungen bei je einer Abteilung verzichtet werden: den Max-Planck-Instituten für Physik und Quantenoptik (München), medizinische Forschung und Kernphysik (Heidelberg) Festkörperforschung und Metallforschung (Stuttgart), neurologische Forschung (Köln), Strahlenchemie (Mülheim an der Ruhr), experimentelle Medizin (Göttingen), Psycholinguistik (Nijmegen/NL) und Radioastronomie (Bonn). Die zum Max-Planck-Institut für Limnologie (Plön) gehörende Flussstation Schlitz soll nach dem Ausscheiden des Leiters 2007 geschlossen werden. Des weiteren werden 15 Nachwuchsgruppen nach Ablauf der regulären Förderungsdauer von fünf Jahren nicht wieder besetzt.

Bei allen Maßnahmen will die Max-Planck-Gesellschaft betriebsbedingte Kündigungen vermeiden und den betroffenen Mitarbeitern Arbeitsplätze in anderen Abteilungen bzw. Max-Planck-Instituten anbieten.

Als einziges Institut soll das Max-Planck-Institut für experimentelle Endokrinologie in Hannover geschlossen werden, das derzeit aus nur einer Abteilung besteht und dessen geplante Erweiterung zu einem ausdifferenzierten Max-Planck-Institut mit drei Abteilungen auf absehbare Zeit nicht finanziert werden kann. Die betroffene Abteilung wird ihre Forschungstätigkeit am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen fortsetzen.

Neue wissenschaftliche Schwerpunkte

Durch solche Verlagerungen von Forschungspotenzialen will die Max-Planck-Gesellschaft auch neue wissenschaftliche Schwerpunkte setzen und Arbeitsmöglichkeiten von bestehenden Instituten erweitern. So hat der Senat in der gleichen Sitzung beschlossen, das Institut für psychologische Forschung in München mit dem Institut für neuropsychologische Forschung in Leipzig zum "Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften" zusammenzuführen. Es wird mit Wirkung vom 1. Januar 2004 aus den Ressourcen beider Institute entstehen und bis zum Jahr 2006 in Form von zwei Teilinstituten zunächst noch an getrennten Standorten forschen. 2006 werden die beiden Institutsteile am Standort Leipzig zusammengeführt. "Auf diese Weise entsteht ein einmaliges interdisziplinäres Zentrum, das biomedizinische und geisteswissenschaftliche Forschung vereint", erläutert Präsident Peter Gruss.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft




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