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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

04.05.2002

Mit neuem Minensuchradar in Afrika


Wissenschaftler der TU Ilmenau koordinieren zwei Minensuch-Projekte der Europäischen Union im südlichen Afrika. Eingesetzt wird eine in Ilmenau entwickelte Ultrabreitband-Radarelektronik für ein Georadar, das auch nichtmetallische Minen aufspüren soll.

Genaue Zahlen kennt niemand, aber weltweit wird die Zahl der ausgestreuten Anti-Personen-Minen (anti-personal land mines APL) auf 127 Millionen geschätzt. Die Suche nach diesen Minen ist aufwändig und gefährlich, weil sie wenig oder gar kein Metall enthalten und Metalldetektoren daher häufig oder vollständig versagen. Bei Metalldetektoren geht man beispielsweise von einer mittleren Falschalarmrate von bis zu 1:1000 aus. Das bedeutet: Ein Minensucher muss ca. 1000 Metallsplitter, Nägel, eisenhaltige Steine, Coladosen usw. mit äußerster Sorgfalt ausgraben, bis er eine Mine findet. Es gibt Minensucher, die nie eine Mine gefunden haben. Die Europäischen Union unterstützt deshalb seit einigen Jahren Forschungsvorhaben zur Entwicklung neuer Verfahren zur Minensuche.

Das Georadar ist ein solches Verfahren, mit dem versucht wird, auch nichtmetallische Minen zu finden. Das Fachgebiet "Elektronische Messtechnik" der TU Ilmenau ist Koordinator von zwei EU-Projekten mit den Bezeichnungen DEMINE und DEMAND.
Im Rahmen dieser Projekte werden neuartige Georadargeräte entwickelt und mit Metalldetektoren und Biosensoren über eine Datenfusion kombiniert. Durch die gemeinsamen Forschungen entstanden enge Kooperationen zu Hightech-Unternehmen und Instituten aus Schweden, Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, Spanien und vor allem auch zu Thüringer Unternehmen. Ebenso sind praktisch tätige Minensucher an den Projekten beteiligt, so die in Mocambique, Namibia und Angola aktive deutsche Organisation MgM - Menschen gegen Minen. Dank MgM war es den Ilmenauer Wissenschaftlern möglich, sich bereits zu Projektbeginn mit den Bedingungen der Minensuche vor Ort vertraut zu machen und zu erkunden, unter welchen Bedingungen das zu entwickelnde Hightech-Gerät seinen Einsatz finden soll.

Die von der TU Ilmenau in den Projekten zu bearbeitende wissenschaftlich-technische Aufgabenstellung besteht in der Erforschung und Entwicklung einer neuen Ultrabreitband-Radarelektronik für Georadar. Diese Arbeiten erfolgten in enger Kooperation mit der Firma MEODAT GmbH Ilmenau. Das entwickelte Georadar ist ein hochauflösendes Nahbereichsradar, das elektromagnetische Wellen mit einigen GHz-Bandbreiten in den Boden sendet, die reflektiert werden, wenn dort Objekte vergraben sind. Auf diese Weise wird es möglich, das Erdreich nach Minen oder anderen Dingen zu durchforsten.

Die entwickelte Radarelektronik basiert auf einem neuen Prinzip, das erstmalig erlaubt, ganze Messsysteme mit extremen Bandbreiten von mehreren GHz in Halbleiterchips zu integrieren. Bisher gab es dafür nur technisch unzureichende Lösungen bzw. unhandliche und teure Laborgeräte. Das neue Verfahren bringt nicht nur Vorteile für ein Minensuchradar, sondern eröffnet die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Nutzung vieler neue Sensorprinzipien. Beispiele dafür sind die Mikrowellenbilderfassung, die Impedanzspektroskopie für Medizin- und Biotechnik oder Materialuntersuchungen, die Anwendung in Überwachungs- und Positioniersystemen und vieles mehr. Aber auch die Kommunikationstechnik entdeckt die Vorteile der Ultrabreitbandtechnik, was in nationalen wie internationalen Forschungsaktivitäten zum Ausdruck kommt. Aufgrund der Erfahrungen mit dieser Technik besitzen die TU Ilmenau und die MEODAT GmbH hier eine exponierte Stellung.

Quelle: idw/Technische Universität Ilmenau




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