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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

06.02.2002

Deutsche Gesellschaft für Proteomforschung gegründet


Führende Proteomforscher und 24 Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Deutschlands internationale Spitzenstellung bei der Aufklärung der pharmarelevanten Proteinfunktionen auszubauen. "Forscher und Unternehmer haben sich jetzt formiert, damit die deutsche Proteomforschung an der Weltspitze endlich sichtbar wird und wir in Deutschland das wirtschaftliche und wissenschaftliche Potential dieser Forschungsrichtung voll ausschöpfen können", erklärte Dr. Friedrich Lottspeich, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Proteomforschung (DGPF) anlässlich des offiziellen Starts der neugegründeten wissenschaftlichen Interessenvertretung Anfang Februar in Martinsried. "Gemeinsam werden wir Großprojekte von Industrie und Forschung anstoßen und koordinieren, den Technologietransfer perfektionieren, und die Ergebnisse werden weltweit sichtbar sein!" Allein binnen der nächsten drei Jahre soll sich, nach Analysen der internationalen Unternehmensberatung Frost & Sullivan, das Weltmarktvolumen der Proteomics auf rund 6 Mrd. US-$ vervierfachen.

Ganz im Stillen hatten bereits Ende November die Proteomforscher und Unternehmensvertreter die Deutsche Gesellschaft für Proteomforschung aus der Taufe gehoben. Ihre Gründungsmitglieder kommen aus dem akademischen Bereich und aus drei Unternehmensgruppen des Life-Science-Umfeldes: kleine und mittlere Biotechnologie-Start-up-Unternehmen, etablierte Anbieter von Technologien der biochemischen Analytik und Großunternehmen der pharmazeutischen Industrie. Neben dem Präsidenten Dr. Friedrich Lottspeich, Max-Planck-Institut für Biochemie, besteht der Vorstand aus: Prof. Dr. Angelika Görg, Technische Universität München, Dr. Wolfgang Mutter, Roche Diagnostics GmbH in Penzberg, Günter Theßeling, Amersham Biosciences in Freiburg, und Prof. Dr. Helmut E. Meyer, Universität Bochum.

Auf welchem Fachgebiet ist die neue Gesellschaft tätig? Warum wurde sie gegründet und was sind ihre Ziele?

Fast alle Prozesse, die in Zellen lebender Organismen ablaufen, beruhen auf der Wirkung von Proteinen, deren Synthese von den Genen des jeweiligen Genoms gesteuert wird. Erst durch die Funktionsanalyse der Proteine kann daher das Verständnis der molekularen Grundlagen zellulärer Vorgänge soweit vertieft werden, dass diese Erkenntnisse beispielsweise zur ursächlichen Behandlung menschlicher, tierischer oder pflanzlicher Krankheiten genutzt werden können. Für die Gesamtheit aller in einer Zelle oder einem Gewebe unter definierten Bedingungen vorhandenen Proteine wurde vor wenigen Jahren der Begriff "Proteom" geprägt.

Die Zusammensetzung von Proteomen kann wichtige Informationen über den Zustand der zugehörigen Zellen oder Gewebe liefern und daher Abhängigkeiten von endogenen, das heißt aus dem Programm der Zelle selbst stammenden Einflüssen, oder exogenen, das heißt umweltbedingten Einflüssen, aufdecken. Auch die Wirkungen zugesetzter Medikamente oder Wirkstoffkandidaten bei der Entwicklung neuer Therapeutika sollten sich durch Analyse der entsprechenden Proteome auf molekularer Ebene darstellen lassen. Allerdings sind die technischen Voraussetzungen für die Proteomanalyse sehr hoch und bisher nur ansatzweise und nur einem vergleichsweise kleinen Kreis von Spezialisten auf dem Gebiet der Proteinanalytik zugänglich.

Seit kurzem sind nationale, insbesondere durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vorangetriebene, und internationale Forschungsinitiativen, etwa in Japan und den USA, auf den Weg gebracht worden, die zur Bildung von Forschungskonsortien und zur Förderung einzelner Arbeitsgruppen geführt haben. Deren Ziel ist es, Technologien für eine breit anwendbare Proteomanalytik zu entwickeln und diese dann auch in der Grundlagenforschung und für angewandte Fragestellungen einzusetzen.

Die nationale und weltweite Proteomforschung hat jetzt ein Stadium erreicht, in welchem es notwendig erscheint, die in Deutschland an verschiedenen Standorten und im Rahmen unterschiedlicher Initiativen angelaufenen Proteomik-Aktivitäten sowie die "Funktionelle und Strukturelle Genomik" unter einem Dach zusammenzuführen. Durch eine übergreifende Koordination soll eine Bündelung und optimale Nutzung der nationalen Forschungskapazitäten herbeigeführt werden, um im weltweiten Wettbewerb an führender Stelle bestehen zu können.

Anlässlich eines Koordinationstreffens, das vom BMBF zum Review der im Bereich der Proteomforschung geförderten Forschungskonsortien, Verbundprojekte und Einzelvorhaben für den 14. September 2001 nach Bonn einberufen worden war, wurde aus der Mitte der Teilnehmer zur Verbesserung der momentanen Situation die Gründung einer Deutschen Gesellschaft für Proteomforschung vorgeschlagen. Dieser Vorschlag fand spontan die breite Zustimmung einer großen Mehrheit der Teilnehmer. Ebenso wurde er vom BMBF begrüßt.
Dr. Lottspeich wurde darum gebeten, diese Initiative aktiv voranzutreiben, was nun erfolgreich in die Gründung der DGPF mündete.

—> Weitere Informationen

Quelle: idw/Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB)




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