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26.11.2002

Geplante Nullrunde gefährdet Entwicklung der Forschung in Deutschland


Der Beschluss der Bundesregierung aus der vergangenen Woche, die Haushalte der Forschungsorganisationen, darunter auch den der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit einer "Nullrunde" auf dem Stand des Jahres 2002 einzufrieren, sei eine drastische und völlig unvorhersehbare Änderung ihrer Forschungspolitik, betonte DFG-Präsident Professor Ernst-Ludwig Winnacker am Montag in Bonn. Angesichts der Teuerungsrate von derzeit ca. 2 % würde dies eine deutliche Kürzung der zur Verfügung stehenden Mittel bedeuten.

Noch im Juni dieses Jahres hatten sich Bund und Länder in der zuständigen Bund-Länder-Kommission auf eine Steigerung der Haushalte der Forschungsorganisationen geeinigt. Diesem mutigen Beschluss ging eine ausgedehnte und kritische Diskussion voraus, die von der auch damals schwierigen Finanzlage geprägt war. Dennoch hatten sich die Beteiligten auf eine antizyklische Vorgehensweise verständigt und eine Erhöhung der Haushalte der Förderorganisationen für 2003 beschlossen.

Bei der DFG würde die Umsetzung des Beschlusses eine Mindereinnahme von ca. 43 Millionen Euro bedeuten. Da die DFG Forschungsprojekte im Voraus für zwei bis drei Jahre bewilligt, sind diese Mittel längst verplant. So müsste nun eine Vielzahl von Vorhaben, darunter auch eine Reihe von Sonderforschungsbereichen, denen Gutachter wissenschaftliche Exzellenz bescheinigt haben, nicht nur Kürzungen über sich ergehen lassen; es würden auch erstklassig begutachtete Projekte ihre Arbeit erst gar nicht aufnehmen können.

Betroffen davon wären in erster Linie bis zu 2000 Nachwuchswissenschaftler, die sich für ein Studium entschieden haben und deren Diplom- und Doktorarbeiten dann nicht mehr finanzierbar wären. Es geht hier also nicht einfach um eine Nullrunde bei den Beschäftigten, die angesichts auch von der Forschungsgemeinschaft anerkannter Sparzwänge vertretbar wäre. Vielmehr könnte der genannte Personenkreis erst gar nicht eingestellt werden.

Dies wäre nicht nur ein alarmierendes Signal für all diejenigen, die sich für einen Lebensweg in der Forschung entscheiden wollen oder bereits entschieden haben; es würde die organische Entwicklung der Forschung in Deutschland gefährden. Die Förderung von Wissenschaft und Forschung ist nämlich keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft, so der DFG-Präsident.

Noch in den Koalitionsvereinbarungen hatte die Bundesregierung davon gesprochen, ihre Anstrengungen für Bildung und Forschung zu verstärken. Von dieser Linie soll nun abgewichen werden. Darüber hinaus hat am gleichen Tag, als die Forschungsorganisationen von der "Hiobsbotschaft" überrascht wurden, der amerikanische Kongress unserer Partnerorganisation, der National Science Foundation, (NSF), eine Verdopplung ihres Haushaltes in den kommenden fünf Jahren zugesagt. Ähnliche Steigerungsraten sind im Vereinigten Königreich und in vielen anderen Nachbarländern beschlossene Sache. Es ist offensichtlich, dass diese Länder nicht auf Deutschland warten wollen.

Im Ausland würde die Maßnahme der Bundesregierung als Verlust des Vertrauens in die eigene Innovationskraft wahrgenommen. Deutschland verfügt über das dritthöchste Bruttosozialprodukt der Welt; Deutschland ist Exportnation Nr. 2 und die Lokomotive Europas. Dies hätte Auswirkungen weit über die ca. 100 Millionen Euro (davon ca. 50 Millionen des Bundes) hinaus, die DFG und MPG als den sichtbarsten Trägern der Grundlagenforschung nun fehlen könnten - angesichts zahlreicher fortgezahlter Subventionen ganz anderer Dimension ein fatales Signal.

Winnacker wörtlich: "Ich fordere die Bundesregierung nachdrücklich auf, ihren Beschluss zu revidieren und stattdessen im Sinne der Zukunftsfähigkeit unseres Landes ihre Versprechungen aus den Koalitionsvereinbarungen wahr zu machen. Gleichzeitig setzen wir auf die Bundesländer, ihre antizyklische Haltung zu bewahren und sich auch in schwierigsten Zeiten für junge Menschen im Sinne der Generationengerechtigkeit einzusetzen. Die Zukunft ist in unserer Hand, aber sie ist nicht gratis zu haben."

Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)




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