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SCIRUS - For Scientific Information Only


In dieser LABO-Ausgabe wollen wir Ihnen "SCIRUS" näher vorstellen, eine mehrfach preisgekrönte Suchmaschine speziell für wissenschaftliche Fachinformationen. Betreiber des Angebots ist der Elsevier-Verlag, der über dieses hervorragende Suchwerkzeug unter anderem die Inhalte seiner zahlreichen Fachzeitschriften im "Pay per View"-Verfahren vermarkten will. Aber auch all diejenigen Nutzer, die - wie sie es von anderen Suchmaschinen wie Google und Co. gewohnt sind - kostenlos recherchieren wollen, werden von der Qualität der Suchergebnisse angenehm überrascht sein. Der recherchierbare Datenbestand umfasst neben 85 Millionen wissenschaftlichen Webseiten, 12.5 Millionen MEDLINE-Zitate, 850.000 US-Patente und 650.000 Beilstein Abstracts auch mehr als 1.5 Millionen Volltextartikel aus 1.200 Elsevier-Fachzeitschriften. Bis auf letztere ist alles kostenfrei zugänglich.

Der eigentümliche Name "SCIRUS" stammt aus der griechischen Mythologie und ist nach einem gleichnamigen Hellseher benannt. Elsevier hat diesen Namen ausgewählt, "weil die Wissenschaft eine visionäre Disziplin ist, bei der man ständig an neuen Ideen arbeitet". Spötter könnten aber auch behaupten, der seltsame Name rühre daher, dass alle aussagekräftigen Domainnamen beim Start der Seite am 01.04.2001 schon vergeben waren.

Die Startseite ist fast genau so aufgeräumt, wie man das von Google her kennt. Als zentrales Element bietet die Suchmaske der "Basic Search" die Möglichkeit, nach einem Wort oder einem zusammenhängenden Ausdruck zu suchen. Eine Einschränkung auf Webseiten oder die (kostenpflichtigen) Zeitschrifteninhalte ist ebenfalls möglich. Für die Websuche deaktiviert man einfach die Auswahlbox "All journal sources".

Wer sich mit diesen Suchmöglichkeiten nicht zufrieden geben will, dem sei der Link "Search Tips" oberhalb des Suchfensters und die "Advanced Search" ans Herz gelegt. Dort werden zahlreiche Verfeinerungsmöglichkeiten der Suche beschrieben bzw. diese können ganz einfach mit der Maus angeklickt werden. So kann die Recherche beispielsweise nur auf den Bereich "Konferenzen in der Chemie" oder "US-Patente aus dem Bereich Life Science" eingeschränkt werden. Ein echtes Highlight für Synthesechemiker und Pharmazeuten ist die kostenfreie Suchmöglichkeit in den "Beilstein Abstracts", wo man alle bibliographischen Angaben aus dem Beilstein seit 1980 recherchieren kann. Diese Datenbank ist allerdings nicht mit dem klassischen "Beilstein" zu verwechseln, da keine Struktur- und Eigenschaftssuche möglich ist und auch ältere Quellen nicht erfasst sind.

Auch in den Trefferlisten der "Basic Search" findet der Nutzer am rechten Bildrand konkrete Tipps in Form von Keywords zur weiteren Einschränkung der Suche, wie manche Leser es vielleicht schon von der Suchmaschine "Teoma" (www.teoma.com) her kennen. Außerdem kann man einzelne Treffer auch in Form eines Cookies speichern oder sogar auch per Mail versenden, beides Features, die sonst kaum eine Suchmaschine bietet.

Wirft man einen Blick auf die zugrundeliegende Suchtechnik, so wird diese von dem norwegischen Unternehmen "Fast", bekannt für die Suchmaschine "AllTheWeb" (www.alltheweb.com) bereitgestellt, die zwar nahezu so gut, aber zu Unrecht weitaus unbekannter als "Google" ist. Zusätzlich wird hier noch ein Content-Filter benutzt, der die Texte auf den erfassten Webseiten untersucht, damit auch wirklich nur wissenschaftliche Webseiten in den Index aufgenommen werden. Dies funktioniert schon erstaunlich gut, wenn auch noch so manche irrelevante Seite aufgenommen wird, aber solche Filter sind nicht einfach zu programmieren und sind momentan noch in der Entwicklung.

Erwähnenswert ist auch noch die "SCIRUS-Toolbar" (www.scirus.com/toolbar). Nutzer des Internet-Explorer unter Windows-Betriebssystemen können das Suchfenster von SCIRUS direkt in den Browser integrieren, wie es manche Leser sicher schon von der Google-Toolbar her kennen. Allerdings gibt es momentan eine Inflation solcher Tools, so dass man sich ohne weiteres das ganze Browserfenster mit zusätzlichen Leisten voll stopfen kann.

Und unter "Add Scirus to Your Website" wird detailliert beschrieben, wie man das SCIRUS-Suchfenster auf seiner eigenen Webseite einbauen kann, eine sehr intelligente Idee vieler Seiten, kostenlos Werbung zu schalten und Zugriffe zu generieren.

Abschließend stellt sich natürlich die Frage nach der Finanzierung der Seite, denn der Betrieb einer Suchmaschine ist nicht gerade billig. Elsevier hat natürlich ein hohes Eigeninteresse an der Vermarktung der eigenen Zeitschriften und sieht die Seite daher wahrscheinlich als Teil des Marketing-Etats. Daher gibt es außer einem Werbebanner am oberen rechten Bildrand keine weiteren Werbeeinblendungen auf SCIRUS, was sicher für viele Nutzer erfreulich ist.

Fazit:

SCIRUS ist ein wirklich nützliches Tool für Recherchen nach wissenschaftlichen Fach-
informationen im Internet. Dabei ist man sogar der fast allmächtigen Google-Suchmaschine in einigen Belangen überlegen, da einige Inhalte von SCIRUS dort nicht direkt recherchierbar sind (siehe Beilstein Abstracts, MEDLINE, US-Patente).

Bei all dem Lob für diese gut gemachte und schnelle Webseite mit einem sehr umfangreichen wissenschaftlichen Datenbestand ist auch diese Seite noch verbesserungswürdig. Es gibt leider nur eine englischsprachige Seite und die Inhalte sind natürlich auch auf den angelsächsischen Raum fixiert. So gibt es beispielsweise amerikanische Patente, aber keine europäischen oder deutschen. Einige fehlerhafte interne Links innerhalb des Angebots sind aber absolut unnötig und stören das gute Gesamtbild.

Dennoch ist SCIRUS sicherlich die mit Abstand beste verfügbare wissenschaftliche Spezialsuchmaschine, national gibt es zwar auch einige Anbieter, wirklich brauchbar ist aber nur die Seite "http://www.forschungsportal.net", die allerdings nur die Homepages aller deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen erfasst und damit einen weitaus kleineren Datenbestand als SCIRUS hat.

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