18.10.2018

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart

Aloe-Blätter - Die Selbstzubereitung von Aloe-Gel im Haushalt birgt Risiken und erfordert große Sorgfalt

Dr. Christine Lerch, Thomas Kapp, Thea Baumgart, Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart



Im Einzelhandel und im Internet werden ganze Blätter von Aloe Arborescens und Aloe Vera angeboten. Das Spektrum der Zubereitungshinweise beider Aloe Species ist breit: von der unkritischen Empfehlung des Direktverzehrs bis zu detaillierten Anweisungen zur Zubereitung des gelartigen Blattinneren.

Gemäß einem beigefügten Zubereitungshinweis sollen die grünen äußeren Blattteile aufgrund ihres bitteren Geschmacks und der abführenden Wirkung gründlich entfernt werden. Zur Gewinnung des inneren Blattgels soll das Blatt in Streifen geschnitten, das Gel herausgetrennt und vor dem Verzehr mit Wasser abgespült werden. Als tägliche Verzehrmenge werden 100 g Gel empfohlen. Ein Versuch am CVUA Stuttgart von 2017 zeigt, dass trotz Einhaltung dieser Verwendungshinweise unter haushaltsüblichen Bedingungen das Risiko besteht, dass hohe Mengen an toxikologisch bedenklichen Stoffen aus der Klasse der sogenannten "Anthranoide" aus der äußeren Blattschicht in das verzehrfertige Blattgel gelangen können. Anthranoide (auch: Anthrachinone) wie Aloin A und Aloin B sind pflanzliche Stoffe, die außer in Aloeblättern u.a. auch in Sennesblättern und Medizinalrhabarber Wurzeln vorkommen

Die bitter schmeckenden Stoffe liegen in der Oberschicht des Aloe-Blattes konzentriert vor. Ein gelbes Sekret, das von Gefäßbündeln ("Latexschicht") unterhalb der grünen Blattrinde abgesondert wird, enthält besonders hohe Mengen an Aloin. Bei der industriellen Herstellung von Aloe Vera Blattgel wird die aloinhaltige Blattoberschicht aus diesen Gründen sorgfältig abgetrennt und das gewonnene Blattgel gegebenenfalls weiter technologisch behandelt, um die Anthranoide abzutrennen.

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