07.02.2019

Wollen Sie auch Ihre Visitenkarte aufwerten?


Doktor-Urkunde
Quelle: Pixabay [CC0]
Feelgood Hero, Corporate Culture Officer, Chief Happiness Officer, Vibe Manager oder Chief Evangelist sind nur einige kreative neue Jobtitel, die seit der Internet-Revolution unsere Signaturen und Visitenkarten schmücken.

Es gibt ja auch schon längst keine Hausmeister-/innen, Putzfrauen/-männer oder Sekretäre/-innen mehr, weil das einfach zu gewöhnlich klingt. Wir nennen diese Leute heute Facility Manager, House Keeper oder Team Assistenten und versehen das ganze vielleicht noch mit einem Junior, Senior oder Chief davor.

Wer selbst noch nach einem kreativen Türschild sucht, sollte vielleicht den Jobtitel-Generator von Spiegel Online benutzen, um etwas Einzigartiges und Cooles zu finden.

Während bei der Berufsbezeichnung unbegrenzte Freiheit für kreative Wortschöpfungen besteht, gibt es bei den akademischen Graden einige Restriktionen. Für ein Diplom, einen Bachelor und einen Master musste bzw. muss man ein paar Jahre Studium und Arbeit auf sich nehmen und Prüfungen absolvieren.

Beim akademischen Doktor-Grad wird es schon etwas knifflig: es gibt durchaus zweifelhafte Universitäten, bei denen man für ein paar Tausend Euro relativ leicht einen Doktortitel erwerben kann, wie beispielsweise unser aktuell amtierender Verkehrsminister, der diesen Titel aber nur in den Bundesländern Bayern und Berlin führen darf. Und den Dr. h.c. kann jeder beliebig oft verliehen bekommen. Ich wüsste gerne, wie viele unsere Bundeskanzlerin in ihrer langen Amtszeit schon angesammelt hat.

Besonders kreativ bei der Vergabe von Titeln sind unsere südlichen Nachbarländer, in denen man beispielsweise den "Brennerdoktor" machen kann, und wo Titel nach meinem Empfinden einen noch höheren Stellenwert als in Deutschland haben. Von Adelstiteln, die jeder frei erfinden kann, will ich gar nicht reden ...

Letztlich ist gegen all das auch wenig einzuwenden, wenn sich die Träger dadurch besser und gewertschätzter fühlen. Etwas peinlich wird es aus meiner Sicht nur, wenn Wissenschaftler ihre Mails mit "Prof. Prof. Dr.-Ing. Dr., Dr. h.c. mult., Dipl.-Ing, Dipl.-Chem." unterschreiben. Will der Träger eigentlich genauso von Studenten, in Briefen oder bei Telefonaten angesprochen werden?

Als "Betroffener" finde ich, dass ein Doktor-Titel einem vielleicht etwas mehr Respekt einbringt, manchmal aber auch eine unerwünschte Distanz insbesondere zu jüngeren Menschen aufbauen kann. Am wertvollsten ist er übrigens bei Arztbesuchen, da der Arzt sich dann immer besonders bemüht, einem den Befund möglichst genau zu erklären!

Ein sehr schönes Zitat zu diesem Themenbereich stammt von dem vielfachen Buchautor und Aphoristiker Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger, der neben einer Professur und einem Doktor-Titel sicher auch schon einige h.c.'s angesammelt hat und daher weiß, wovon er spricht, wenn er sagt:

Auch für Titel gilt: Das Etikett sollte nicht größer sein als die Flasche.
Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger (*1939)

» Mach mich wichtig, Jobtitel-Maschine!

» Wikipedia-Eintrag Brennerdoktor

» Homepage von Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger

Autor: Dr. Torsten Beyer


» Kommentieren