05.04.2018

Bitte recht freundlich!


Haben Sie heute schon in mürrische Gesichter geblickt?

Die meisten Pendler kennen das Problem: Ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, muss man sich oft durch drängelnde Menschentrauben schieben, hier ein Ellbogen in der Seite, dort ein Rempler in den Rücken - Entschuldigungen? Fehlanzeige! Ist man mit dem Auto auf den meist überfüllten Einfallstraßen in die Städte unterwegs, wird nicht minder gedrängelt. Fährt man beim täglichen Stau nicht in die Kreuzung hinein, sondern bleibt ordnungsgemäß davor stehen, wird nicht selten gehupt oder der Hintermann übt sich in unfreundlichen Gesten. Erfahrungsgemäß kommt der Schubser oder Drängler aber auch nicht eher ans Ziel.

Auch im weiteren Alltag gibt es diese Situationen nicht selten. Mürrische Gesichter auf dem Büroflur, ein nörgelnder Gesprächspartner am Telefon, der missmutige Typ hinter oder vor einem in der Warteschlange der Supermarktkasse oder die genervte Kassiererin; zum Abschluss des Tages vielleicht noch die gestresste Servicekraft beim Geschäftsessen...

Haben Sie heute schon gelächelt? - Freundlichkeit setzt sowohl bei uns, als auch bei unserem Gegenüber das so genannte "Kuschelhormon" Oxytocin frei, das unser Wohlbefinden steigert.

Auch wenn Sie keinen ausgewiesenen Grund dazu haben: Einfach mal an etwas Schönes denken, die Mundwinkel nach oben bemühen und freundlich dreinschauen. Machen Sie doch mal den Test, wie viel freundlicher Ihr Gegenüber in der S-Bahn zurückschaut, wenn Sie ihn anlächeln. Oder wie viel angenehmer es sich über den Büroflur läuft, wenn man die Kollegen freundlich grüßt, statt ihnen nur ein Kopfnicken zu widmen. Versuchen Sie doch die nächste Reklamation mit einem freundlichen Telefonat oder Anschreiben zu erledigen. In der Regel klappt die Kommunikation dann reibungsloser und schneller.

Wenn wir irgendetwas unterschätzen in unserem Leben, dann ist es die Wirkung der Freundlichkeit.
Marc Aurel (121-180)
wird der römische Kaiser Marc Aurel zitiert, einem Vertreter der Stoa, der philosophischen Weltanschauung, der die Zufriedenheit und der Gleichtakt der Seele zugrunde liegen.

Freundlichkeit wirkt allerdings nicht, wenn sie aufgesetzt ist - es bedarf einer entsprechenden inneren Haltung. Aufgesetztes Dauergrinsen wird vom Gegenüber schnell entlarvt. Sie sollte auch nicht mit "Einschleimen" oder Unterwürfigkeit verwechselt werden. Ein gutes Selbstwertgefühl und -bewusstsein sind ebenso wichtige Parameter der Freundlichkeit, wie die Wertschätzung des Gegenübers.

Und wenn Ihnen doch mal "der Kragen platzt", nehmen Sie es gelassen. Zählen Sie bis zehn und stellen Sie fest, dass der Anlass in den meisten Fällen die Aufregung gar nicht wert ist.

» Freundlichkeit üben

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Autor: Anke Fähnrich


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