07.02.2018

Forschung vs. Wirtschaft


Immer wieder gehen Berichte über Forschungsergebnisse durch die Medien, die kontrovers diskutiert werden: Wie verhält es sich mit der hormonellen Wirksamkeit von Bisphenol A? Ist Glyphosat nun krebserregend oder nicht? Aktuell geht die Empörung über Tier- und Menschenversuche zur Schädlichkeit von Stickoxiden und die Aussagekraft der Ergebnisse durch alle Nachrichten.

Je nachdem, wer eine Studie oder Forschungsarbeit in Auftrag gibt - ist es eine Umweltorganisation oder ein Industrieunternehmen - kann man die Ergebnisse meist schon vorab erahnen. Auch die Interpretation eigentlich neutraler Messwerte kann je nach Bedarf und getreu dem Motto "Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!" sehr unterschiedlich ausfallen. Dem so genannten "Otto Normalverbraucher" ist es damit schier unmöglich, sich ein objektives, reales Bild zu einer Sachfrage zu machen.

Die Finanzierung von Forschungsvorhaben war schon immer problematisch. Nur wenige haben oder hatten den (eigenen!) finanziellen Background, dass fröhlich drauf los geforscht werden konnte, ohne auf die Kosten zu achten. Heutzutage, wo an Universitäten und Instituten nicht zwingend ein großes Forschungs-Budget, aber immer bessere dafür auch sehr kostenintensive Analysegeräte zur Verfügung stehen - bzw. gestellt werden - und sich amortisieren müssen, ist die Finanzierung nicht einfacher geworden.

Auf den Punkt gebracht: je stärker die Lobby, desto mehr Geld steht zu Verfügung, und desto umfangreicher können Forschungsaufträge vergeben werden.

Kann man es den Forschenden verdenken, wenn sie nicht in "die Hand beißen, die sie füttert", soweit es sich vermeiden lässt? Soll man Umwelt- oder Verbraucherverbände kritisieren, die auch homöopathische aber möglicherweise doch gefährliche Schadstoffmengen in Umwelt und Nahrung anprangern? Kann man es Journalisten übel nehmen, wenn Sie sich dankbar auf ein skandalträchtig anmutendes Forschungsergebnis stürzen oder Ergebnisse unzulässig vereinfachen bzw. wesentliche Aspekte einfach weglassen, um die Auflage bzw. Klickzahlen zu erhöhen?

Ich denke, hier ist jeder selbst gefragt, sich umfangreich und aus verschiedensten Quellen zu informieren. Je komplexer das Thema und je weniger tief man darin verwurzelt ist, desto schwieriger wird es natürlich, die "richtigen" Fakten heraus zu filtern.

Wünschenswert wäre eine unabhängige, rein auf wissenschaftliche Erkenntnisse ausgerichtete Forschung ohne politische Färbung oder Geldgeber, die die Zielrichtung einer Studie bereits bei der Vergabe vorgeben. Das wäre eine Forschung, wie schon der Chemiker Carl Bosch - Mitentwickler des Haber-Bosch-Verfahrens zur Ammoniak-Synthese und Vorstandsvorsitzender der I.G. Farben - sie gerne gehabt hätte:

Wahre Erfolge sind in der Forschung nur zu erwarten bei völliger Souveränität innerhalb des Arbeitsgebietes.
Carl Bosch (1874-1940)
Auch er hatte große Schwierigkeiten, sich gegen die Lobbyisten und Geldgeber seiner Zeit, die Nationalsozialisten, zu behaupten. Und auch ihm ist es nicht wirklich gut gelungen.

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Autor: Anke Fähnrich


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