06.12.2018

Doping, Leistungssport und Geld - ein verhängnisvolles Dreieck


Viele Sportarten, in denen es überwiegend auf Muskelkraft ankommt - sei es nun Radrennen, Gewichtheben, Ski-Langlauf oder Leichtathletik - stehen seit vielen Jahren im Verdacht, dass es mit ehrlichen Mitteln nicht möglich ist, Siege bei wichtigen Events wie beispielsweise den Olympischen Spielen zu erzielen. Aber auch andere Sportarten wie beispielsweise Fußball stehen immer wieder im Verdacht, dass auch hier mit unlauteren Mitteln versucht wird, sich einen Vorteil zu verschaffen.

Die Jagd nach unerlaubten Dopingmitteln ist heutzutage nur mit aufwändiger Hightech-Analytik möglich, wobei die Kontrollverfahren naturgemäß immer den eingesetzten Dopingmitteln ein paar Jahre hinterherhinken.

Das führt dazu, dass man Medaillengewinner bei Olympischen Spielen heute in etlichen Disziplinen nur noch mit Vorbehalt zur Kenntnis nehmen kann, da nicht wenige Sieger ihre Medaillen wieder abgeben müssen - manchmal nach mehreren Jahren. Wirklich sicher können sich Betrüger durch die moderne Analytik heute fast nur noch dann sein, wenn sie - wie in Russland nachweislich geschehen - systematisch Urinproben manipulieren, wobei man diese Lücke bei staatlich angeordneten Dopingprogrammen nur sehr schwer schließen können wird. Gerade für autoritäre Systeme bedeuten Medaillen Anerkennung, wie wir auch aus eigener Erfahrungen in der DDR nur zu gut wissen, wobei natürlich auch in der BRD damals systematisch betrogen wurde.

Nur frage ich mich, ob der immense Aufwand, verbunden mit immer höheren Kosten pro Analyse, für die Suche nach unerlaubtem Doping überhaupt noch berechtigt ist, da man ja sowieso immer nur Stichproben durchführen kann und das internationale Dopingkontrollsystem je nach Land sehr lückenhaft ist. Und eine Definition, was Doping überhaupt ist, wird immer schwieriger, weil die Doping-Methoden immer aufwändiger werden wie das Beispiel der Blutwäsche illustriert.

Ich schaue mir daher solche Sportarten im Fernsehen nicht mehr an, da es meines Erachtens keinen fairen Wettbewerb gibt. Wenn es letztlich immer nur um Geld und Sponsorenverträge oder Legitimation von autoritären Systemen geht, kann dieser Sumpf eigentlich nur durch Entzug von Aufmerksamkeit und damit Geld ausgetrocknet werden. Dann wird Doping und die damit verbundenen negativen gesundheitlichen Folgen für die teilweise immer noch unwissenden Sportler viel weniger interessant als heute. Aber das ist ein nur frommer Wunsch, wie die ARD mit ihrem temporären Boykott der Übertragung der Tour de France bewiesen hat. Heute wird wieder in aller Breite, durch jedermanns Rundfunkgebühren finanziert, in epischer Breite darüber berichtet, weil es die Konsumenten und Sponsoren so wollen...

Der bekannte Mediziner, Aphoristiker und vielfache Buchautor Gerhard Uhlenbruck bringt das Thema - wie ich finde - mit seiner spitzzüngigen und provokativen Art aus "Mittätersicht" sehr schön auf den Punkt:

Sportärzte sind wie Alchemisten. Sie versuchen, olympischen Geist mit Hilfe der modernen Medizin in Gold zu verwandeln.
Gerhard Uhlenbruck (*1929)

» Doping-Analytik: Überblick (Deutsche Sporthochschule Köln)

» Schwarzbuch Doping: Methoden, Mittel, Machenschaften

» Bücher von Gerhard Uhlenbrock

Autor: Dr. Torsten Beyer


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