11.10.2018

Wer sein Wissen nicht teilt, verliert!


Einer der größten Produktivitätskiller in Unternehmen aller Größe ist neben fehlender Motivation der Mitarbeiter der Aufbau von "Herrschaftswissen". Dies geschieht oft in dem (Irr)Glauben, dass man sich so unentbehrlich machen oder solches Wissen vielleicht bei der nächsten Teamsitzung oder Besprechung für sich gewinnbringend einsetzen kann.

Leute, die "Karriere machen", wie es so schön heißt, sind oft wahre Meister im Einsatz solcher Mittel, obwohl dabei auch oft verbrannte Erde und verärgerte / demotivierte Kollegen zurückbleiben oder das Arbeitsklima zerstört wird. Viele "innere Kündigungen" beruhen sicherlich auch auf solchen Vorgängen.

Im Umkehrschluss sollte daher jedem Vorgesetzten daran liegen, ein Klima zu schaffen, in dem Wissen geteilt und zum Vorteil aller eingesetzt wird. Zu diesem Thema könnte man sicher zahlreiche Aphorismen zitieren, wobei man mit dem folgenden schönen Zitat des US-amerikanischen Software-Entwicklers Eric Raymond einen guten Bogen zur Chemie spannen kann:

Alchemisten wurden zu Chemikern, als sie ihre Geheimnisse teilten.
Eric S. Raymond (*1957)

Ein Grundsatz der Alchemisten im Mittelalter war ein striktes Schweigegelübte gegenüber Außenstehenden, was ihre Kenntnisse und Untersuchungen anging. Das ging sogar so weit, dass sie sich untereinander in einer Geheimsprache unterhielten, damit nichts an Außenstehende gelangen konnte.

Doch erst als die Alchemisten ihre Kenntnisse offenlegten, untereinander diskutierten und sich so gegenseitig inspirierten, konnte die Chemie als Wissenschaft mit allen Errungenschaften für unsere moderne Wohlstandsgesellschaft entstehen. Als Urvater der modernen Chemie wird oft Antoine Laurent de Lavoisier genannt, der durch seine Experimente unter anderem die Phlogiston-Theorie widerlegte. Es ist tragisch, dass ein so kluger Kopf im Zuge französischen Revolution unter anderem wegen eines Diskurses mit einem Alchemisten durch die Guillotine endete. Das passiert heute glücklicherweise niemandem mehr.

Das Zitat sollte ein Lehrbeispiel für alle sein, die immer noch denken, dass es ein großer Fehler ist, sein Wissen mit anderen zu teilen. Im immer schärfer werdenden globalen Wettbewerb und mit zunehmender Spezialisierung und Komplexität der Fragestellungen können Unternehmen mit solcher Firmenkultur langfristig nicht überleben.

» Mehr über Eric S. Raymond

» Mehr über die Geschichte der Alchemie

» Mehr über Antoine Laurent de Lavoisier

Autor: Dr. Torsten Beyer


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anonym09.11.2018 um 11:37:52

Wissen ist nur hinderlich... Glauben ist heute das Zentrum des Managements...

Da dürfen dann Aussagen nicht hinterfragt werden... man muss glauben, dass das wahr ist...

Meist zerfallen die Äußerungen in eine Beobachtung und eine Vermutung über die Ursache. Schon die erste Frage: wurde da richtig beobachtet?, darf nicht gestellt werden... Wenn der Kollege links eine Maus sieht, dann ist da links eine Maus - per Definition, auch wenn der Rand links 200° heiß ist und das Tier nicht überleben kann... man hat links eine Maus zu suchen. Wenn der Kollege sagt, dass links eine Maus ist, weil die sich vor dem Bild der Katze rechts fürchtet, dann ist das so... nicht anzweifeln...

Wenn der Kollege den Schlüssel, den er verloren hat, im Schein der Lampe sucht, weil da das Licht besser ist als um die Ecke, wo es geklimpert hat... mit suchen, nicht anzweifeln...

Wissen sorgt nur dafür, dass bei dir das Licht heller ist, also liegt der Fehler bei dir, denn man sucht dort, wo helles Licht ist... auch wenn es andernorts geklimpert hat...

Wissen wird beim Karrieremachen überbewertet! Nur wer arbeitet macht Fehler und wer entweder keine oder viele Fehler macht wird befördert... der eine wegen Unfehlbarkeit, der andere wegen Fleiß...

Willst du Karriere machen, mache nichts oder viel Mist!




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