04.10.2018

Gift oder kein Gift? - Das ist hier die Frage


Glyphosat, Fibronil, Feinstaub, Mikroplastik, synthetische Nanopartikel... die Liste an Schadstoffen und Umweltgiften, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, kann ohne großen Rechercheaufwand beliebig lang weitergeführt werden. Kaum eine Woche vergeht, an dem nicht ein neuer Umwelt- oder Lebensmittelskandal die Medien beschäftigt.

Nun, als Naturwissenschaftler kennt man sich in der Materie meist ein bisschen aus und kann die eine oder andere Nachricht großzügig als "Panikmache" verwerfen und es mit dem schweizerisch-österreichischen Arzt, Alchemist und Philosophen Paracelsus halten, der so zitiert wird:

Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift wird.
Theophrastus Bombast von Hohenheim "Paracelsus" (vermutlich 1494-1541)
Die wissenschaftlichen Analysenmethoden sind mittlerweile tatsächlich so weit ausgereift, dass Schadstoffnachweise im ppt-Bereich und darunter möglich sind. Für Nichtwissenschaftler grob übersetzt heißt das, dass die Möglichkeit besteht, in 10 Güterwaggons voller Weizenkörnern das einzige Roggenkorn zu finden. Manchmal sollte man sich dann überlegen, ob es tatsächlich notwendig ist, in diesem Spurenbereich zu ermitteln und ein neues mediales "Fass aufzumachen".

Nichtsdestotrotz darf man nicht darüber hinweg sehen, dass die Schadstoffbelastung unserer Umwelt ein Problem ist. Wobei man bei vielen Stoffen noch gar nicht weiß, wie sie sich langfristig in den Ökosystemen verhalten werden. Was heute als unbedenklich gilt, könnte sich in einigen Jahren, vielleicht auch erst Jahrzehnten, als prekär herausstellen. Asbest, DDT oder auch FCKW sind Beispiele jahrelanger Verwendung zunächst hochgelobter Stoffe (für die Entdeckung der Wirkung von DDT erhielt Paul H. Müller im Jahre 1948 den Nobelpreis für Medizin), die sich im Nachhinein als große Belastung für nachfolgende Generationen herausstellten. Glyphosat könnte das nächste werden - und wer weiß heute schon, wie synthetische Nanopartikel, Mikroplastik oder genetisch veränderte Organismen uns oder nachfolgende Generationen belasten werden?

Immerhin gibt es Förderprogramme, die dahingehende Forschungen unterstützen. So wurden von der Europäischen Kommission aktuell etwa 74 Millionen € zur Finanzierung der europäischen Human-Biomonitoring-Initiative (HBM4EU) bereitgestellt, um Daten über die Belastung der Bevölkerung mit unterschiedlichen Chemikalien-Gruppen zu untersuchen.

Ich finde es allerdings fraglich, dass nicht bereits im Vorfeld vermieden wird, diese Stoffe überhaupt in die Umwelt einzubringen. Aber hier spielen wirtschaftliche Interessen die ausschlaggebende Rolle. Viele der Substanzen dienen der Ertragsteigerung auf Feldern und der Gewinnmaximierung der Konzerne. Dienen aber letztendlich auch dazu, unsere Konsumbedürfnisse zu stillen.

Und hier schließt sich der Kreis: wenn ich zukünftig weniger Meldungen über immer neue Lebensmittel- und Umweltskandale hören und lesen möchte, muss ich in meinem persönlichen Umfeld das möglichste tun, um dies zu verhindern. Dazu gehört auch, auf angenehme Gewohnheiten zu verzichten und weniger bequeme Alternativen zu wählen. Sicher kann ich damit nicht die Welt retten. Aber vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen. Wie es schon in einer als Kinderlied vertonten afrikanischen Weisheit heißt: "Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern."

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» Link zur europäischen Human-Biomonitoring-Initiative

Autor: Anke Fähnrich


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