16.08.2018

Mailanlagen: Fluch und Segen?!


Nicht alle werden wissen, dass die erste E-Mail bereits im Jahr 1971 verschickt worden ist. Der im Jahr 2016 verstorbene US-amerikanische Informatiker Raymond Samuel Tomlinson gilt als Erfinder dieses im Prinzip äußerst nützlichen Internet-Dienstes. Er war es auch, der das kaufmännische @ als Trennzeichen zwischen dem Namen und der Domain einführte.

Anfangs bestanden E-Mails nur aus reinen ASCII-Zeichen, selbst Umlaute waren nicht möglich. Erst die Einführung des MIME-Standards (Multipurpose Internet Mail Extensions) Anfang der 1990er Jahre ermöglichte die Verwendung von Umlauten, Anlagen aller Art (und damit auch Viren) und Verschlüsselung. Erst damit wurde die E-Mail zu der Killerapplikation des Internets und revolutionierte die Kommunikation nicht nur in der Geschäftswelt. Alleine 2018 werden nach einer Prognose 181 Milliarden Mails versendet werden, das sind für jeden Erdenbürger ca. 27 pro Tag! Leider findet man keine Prognose, wie viele Mails davon überflüssig oder unprofessionell mit unnötigen Anlagen versendet werden. Der Anteil von Spam-Mails in Unternehmen liegt laut statista bei ca. 55 Prozent.

Neben Viren und Spam-Mails sind unbedacht angehängte Mailanlagen eine wahre Pest und in meinen Augen oft auch digitale Umweltverschmutzung. Insbesondere, wenn Serienmails (z.B. Presseaussendungen) die Schallmauer von 10 MByte überschreiten, weil Texte zu umfangreich sind und Bilder eine unnötig hohe Auflösung haben. Aber der Mailversand kostet ja in Zeiten von Flatrates nichts mehr - nur Zeit und vielleicht Nerven bei Empfängern mit nicht so schnellen Zugängen. In Zeiten volumenbasierter Zugänge am Anfang der 2000er Jahre, wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, übergroße Anhänge zu versenden, sondern hätte lieber Links zu den Dokumenten in seine Mail eingebaut, mit deren Hilfe der Empfänger die Daten bei Bedarf herunterladen konnte. Heute ist das mit Cloud-Lösungen technisch alles noch viel einfacher geworden.

Wir selbst haben eine Obergrenze von 20 MByte pro Mail eingeführt, da es wirklich Spezialisten gab, die durch das Einbinden eines viel zu großen Bildes in ein zweiseitiges Word-Dokument eine Dateigröße von 25 MByte erreicht haben. Das ist aus meiner Sicht unprofessionell, völlig unnötig und offenbart fehlende digitale Kompetenz. Nicht nur bei einer Online-Bewerbung bringt so etwas inzwischen Minuspunkte ein.

Daher ist das folgende Zitat einer meiner absoluten Favoriten in der täglichen Arbeit, und ich würde mir wünschen, dass viele Absender etwas mehr nachdenken, bevor sie andere mit völlig unnötigen und zumeist sogar überflüssigen Mailbomben traktieren:

Apropos Mails: Wehret den Anhängen!
Peter E. Schumacher (1941-2013)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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