02.08.2018

Fake Science - so wird Wissenschaft unglaubwürdig!


Die Ausdrücke "Fake News" und "alternative Fakten" sind ja inzwischen Dank des aktuellen amerikanischen Präsidenten in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Noch weniger bekannt ist der Skandal um Fake-Konferenzen und Fake-Journals (oder vornehmer ausgedrückt "Predatory Publishing"), der kürzlich in einer sehenswerten Dokumentation in der ARD zu sehen war (siehe Mediathek, verfügbar bis 23.07.2019).

Unter dem Druck, dass nur der Karriere an Hochschulen machen kann, der möglichst viele Veröffentlichungen vorzuweisen hat und dass die klassischen Fachzeitschriften hohe Ablehnungsquoten haben, ist ein Sumpf aus dubiosen Verlagen und Anbietern im Umfeld des eigentlich sehr sinnvollen Open Access-Ansatzes entstanden, der viele Fragen aufwirft.

Dies ist für die wissenschaftliche Community eine wirkliche Schande, weil hier offenbar sämtliche Selbstreinigungs- und Kontrollmechanismen versagt haben. Wenn angeblich mehr als 5.000 Wissenschaftler deutscher Hochschulen bei scheinwissenschaftlichen Verlagen publiziert und dafür teilweise tausende von Euro bezahlt haben, kann man leider nicht mehr von Einzelfällen sprechen. Immerhin haben erste Hochschulen Konsequenzen gezogen und finanzieren solch dubiose Publikationen und Reisen zu Konferenzen nicht mehr.

Der Zwang zu Publizieren oder die persönliche Karriere darf aber kein Argument dafür sein, das Internet mit teilweise haltlosen Studien und Falschmeldungen zu fluten, die nur ein Fachmann als fehlerhaft oder falsch erkennen kann, weil sie total seriös aussehen und aufgemacht sind.

  • Wie kann es sein, dass es solche Veröffentlichungen teilweise ohne jegliche Review Verfahren in wissenschaftliche Studien schaffen oder für Lobbyarbeit von Parteien und Unternehmen großflächig eingesetzt werden?
  • Warum veröffentlichen sogar renommierte Forschungseinrichtungen und Unternehmen dort?
  • Warum schaut niemand genau hin, wenn sonderbare Zeitschriften und Konferenzen in Publikationslisten auftauchen, die kein Mensch kennt?
  • Wieso gibt es keinen Aufschrei, wenn deutsche Forscher für solche weitgehend sinnlosen Veröffentlichungen Steuer- und Forschungsgelder verschleudern?

Es gibt umfangreiche Listen dubioser Verlage und Konferenzanbieter. Die bekannteste davon stammt von dem Bibliothekar Jeffrey Beall von der University of Colorado in Denver, der die Szene seit 2010 beobachtet. Beall's List ist eine "schwarze Liste", die teilweise allerdings selbst in der Kritik steht. Andere Ansätze befürworten die Aufstellung einer "weiße Liste" seriöser Anbieter. Auf jeden Fall lohnt es sich, genau hinzuschauen, wo man im Online-Zeitalter etwas veröffentlicht.

Und an all die Wissenschaftler, die es sich einfach machen wollen, ihre Publikationslisten aufzupolieren, sei folgender Hinweis gerichtet:

Die wahre Größe eines Wissenschaftlers erkennt man nicht an der Anzahl seiner Veröffentlichungen, sondern daran, wie oft er zitiert wird.
Gerrit Raschke (*1975)

Vielleicht sollte man noch ergänzen: "und von wem". Denn es ist auch ein Prinzip, dass viele dieser halbwissenschaftlichen Publikationen sich fleißig untereinander zitieren, um Seriosität und Glaubhaftigkeit vorzugaukeln.

» Wikipedia - Predatory Publishing

» Beall's List of Predatory Journals and Publishers

» Choose the right journal for your research

Autor: Dr. Torsten Beyer


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Dr. Richard Bolek31.08.2018 um 14:06:47

Die fünftausend Artikel in scheinwissenschaftlichen Zeitschriften sind doch nur die Spitze des Eisbergs. Jeder, der in der Wissenschaft tätig ist, kennt doch die Mechanismen mit denen versucht wird, alles in ein publikationsfähiges Produkt umzuformen. Unabhängig von der Qualität. Und wenn man den Umgang der etablierten Journals mit Retractions betrachtet, sind die nicht wesentlich besser.

Und alle sind sich einig, dass das Prinzip der Maximierung des Publikationsoutputs der Wissenschaft schadet. Aber keiner möchte der erste sein, der es lässt.




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