28.06.2018

Wider den täglichen Arbeitstrott


Und täglich grüßt das Murmeltier: wir gehen zur Arbeit und erledigen unsere Aufgaben nach dem immer gleichen Muster. Das ist irgendwann bequem, weil man eine bestimmte Routine bekommt und bei manchen Dingen fast gar nicht mehr nachdenken muss, um sie zur Zufriedenheit der Kollegen und Vorgesetzten zu erledigen. Das kann das Ansetzen von Lösungen im Labor, die Vorbereitung einer Probe für die nachfolgende Analyse in einem ICP-MS-Spektrometer oder für uns der Versand der wöchentlichen Newsletter sein.

Oft erledigen unseren Job ohne zu merken, dass manches vielleicht einfacher ginge oder optimiert werden könnte, um Zeit oder Ressourcen zu sparen. Generell ist es daher sinnvoll von Zeit zu Zeit die Abläufe zu hinterfragen, auch wenn es viele im Labor oder Büro nicht tun. Das ist dann der berühmte "Dienst nach Vorschrift", der auch das Risiko minimiert, mit neuen Ideen bei Kollegen oder Vorgesetzten anzuecken. Fehler zu machen oder sogar zuzugeben ist in unserer Gesellschaft leider immer mehr verpönt, sodass man lieber nichts riskiert und alles wie immer macht.

Kluge Vorgesetzte haben ein offenes Ohr, was den einzelnen in seiner täglichen Arbeit bewegt und sollten ihre Mitarbeiter auch ermuntern, Verbesserungsvorschläge ohne Scheu vorzubringen, auch wenn sie vielleicht nicht praktikabel sind oder andere Dinge entgegenstehen, die der Mitarbeiter so gar nicht auf dem Radar haben kann.

Wichtig ist es, solche Ideen überhaupt zu haben und sie intern zuzulassen, denn nur so entstehen Innovationen und Verbesserungen, die letztendlich für zufriedenere und motiviertere Mitarbeiter sorgen, wenn sie in die Abläufe einbezogen werden. Leider läuft es oft anders, wenn von oben einfach nur etwas vorgegeben wird, das in der Theorie vielleicht gut klingt, in der Praxis aber nicht umsetzbar ist oder keine Verbesserung der Abläufe bringt.

Der berühmte deutsche Arzt und Pathologe Dr. Rudolf Virchow machte sich Zeit seines Lebens sehr viele Gedanken und revolutionierte so die Medizin und die Vorstellungen über Hygiene fundamental. Seine umfangreiche Sammlung im Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité, die ich kürzlich im Rahmen der 25. Jahrestagung des VUP besuchen konnte, ist auf jeden Fall einen Besuch (mit Führung!) wert. Auf ihn geht übrigens auch der Begriff des "Kunstfehlers" in der medizinischen Praxis zurück. Virchow bringt das oben beschriebene Problem wie ich finde sehr schön auf den Punkt:

Es wird ja fleißig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es müsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben.
Rudolf Virchow (1821-1902)

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Autor: Dr. Torsten Beyer


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