31.08.2017

Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal!


Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin und bekannt durch ihre psychologischen Erzählungen, wird mit den Worten zitiert:

Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)
Vor dem geschichtlichen Hintergrund betrachtet, einer Zeit, in der Mädchen und Frauen es deutlich schwerer hatten, Bildung zu erlangen oder gar Karriere zu machen, war diese Lebenseinstellung sicher hilfreich. Sich über die widrigen Umstände aufzuregen oder zu ärgern nutze seinerzeit sicher wenig bis gar nichts. Durch Beharrlichkeit (und Gelassenheit?) gelang Marie von Ebner-Eschenbach im Jahr 1880 schließlich der Durchbruch als Schriftstellerin. 1900 wurde ihr als erster Frau an der Universität Wien der Ehrendoktortitel verliehen.

Im Kontext der heutigen Zeit ist das Zitat nicht weniger von Bedeutung. Immer wieder gibt es Situationen, die zum Haare raufen sind: Unstimmigkeiten im privaten oder beruflichen Umfeld oder Situationen, in denen man sich ungerecht behandelt oder übervorteilt fühlt. Im Labor ist es vielleicht der misslungene Versuchsansatz, oder ein fehlinterpretiertes Ergebnis. Lebte Marie von Ebner-Eschenbach in unserer Zeit, so wäre ihr Sinnspruch wahrscheinlich "Aufstehen, Krone richten, weiter geht's!".

Wichtig ist, dass man sich bewusst ist, dass in der Regel weder ein cholerischer Tobsuchtsanfall noch Selbstmitleid oder Verzagen angebracht ist, wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir sie gerne hätten. Besser ist in diesem Fall, statt sich aufzuregen, einen Schritt zurückzutreten und die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Oft liegt die Lösung dann wie offensichtlich vor einem.

Natürlich darf man Selbstbewusstsein nicht mit Selbstüberschätzung verwechseln - dann ist die Gelassenheit nicht mehr anmutig sondern anmaßend. Kritisches Hinterfragen der eigenen Situation oder seines Handelns ist immer sinnvoll. Aber auch, sich seiner Fähigkeiten und Stärken bewusst zu sein, gelassen mit Fehlschlägen umzugehen und Unabänderliches zu akzeptieren.

» Mehr über Marie von Ebner-Eschenbach

Autor: Anke Fähnrich


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