24.08.2017

Kompromiss oder doch nur Mist?


Wann immer wir uns in einer Gruppe bewegen, Kompromisse müssen wir alle fast täglich eingehen. In unterschiedlichsten Lebenslagen und Situationen. Mal mehr, mal weniger zähneknirschend, aber immer muss man ein Stück seiner Überzeugung oder seiner Wünsche abtreten. So richtig zufrieden geht man selten nach einem geschlossenen Kompromiss aus der jeweiligen Situation.

Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind.
Aristide Briand (1862-1932)
So wird der französische Politiker Aristide Briand zitiert, der für sein Verhandlungsgeschick - welches sicher viel Kompromissbereitschaft bedingte - nach dem ersten Weltkrieg als Mitinitiator des Vertrags von Locarno und des Dawes-Plans den Friedensnobelpreis erhielt.

Ob oder wie sehr man unzufrieden nach einem geschlossenen Kompromiss ist, hängt immer und unmittelbar von der Ausgangsituation ab: Diskussionen auf Augenhöhe und mit ähnlichen Vorstellungen von Ergebnis oder Ziel sind natürlich einfacher zu führen, als solche zwischen Kontrahenten in ungleichen Machtpositionen oder mit scheinbar unvereinbaren Standpunkten.

Zwischen "Win-Win-Ergebnissen" und "faulen Kompromissen" finden sich viele Schattierungen der Übereinkunft. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Kompromisse nicht dazu führen, dass sich eine Partei übervorteilt oder benachteiligt fühlt. Dann ist ein Kompromiss tatsächlich nur Mist und zieht letztendlich oft mehr Probleme nach sich, als eine konsequente Verfolgung der ursprünglichen Ziele.

Wer sich "über den Tisch gezogen" fühlt, ist sicher weniger bereit, sich an seinen Teil der Abmachung zu halten, als derjenige, der mit dem geschlossenen Kompromiss leben kann.

Ein Kompromiss sollte daher immer Gegenseitigkeit beinhalten. Beide Konfliktparteien müssen freiwillig (!) auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und die gegnerische Position achten.

Vielleicht sollten wir ab und zu mal unsere Ellenbogen einklappen und uns auf die Aphoristikerin Roswitha Bloch berufen, die einen Kompromiss sehr positiv darstellt:
Wenn wir uns entgegen gehen, wird der Weg kürzer.
Roswitha Bloch (*1957)

» Biografie von Aristide Briand

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Autor: Anke Fähnrich


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Anonym16.11.2017 um 19:59:18

Super Spruch der Autorin Roswitha Bloch ... google ich mal.



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