17.08.2017

Chemie und Physik schließen sich nicht aus!


Am 16. August war der 118. Todestag des deutschen Chemikers Robert Wilhelm Bunsen, dem wir das aktuelle Zitat der Woche verdanken. Bunsen wirkte als Professor und Forscher an zahlreichen Standorten (Göttingen, Kassel, Marburg, Heidelberg, Breslau) und war in seinem langen Leben an zahlreiche wichtige Erfindungen und Entdeckungen beteiligt, die man nach klassischer "Schubladen-Denkweise" teilweise der Chemie, teilweise aber auch der Physik zurechnen könnte - wir fassen das meiste heute unter "Physikalischer Chemie" zusammen.

Zu nennen sind hier natürlich zu allererst der nach ihm benannte Bunsenbrenner, das sogenannte "Bunsen-Element" (eine bezahlbare elektrochemische Zelle auf Basis von Zink, Kohle und Schwefelsäure als Elektrolyt) oder das Bunsen-Fotometer zur Bestimmung der Lichtstärke. Die wahrscheinlich wichtigste Entdeckung gelang ihm zusammen mit Gustav Robert Kirchhoff: die Spektralanalyse zur hochspezifischen Elementbestimmung - die Geburtsstunde der Atomspektrometrie. Mit Ihrem Spektralapparat war erst die Entdeckung der Elemente Rubidium und Cäsium möglich.

Man könnte noch viele weitere Analysenverfahren nennen, die Bunsen ganz maßgeblich mitentwickelt hat wie die Iodometrie, verschiedene gasanalylische Verfahren oder das Eis-Kalorimeter zur Ermittlung der spezifische Wärmekapazität . Auch wurde auf seine Anregungen hin der Wirkungsgrad des Hochofenprozesses optimiert. Diese Aufzählung ließe sich noch deutlich erweitern.

Die vielen Erfolge erzielte er wahrscheinlich auch deshalb, weil er chemische mit physikalischen Verfahren auf geniale Weise erstmals kombinierte. Vor diesem Hintergrund ist sein nachfolgendes Zitat sicher als Empfehlung und Warnung an jeden Forscher gemeint, der erfolgreich sein will:

Ein Chemiker, der kein Physiker ist, ist überhaupt gar nichts.
Robert Wilhelm Bunsen (1811 - 1899)

Zu Ehren seiner außergewöhnlich vielfältigen Forschungsarbeiten trägt die 1894 gegründete "Deutsche Elektrochemische Gesellschaft" seit 1902 seinen Nachnamen in Ihrer vollständigen Bezeichnung und heißt bis heute "Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie".

» Mehr über Robert Wilhelm Bunsen

» Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie

Autor: Dr. Torsten Beyer


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Anonym22.08.2017 um 12:23:19

Vielen Dank für den Artikel. Das wissen wir ja als Chemiker schon lange.

Über den Tellerrand schauen war begründeterweise immer Pflicht. Bunsen ist auch nicht das einzige berühmte Beispiel, denn auch über den allgemein als Physiker "eingeordneten" Michael Faraday lässt sich ähnliches sagen. Auch er hat in allen drei Naturwissenschaften bahnbrechende
Entdeckungen gemacht.

Bei einem Vorstellungsgespräch findet sich häufig eine andere Sichtweise, dann ist man nur Spezialist und den Fragenden aus der BWL sind die Zusammenhänge und auch der Begriff "lebenslanges Lernen" nur schwer zu vermitteln.



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